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Ein Dorf, das wächst

Das 470-Einwohner große Dorf Heckenbeck im ländlichen Süd-Niedersachsen zieht seit Jahren junge Familien als Neubürger an. Seine Einwohnerzahl ist, anders als in anderen Dörfern, in den letzten Jahres sogar leicht gestiegen. Zentrale Faktoren für diese Stabilität sind dörfliche Vielfalt und Gemeinschaft.

Von Ricarda Polzin. Heckenbeck, ein Ortsteil des 50 Kilometer von Göttingen und 80 Kilometer von Hannover entfernten Bad Gandersheims, ist ein von sanften Hügeln umrahmter, idyllischer Ort, auf dessen beschaulichen Straßen sich viele Kinder tummeln. In den letzten 25 Jahren sind ca. 25% der Bevölkerung neu zugezogen. Meist junge Familien, "Stadtflüchtlinge", die ein Leben mit mehr Gemeinschaft auf dem Land suchen, jedoch die kulturelle Vielfalt der Stadt und das soziale Netzwerk nicht missen wollen. Im Zuge dieser Entwicklung beherbergt Heckenbeck nun eine bunt gemischte Bevölkerung mit verschiedensten Lebensweisen und Interessen, von traditioneller Landwirtschaft bis Qi Gong.

Das weite Spektrum der Lebensanschauungen stellt eine Herausforderung für das Zusammenleben dar, trotzdem funktioniert es sehr gut. Liegt es an der Toleranz, Offenheit und dem Willen zum Gespräch bei allen Beteiligten? Letztlich scheinen sich die Dorfbewohner bewusst zu sein, dass alle von der Vielfalt profitieren.

Von Tradition zu kultureller Vielfalt

Heckenbeck ist mehr als ein reiner Wohnort. Das Dorf ist sozialer Bezugspunkt und besitzt traditionell ein reges Dorfleben mit vielen Aktivitäten: Schützenverein, Sportverein, Männergesangverein, Bürgerverein, Freiwillige Feuerwehr und eine sehr aktive Kirchengemeinde. Feiern, wie das Hochziehen der Erntekrone und das Boßeln, sind allgemein beliebt. Diese traditionellen Aktivitäten des Ortes wurden nach und nach erheblich erweitert. Alter Wohnraum wurde saniert, neue Wohnformen sowie vielfältige kulturelle und gewerbliche Projekte sind aus gemeinschaftlicher Selbstorganisation heraus entstanden:

  • Die "Weltbühne Heckenbeck", ein soziokulturelles Zentrum mit Kleinkunstbühne im ehemaligen Dorfgasthof 'Zur Linde'
  • Freie Schule und Kindergarten in freier Trägerschaft
  • Meditationshaus
  • Verein für ökologische Projekte mit Car-Sharing und Einsatzstelle für das Freiwillige Ökologische Jahr
  • viele Gruppen von Samba-Band, Bigband bis Männer- und Frauengruppen

Attraktion Bildungsangebot

Eine gute Bildungsperspektive ist gerade für junge Familien von großer Bedeutung. Vor zehn Jahren wurde die "Freie Schule Heckenbeck" mit 14 Kindern als Elterninitiative gegründet. Besonders ungewöhnlich für einen so kleinen Ort ist, dass die Schule inzwischen bis zur zehnten Klasse geht und den Haupt- und Realschulabschluss vor Ort ermöglicht. Heute lernen dort 85 Kinder und Jugendliche selbstbestimmt und altersübergreifend, ihren eigenen Interessen folgend. Das pädagogische Konzept, das auch den angrenzenden Kindergarten Pusteblume einschließt, lockt seit Jahren Familien aus der weiteren Region an. Während in den umliegenden Ortschaften Schulen geschlossen werden, wird in Heckenbeck zur Zeit ein Erweiterungsbau geplant. Für die Betreuung der Jüngsten gibt es seit kurzem eine Kooperation mit einer Tagesmutter.

Aus Lebensraum wird Wirtschaftsraum

Die Einwohnerbindung und die Nachfrage nach Dienstleistungen vor Ort hat sich positiv auf die wirtschaftliche Entwicklung ausgewirkt. Neue Gewerbe haben sich angesiedelt, z.B. eine Tischlerei, Kleinhandwerker, eine Allgemein- und Kinderarztpraxis, eine Hebammenpraxis für Hausgeburten oder der Bauträger "Lebensträume GmbH". Auch im Bereich der Grundversorgung sind mit dem Bioladen "Grüne Tomaten" und ökologisch wirtschaftenden Nahrungsmittelerzeugern neue Unternehmen in Heckenbeck entstanden.

Gemüse für Heckenbeck im Mitglieder-Dorfladen

Wie in vielen anderen kleinen Orten, gab es in Heckenbeck lange Zeit keinen Dorfladen mehr. Das hat sich vor etwa acht Jahren geändert. Der Mitglieder-Bioladen "Grüne Tomaten" bietet eine umfassende Grundversorgung von Gemüse über Milchprodukte bis hin zu Kosmetika. Der Laden ist an drei Tagen in der Woche geöffnet. Das System basiert auf einer normalen Einzelunternehmung, die durch Mitgliedsbeiträge grundfinanziert wird. Die circa 130 Kunden zahlen einen monatlichen Beitrag von maximal 15 Euro zur Deckung der Ladenbetriebskosten. Dafür liegt der Verkaufspreis der Ware nur fünf bis zehn Prozent über dem Großhandelspreis. Die hohe Kundenbindung und die damit verbundene verlässliche Bedarfsplanung ermöglichen ein Angebot von frischer Ware zu angemessenen Preisen. Beliefert wird der Laden unter anderem von regionalen Anbietern.

Seit sieben Jahren gibt es außerdem Gemüse frisch vor Ort. Der Bio-Betrieb "Gemüsebau Heckenbeck" hat sich zum Ziel gesetzt, Gemüse direkt für die Bevölkerung in Heckenbeck und der unmittelbaren Umgebung anzubauen. Auf einer Fläche von nur 0,5 ha bietet er mit ca. 40 Sorten seinen Kunden ein vielfältiges und erntefrisches Angebot. Vertrieben wird das Gemüse über den Mitglieder-Dorfladen, ein Abo-Kistensystem, Ab-Acker-Verkauf sowie ein Seminarhaus mit Vollwertküche. Darüber hinaus werden durch die vollständige Direktvermarktung Transportwege kurz und die Wertschöpfung im Ort gehalten. Die kurzen Wege und die Grundversorgung vor Ort erleichtern Familien ein Alltagsleben ohne Auto, auch auf dem Land.

Gemeinschafts-Leihrad und Teilauto Heckenbeck

Der öffentliche Personennahverkehr von Heckenbeck beschränkt sich auf für Fahrgäste geöffnete Schulbusse und einer einzigen Verbindung zum vier Kilometer entfernten Kreiensen pro Tag. Von Kreiensen aus hat man eine gute Zuganbindung in alle Richtungen. Die vorhandene Busverbindung ist jedoch nicht auf die Zugzeiten abgestimmt. Deshalb hat das Dorf Gemeinschafts-Leihräder mit Zahlenschloss angeschafft. Sie können für die Bahnhofsstrecke ausgeliehen und am Bahnhof abgestellt werden. Gewartet werden die Räder ehrenamtlich in einer Fahrradselbsthilfewerkstatt.

Um die Mobilität der autolosen Einwohner von Heckenbeck zu unterstützen, gibt es außerdem das Car-Sharing-System "Teilauto Heckenbeck". Autoeigentümer stellen ihr Fahrzeug zur Mitnutzung zur Verfügung; Nutzer sind über eine spezielle Versicherung durch den Bundesverband CarSharing e.V. versichert.

Auch in Zukunft gemeinsam Reden und Tun

Damit Heckenbeck auch in den kommenden Jahren eine gute Perspektive hat, bedarf es weiterhin eines großen Engagements. Besonders wichtige Bereiche sind die Mobilität, lokale Arbeitsplätze, Vergrößerung der Anbaufläche für den lokalen Nahrungsmittelbedarf, außerdem die Schaffung von Wohnraum, z.B. neue Wohnformen für die ältere Generation. Um all das zu erreichen, braucht es eine gute Kommunikationskultur und Menschen mit Initiativkraft - ein miteinander Reden und Tun aller.

Damit eine regional orientierte Lebensmittelversorgung noch mehr Menschen erreicht, müssen Hemmschwellen verringert werden. So wird der Bioladen im Wesentlichen von Zugezogenen genutzt. Um dies zu ändern, sind z.B. Heckenbecker Markttage angedacht. Ein Heckenbeck Logo für die Regionalvermarktung ist in Arbeit. Im Bereich Mobilität schwebt einigen ein Bürgerbus vor, der Heckenbeck mit dem Bahnhof Kreiensen verbinden soll. Davon würden von Schülern bis Senioren alle profitieren.

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