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Was ist der demografische Wandel?

Ausschnitt aus der Karte "Demografischer Wandel, eine Synthese", BBSR 2008

"Weniger, älter, bunter" so lautet die kurz und bündige Formel des demografischen Wandels. Doch was heißt das eigentlich?

Von Steffen Maretzke und Claus Schlömer. In den meisten Industrieländern, insbesondere in Europa, zeichnen den demografischen Wandel drei charakteristische Veränderungen in der Zusammensetzung und Entwicklung der Bevölkerung aus: Statt zu wachsen, schrumpft die Bevölkerung. Wir werden dank des medizinischen Fortschritts und des Wohlstands immer älter und schließlich werden wir aufgrund langjähriger Zuwanderung von außen immer internationaler.

In seinen Grundzügen betrachtet, ist der demografische Wandel ein kontinuierlicher, kaum umkehrbarer Prozess. Eingesetzt hat er zwar schon vor Jahrzehnten, doch erst in der jüngeren Vergangenheit gewann er an Dynamik, und er wird in der absehbaren Zukunft weiter prägend sein. Gerade in Deutschland ist er besonders weit fortgeschritten.

Zentrale Ursache ist der Rückgang der Fertilität im Jahrzehnt 1965 bis 1975 unterhalb des Niveaus, das langfristig für eine stabile Bevölkerungszahl nötig ist: Dies wird erreicht, wenn etwa 2,1 Kinder je Frau geboren werden. In den Zeiten des "Babybooms" der 1950/60er-Jahre wurde dieser Schwellenwert teils erheblich übertroffen. Doch nach 1964 setzte ein so scharfes Absinken der Fertilität ein, dass der Wert ab 1970 unterschritten wurde. Ab 1975 pendelte sich die durchschnittliche Kinderzahl bei etwa 1,4 ein und verharrt seitdem mit nur geringen Schwankungen auf diesem Niveau. Die seit dieser Zeit geborenen und entsprechend schwach besetzten Jahrgänge sind mittlerweile selbst ins Alter der Familiengründung gekommen. Seit nunmehr über 30 Jahren ist jede Generation nur rund zwei Drittel so groß wie die ihrer Eltern. Der "Sockel" der Bevölkerungspyramide ist entsprechend schmal geworden. Mit dieser Grundkonstellation ist nicht nur auf lange Sicht eine kaum umkehrbare Schrumpfung der Bevölkerungszahl verbunden. Sie bewirkt, weitaus kurzfristiger, auch eine "Alterung von unten". Der Rückgang der Anteile junger Menschen wird durch eine "Alterung von oben" begleitet: Zunehmend stellen die (noch) geburtenstarken Jahrgänge die Bevölkerung im höheren Alter. Durch die ungebrochene Zunahme der Lebenserwartung wird die Zahl der älteren Menschen zusätzlich größer, mittelfristig wächst aber auch die Zahl der Sterbefälle und übersteigt die – bestenfalls stagnierenden – Geburtenzahlen erheblich.

Langjährige internationale Wanderungsgewinne haben die Abnahme der Bevölkerungszahl und die Alterung immer wieder kompensieren, zumindest aber abmildern können. Sie bewirken auf der anderen Seite eine fortwährende Veränderung der Zusammensetzung der Bevölkerung, durch eine Zunahme der Bevölkerung mit Migrationshintergrund, die Zuwanderer und deren Nachkommen. Dieser Prozess wird als Internationalisierung bezeichnet und leistet als dritte Komponente des demografischen Wandels seinen Beitrag zum Gesamtphänomen.

Ein bundesweites Potpourri

Der demografische Wandel ist für Deutschland insgesamt damit eine gemeinsame Rahmenbedingung für etliche Handlungsbereiche in Politik und Gesellschaft. In den Regionen zeigt er sich dagegen in vielfältiger Ausprägung und Intensität, sodass ein buntes Nebeneinander von Kommunen und Teilräumen mit unterschiedlichsten Positionen innerhalb des generellen Wandlungsprozesses existiert.

Mit der Öffnung der innerdeutschen Grenze und schließlich der deutschen Wiedervereinigung wurden die regionalen Gegensätze bezüglich des demografischen Wandels in hohem Maße mit einem Ost-West-Gegensatz identisch. Neben der Abwanderung nach Westen hat vor allem der massive Geburteneinbruch in den neuen Ländern eine enorme Beschleunigung der Prozesse ausgelöst. Zudem haben im Osten neue Formen der Binnenwanderung die kleinräumigen Unterschiede, zumindest vorübergehend, zusätzlich verstärkt. Mittlerweile werden aber auch die westdeutschen Regionen vom demografischen Wandel erfasst. Eine immer größer werdende Zahl von Regionen, Kreisen und Gemeinden verlässt den Wachstumspfad und sieht sich mit rückläufigen Bevölkerungszahlen konfrontiert. Dies stellt gerade dort, wo Planung und Politik jahrzehntelang an Wachstum orientiert waren, für viele Akteure eine neue Erfahrung dar.

Demografischer Wandel zum Anschauen

Generell gilt, dass Alterung und Bevölkerungsrückgang in Ost und West die ländlichen Räume stärker betreffen als die Städte. Dies wird nochmals anhand der Abbildung deutlich. Die Karte zeigt eine Synthese zur künftigen Ausprägung der drei Komponenten Bevölkerungsdynamik, Alterung und Internationalisierung. Diese werden einer räumlichen Arrondierung und Generalisierung, mithin also einer Vergröberung und Schematisierung unterzogen. Die Karte dient somit dazu, zwei Fragen zu beantworten:

  1. Wo haben die Komponenten des demografischen Wandels ihre räumlichen Schwerpunkte? 
  2. Wo fallen verschiedene Komponenten des demografischen Wandels zusammen?

Dabei lassen sich auffällige Konstellationen identifizieren, die sich aus der Überlagerung der verschiedenen Teilaspekte ergeben und besonders markante Muster bilden: Zunächst die regionale Spaltung der Dynamik, die im Süden und Nordwesten, sowie in den Randbereichen der Agglomerationen noch Bevölkerungszunahmen, im größeren Teil des Bundesgebietes aber bereits Abnahmen zeigt. In praktisch allen Teilräumen findet ein Alterungsprozess statt, der unterschiedliche Ursachen hat und eine ebenso unterschiedliche Intensität aufweist. So sind in den meisten wachsenden Regionen weniger die Abnahme der jüngeren Altersgruppen als vielmehr die Zunahme der Zahl der alten Menschen von Bedeutung. In den meisten schrumpfenden Regionen sind dagegen Abnahmen der schulpflichtigen Jahrgänge zu verzeichnen. Wenn gleichzeitig eine starke Zunahme der Hochbetagten stattfindet, sind die altersstrukturellen Verwerfungen doppelt bedeutsam. Genau diese Konstellation gilt für weite Teile des ländlichen Raumes in den neuen Ländern. Hier kumulieren – mit Ausnahme der Internationalisierung – die Komponenten des demografischen Wandels in ihren deutlichsten Ausprägungen.

Die Zunahme der Bevölkerung mit Migrationshintergrund überlagert wiederum die anderen Ergebnisse. Sie findet vorwiegend in den Städten statt, also dort, wo die altersstrukturellen Verschiebungen eine geringere Bedeutung haben. In den alten Ländern betrifft dies im Süden und Westen Deutschlands auch zunehmend kleinere Städte und höher verdichte Kreise in den Agglomerationsräumen. In den neuen Ländern bleibt eine nennenswerte Zunahme der Bevölkerungsgruppen mit Migrationshintergrund dagegen auf wenige Großstädte beschränkt.

Von anderen lernen

Was der demografische Wandel für die ländlichen Räume genau bedeutet, das erfahren Sie auf den nachfolgenden Seiten. Vier Beispiele aus Deutschland – Regionen, Landkreise und Kommunen – stellen vor, mit welchen Folgen des demografischen Wandels sie vor Ort umgehen müssen. Flankiert werden die Erfahrungsberichte von Infokästen, die kurz und bündig erklären, welche wesentlichen Einflussfaktoren festgestellt werden können und wie sich Indikatoren wie das Geburtenniveau, die Altersstruktur oder die Sterblichkeit entwickeln. Geschildert werden auch die Auswirkungen auf die kommunalen Finanzen und die soziale und technische Infrastruktur. Die Themen Binnenwanderung und Außenwanderung werden ebenfalls beleuchtet.


Dr. Steffen Maretzke und Dr. Claus Schlömer sind Projektleiter im Bundesinstitut für Stadt-, Bau- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR).

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