Zum Inhalt

Marginal-Spalte (weiterführende Informationen zum Thema)

Ansprechpartner

  • Susanne Schniete
    0228 / 68 45 - 26 75

Hauptnavigation

Ein Webangebot der:

Europäischer Landwirtschaftsfonds
für die Entwicklung des
ländlichen Raums:
Hier investiert Europa in die
ländlichen Gebiete.

 

Inhalt

Wie geht es weiter mit der Wasserrahmenrichtlinie?

Transferbesuch zum landwirtschaftlichen Gewässerschutz am 27. und 28. Juni 2019 in Damme und Liebenau

Ziel der Wasserrahmenrichtlinie sind flächendeckend "gute Zustände" aller Gewässer in Europa bis 2027. In Deutschland sind diffuse Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft ein Grund, weshalb dieses Ziel noch nicht erreicht ist. Um die Düngepraxis zu ändern, spielt eine entsprechende Beratung der Landwirte eine entscheidende Rolle. Wie Gewässerschutz in der landwirtschaftlichen Praxis aussehen kann, das veranschaulichte unsere Exkursion im Juni 2019 anhand von zwei Betrieben in Niedersachen.

WRRL-Beratung in Niedersachen

Innerhalb der "Maßnahmenkulisse zur Reduktion des Nitrateintrags" können Landwirte in Niedersachsen eine kostenfreie Beratung in Anspruch nehmen, wenn mindestens 25 Prozent ihres Betriebs in entsprechenden Gebieten liegen. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hat für die Beratung die Landwirtschaftskammer und vier Ingenieurbüros beauftragt. Weitere Infos finden Sie hier

Durch Vorträge, Veranstaltungen, Rundschreiben und Demonstrationsversuche erhalten die Landwirte Informationen zu gewässerschutzorientierten Maßnahmen. Neben den Gebiets- und Fachinformationen können sie sich auch mit Fragen zu Agrarumweltmaßnahmen an die Berater wenden.

Eine intensive, einzelbetriebliche Beratung erhalten rund 200 Modellbetriebe in Niedersachsen. Zwei davon besuchten wir auf der Exkursion:

Modellbetrieb in Damme: Schwerpunkt Viehhaltung und Gülle-Management

Seit 2010 wird Hartwig Wehming durch Gewässerschutzberater der Landwirtschaftskammer bei der gesamtbetrieblichen Verbesserung seiner Nährstoffeffizienz unterstützt. Seitdem konnte er die Nmin-Bilanz (mineralisierter Stickstoffgehalt des Bodens) des Betriebs stark senken. Grundlage ist eine betriebliche Düngeplanung, die jährlich durch den Berater erstellt wird.  Eine Maßnahme ist zum Beispiel der Anbau von Zwischenfrüchten, die Restnährstoffe konservieren. Außerdem helfen vegetationsbegleitende Untersuchungen dabei, den Bedarf an Dünger zu ermitteln und so die Düngemenge zu reduzieren.

Gewässerschutzberate Gottfried Rolfes veranschaulicht das Beratungsmodell der LWK.

Weitere Informationen zum Beratungsangebot der LWK Niedersachsen finden Sie hier

Wissen was gedüngt wird per NIRS Sensor

Auf dem Betrieb kann Herr Wehming die Gülle von rund 4 000 Schweinen nicht vollständig auf den eigenen Ackerflächen verwerten. Die überschüssige Gülle abzugeben ist aber nicht einfach, denn die Abnehmer möchten genau wissen, welche Nährstoffe in ihr stecken. Mit NIRS-Sensoren lässt sich der Nitratwert inzwischen relativ exakt ermitteln. Er ist flexibel zwischen Stall und Güllefass oder auch Güllefass und Ackerfläche einsetzen. In jedem Fall vermittelt er genaue Kenntnisse über die Nährstoffgehalte in der jeweiligen Gülle. Die Anschaffungskosten von derzeit rund 30 000 Euro kann allerdings kaum ein Landwirt alleine tragen.

Anna Janßen, Gewässerschutzberaterin bei der LWK NRW, demonstriert den NIRS-Sensor auf Herrn Wehmings Betrieb.

Im Rahmen der eigenen WRRL-Beratung wird den Modellbetrieben in Nordrhein-Westfalen die NIRS-Technik zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen wie die Beratung in NRW sonst funktioniert finden Sie hier

Güllemengen durch Zentrifugen reduzieren

"Betrachten wir das ganze Land, haben wir kein Gülleproblem in Deutschland", so ein Teilnehmer bei der Veranstaltung. Das Problem besteht vielmehr darin, dass sich die Viehhaltung auf einigen Standorten konzentriert. Von dort aus muss die Gülle in Ackerbau-Regionen transportiert werden. Doch das lohnt sich sowohl ökonomisch nur bei Strecken von maximal 200 Kilometern. Auch aus ökologischer Sicht sind die vielen Transporte bedenklich. Sinnvoller ist es, die Gesamtmenge an Gülle zu reduzieren. Die Landwirtschaftliche Bezugsgenossenschaft Damme setzt dazu eine mobile Zentrifuge ein. Diese trennt flüssige und von festen Bestandteilen. Nur noch diese werden dann an ihren Zielort gebracht wodurch die Anzahl von LWK-Fahrten deutlich reduziert werden konnte.

Die mobile Zentrifuge der LBD trennt flüssige und feste Bestandteile der Gülle direkt auf den Betrieben.

Modellbetrieb in Liebenau: Schwerpunkt Ackerbau

Auch Sönke Schierholz wird seit 2010 durch Sebastian Biere, Gewässerschutzberater des Ingenieurbüros INGUS, unterstützt. Er erhält eine Nährstoffbilanzierung auf Betriebs- und Schlagebene , die Düngeplanung für alle Einzelschläge sowie eine vegetationsbegleitende Düngeberatung. Mindestens zweimal pro Jahr werden Nmin Proben genommen. Die Herbstprobe dient der Erfolgskontrolle: wieviel Nitrat ist nach Vegetationsende noch im Boden?

Der Nmin-Wert wird mithilfe eines Bodenprobenentnahmegeräts festgestellt.

Sebastian Biere prüft den Nährstoffbedarf der Maiskultur.

 

 

Auf dem reinen Ackerbaubetrieb werden fünf verschiedene Kulturen angebaut. Die Bodentypen variieren in der Region zwischen sandigen bis hin zu schweren Böden der Wesermarsch. Auf dem Betrieb wird Gülle aus der viehhaltenden Region aufgenommen.

Um den aktuellen Düngebedarf von Kulturen zu ermitteln, kann ein Nitra-Check den Bedarf anhand einer Blattmessung ermitteln.

Weitere Informationen zur Beratung durch INGUS und Kontakt finden Sie hier


Erfahrungen aus dem Trinkwasser-Kooperationsmodell

Viel Praxiserfahrung bei der Reduktion von Nitrat haben Regionen, die als Trinkwasser-Gewinnungsgebiete ausgewiesen sind. Dort gibt es oft seit langer Zeit freiwillige Kooperationen zwischen Wasserversorgern und Landwirtschaft. Das gemeinsame Ziel: eine gute Trinkwasserqualität.
Ähnlich der WRRL-Beratung, ist auch diese für Landwirte kostenlos. Im Niedersächsischen Modell werde aus der Wasserentnahmegebühr zusätzlich sogenannte freiwillige Vereinbarungen finanziert. Dabei handelt es sich um spezielle Flächenmaßnahmen zum Grundwasserschutz.

Veröffentlichungen des NLWKN zum Thema finden Sie hier

Im Rahmen der Exkursion berichteten drei Kooperationen von ihren Erfahrungen:

Oldenburgisch-Ostfriesischer-Wasserverband (OOWV)
Im Gebiet des OOWV nehmen rund zwei Drittel der Landwirte die Beratung in Anspruch. Pro Hektar stehen für Beratung und die Maßnahmen rund 74 Euro zur Verfügung. Christina Aue stellte wichtige Erfolgsparameter der Kooperation und besonders wirksame Maßnahmen vor. Auch Herausforderungen und Probleme wie der Wirtschaftsdüngeranfall  und der Klimawandel wurden thematisiert. Abschließend stellte sie Optimierungspotentiale und Erfolgsfaktoren für die Zusammenarbeit  vor und erläuterte die Ziele, die  über den landwirtschaftlichen Gewässerschutz erreicht werden sollen.

Kooperation zwischen Landwirtschaft und Wasserwirtschaft - Erfahrungsbericht
Christina Aue, OOWV

Arbeitskreis des Wasserschutzgebiets Liebenau
Dirk Plate, Gewässerschutzberater der LWK, stellte die 25 Jahre bestehende Kooperation vor. Auf rund 2 000 Hektar sind Berater vom Ingenieurbüro INGUS und der Landwirtschaftskammer tätig. In der aktuellen Rahmenvertragsphase von 2018 bis 2022 wurden weniger finanzielle Mittel bereitgestellt, weshalb auch die Menge an abgeschlossenen Maßnahmen abgenommen hat. Im Mittel sind seit dem Jahr 2000 so nur etwa die Hälfte der möglichen Fläche unter freiwilligen AUKM-Verträgen.

Maßnahmen und Wasserwirtschaft im Wasserschutzgebiet Liebenau
Dirk Plate, Landwirtschaftskammer Niedersachsen

Arbeitskreis Landwirtschaft, Boden und Wasser im Rhein-Sieg-Kreis (alwb)
Im Rhein-Sieg-Kreis betreut der alwb rund 11 000 Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche. Vier verschiedene Wasserversorger sind für sieben Wassereinzugsgebiete verantwortlich. Anders als in Niedersachsen, müssen Landwirte Mitglied im Arbeitskreis sein, um von der Beratung zu profitieren. Für teilnehmende Landwirte werden Nmin Proben genommen. Auch der Bau von Güllelagerungen wird kofinanziert. Eine Besonderheit ist der große Maschinenpark, auf den der alwb zurückgreifen kann. Die moderne Technik ist mit GPS ausgestattet und kann so präzise Dünger ausbringen. Für die Arbeit des alwb mit Beratern, Maschinen und Fahrern werden jährlich rund 1,2 Millionen Euro aufgewendet. Weitere Informationen finden Sie hier

Anpassungen der Düngeverordnung

Um Änderungen in der Düngepraxis zu erwirken, spielt das Ordnungsrecht eine entscheidene Rolle. Denn nachdem Messungen zufolge weiterhin 28 Prozent der deutschen Brunnen mit über 50 mg/l Nitrat belastet sind, muss die Düngeverordnung angepasst werden. Einschätzungen dazu konnte Herr Professor Dr. Jörg Michael Greef geben.

Aktueller Stand zur Anpassungen der Düngeverordnung
Prof. Dr. Jörg Michael Greef, Julius-Kühn-Institut

Hauptnavigation

Service-Navigation

###ETRACKER###