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Wie geht es weiter mit der Wasserrahmenrichtlinie?

Transferbesuch zum landwirtschaftlichen Gewässerschutz
am 27. und 28. Juni 2019 in Damme und Liebenau

Ziel der Wasserrahmenrichtlinie sind flächendeckend "gute Zustände" aller Gewässer in Europa bis 2027. In Deutschland sind diffuse Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft ein Grund, weshalb dieses Ziel noch in weiter Ferne steht. Um die Düngepraxis zu ändern, spielt eine entsprechende Beratung der Landwirte eine entscheidende Rolle.
Wie diese Beratung die landwirtschaftlichen Praxis beeinflussen kann, das veranschaulichte unsere Exkursion.

WRRL-Beratung in Niedersachen

Innerhalb der "Maßnahmenkulisse zur Reduktion des Nitrateintrags" können Landwirte in Niedersachsen eine kostenfreie Beratung in Anspruch nehmen, wenn mindestens 25 Prozent ihres Betriebs in den entsprechenden Gebieten liegen. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hat für die Beratung die Landwirtschaftskammer und vier Ingenieurbüros beauftragt.
Weitere Informationen zum Beratungsgebiet und den -trägern finden Sie hier.

Durch Vorträge, Veranstaltungen, Rundschreiben und Demonstrationsversuche erhalten alle Landwirte in den Gebieten Informationen zu gewässerschutzorientierten Maßnahmen. Eine intensive, einzelbetriebliche Beratung erhalten rund 200 Modellbetriebe in Niedersachsen. Zwei davon besuchten wir auf der Exkursion:

Modellbetrieb in Damme:
Schwerpunkt Viehhaltung und Gülle-Management

Seit 2010 wird Hartwig Wehming durch Gewässerschutzberater der Landwirtschaftskammer bei der gesamtbetrieblichen Verbesserung seiner Nährstoffeffizienz unterstützt. Seitdem konnte er die Nmin-Bilanz (mineralisierter Stickstoffgehalt des Bodens) des Betriebs stark senken. Grundlage ist eine betriebliche Düngeplanung, die jährlich durch den Berater erstellt wird.  Eine Maßnahme ist zum Beispiel der Anbau von Zwischenfrüchten, wodurch Restnährstoffe konserviert werden. Außerdem helfen vegetationsbegleitende Untersuchungen dabei, den Bedarf an Dünger zu ermitteln und so die Düngemenge zu reduzieren.

Informationen über das Beratungsangebot der LWK Niedersachsen finden Sie hier

Wissen was gedüngt wird: NIRS-Sensor

Auf dem Betrieb kann die Gülle von rund 4 000 Schweinen nicht vollständig auf den eigenen Ackerflächen verwertet werden. Die überschüssige Gülle abzugeben ist aber nicht einfach, denn die Abnehmer möchten genau wissen, welche Nährstoffe in ihr stecken. Mit Nahinfrarotspektroskopie-Sensoren lässt sich der Nitratwert inzwischen relativ exakt ermitteln. Er ist flexibel zwischen Stall und Güllefass oder auch Güllefass und Ackerfläche einsetzbar. In jedem Fall vermittelt er genaue Kenntnisse über die Nährstoffgehalte in der jeweiligen Gülle. Die Anschaffungskosten von derzeit noch rund 30 000 Euro kann allerdings kaum ein Landwirt alleine tragen.

Gewässerschutzberaterin Anna Janßen erklärte die NIRS-Technik.

Im Rahmen der eigenen WRRL-Beratung wird den Modellbetrieben in Nordrhein-Westfalen die NIRS-Technik zur Verfügung gestellt.
Weitere Informationen wie die Beratung in NRW sonst funktioniert finden Sie hier.

Güllemengen durch Zentrifugen reduzieren

"Betrachten wir das ganze Land, haben wir kein Gülleproblem in Deutschland", so ein Teilnehmer bei der Veranstaltung. Aber die Viehhaltung konzentriert sich in einigen Regionen. Von dort aus wird die überschüssige Gülle abtransportiert. Doch das lohnt sich nur bei Strecken von maximal 200 Kilometern. Auch aus ökologischer Sicht sind die vielen Transporte bedenklich. Sinnvoll ist es, die Gesamtmenge zu reduzieren. Die Landwirtschaftliche Bezugsgenossenschaft Damme setzt dazu eine mobile Zentrifuge ein. Diese trennt flüssige und von festen Bestandteilen. Die flüssige Fraktion (nährstoffarm) verbleibt auf dem Betrieb. Im nährstoffreichen Feststoff sind circa 70 Prozent des Phosphats und 25 Prozent des Stickstoffs. Indem nur noch dieser Feststoff transportiert wird, werden rund 600 LKW-Fahrten pro Jahr eingespart.

Die mobile Zentrifuge der LBD vermindert die Menge an transportwürdiger Güllemasse.

Modellbetrieb in Liebenau: Schwerpunkt Ackerbau

Auch Sönke Schierholz wird seit 2010 durch Sebastian Biere, Gewässerschutzberater des Ingenieurbüros INGUS, unterstützt. Er erhält eine Nährstoffbilanzierung auf Betriebs- und Schlagebene , die Düngeplanung für alle Einzelschläge sowie eine vegetationsbegleitende Düngeberatung. Mindestens zweimal pro Jahr werden Nmin Proben genommen. Die Herbstprobe dient der Erfolgskontrolle: wieviel Nitrat ist nach Vegetationsende noch im Boden?

Der Nmin-Wert wird mithilfe eines Bodenprobenentnahmegeräts festgestellt.

Sebastian Biere prüft den Nährstoffbedarf der Maiskultur.

 

 

Auf dem reinen Ackerbaubetrieb werden fünf verschiedene Kulturen angebaut. Die Bodentypen variieren in der Region zwischen sandigen bis hin zu schweren Böden der Wesermarsch. Auf dem Betrieb wird Gülle aus der viehhaltenden Region aufgenommen.

Um den aktuellen Düngebedarf von Kulturen zu ermitteln, kann ein Nitra-Check den Bedarf anhand einer Blattmessung ermitteln.

Weitere Informationen zur Beratung durch INGUS und Kontakt finden Sie hier


Erfahrungen aus dem Trinkwasser-Kooperationsmodell

Viel Praxiserfahrung bei der Reduktion von Nitrat haben Regionen, die als Trinkwasser-Gewinnungsgebiete ausgewiesen sind. Dort gibt es oft seit langer Zeit freiwillige Kooperationen zwischen Wasserversorgern und Landwirtschaft.
Das gemeinsame Ziel: eine gute Trinkwasserqualität.
Ähnlich der WRRL-Beratung, ist auch diese für Landwirte kostenlos. Im "Niedersächsischen Modell" werde aus der Wasserentnahmegebühr zusätzlich sogenannte freiwillige Vereinbarungen finanziert. Dabei handelt es sich um spezielle Flächenmaßnahmen zum Grundwasserschutz.
Veröffentlichungen des NLWKN zum Thema finden Sie hier.

Im Rahmen der Exkursion berichteten drei Kooperationen von ihren Erfahrungen:

Oldenburgisch-Ostfriesischer-Wasserverband (OOWV)
Im Gebiet des OOWV nehmen rund zwei Drittel der Landwirte die Beratung in Anspruch. Pro Hektar stehen für Beratung und die Maßnahmen rund 74 Euro zur Verfügung. Christina Aue stellte wichtige Erfolgsparameter der Kooperation und besonders wirksame Maßnahmen vor.

Kooperation zwischen Landwirtschaft und Wasserwirtschaft - Erfahrungsbericht
Christina Aue, OOWV

Arbeitskreis des Wasserschutzgebiets Liebenau
Dirk Plate, Gewässerschutzberater der LWK, stellte die 25 Jahre bestehende Kooperation vor. Auf rund 2 000 Hektar sind Berater vom Ingenieurbüro INGUS und der Landwirtschaftskammer tätig. In der aktuellen Rahmenvertragsphase von 2018 bis 2022 wurden weniger finanzielle Mittel bereitgestellt, weshalb sich die Anzahl von abgeschlossenen Maßnahmen seit 2000 etwa halbiert hat.

Maßnahmen und Wasserwirtschaft im Wasserschutzgebiet Liebenau
Dirk Plate, Landwirtschaftskammer Niedersachsen (Vortrag folgt)

Arbeitskreis Landwirtschaft, Boden und Wasser im Rhein-Sieg-Kreis (alwb)
Im Rhein-Sieg-Kreis betreut der alwb rund 11 000 Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche. Vier verschiedene Wasserversorger sind für sieben Wassereinzugsgebiete verantwortlich. Anders als in Niedersachsen, müssen Landwirte Mitglied im Arbeitskreis sein, um von der Beratung zu profitieren. Für teilnehmende Landwirte werden Nmin Proben genommen. Auch der Bau von Güllelagerungen wird kofinanziert. Eine Besonderheit ist der große Maschinenpark, auf den der alwb zurückgreifen kann. Die moderne Technik ist mit GPS ausgestattet und kann so präzise Dünger ausbringen. Für die Arbeit des alwb mit Beratern, Maschinen und Fahrern werden jährlich rund 1,2 Millionen Euro aufgewendet. Weitere Informationen finden Sie hier.
In der LIF-Ausgabe "Boden braucht Schutz" erschien ein Beitrag über den alwb.

Anpassungen der Düngeverordnung

Um Änderungen in der Düngepraxis zu erwirken, spielt das Ordnungsrecht eine entscheidene Rolle. Nachdem Messungen zufolge weiterhin 28 Prozent der deutschen Brunnen mit über 50 mg/l Nitrat belastet sind, muss die Düngeverordnung angepasst werden. Einschätzungen dazu konnte Herr Professor Dr. Jörg Michael Greef geben.

Aktueller Stand zur Anpassungen der Düngeverordnung
Prof. Dr. Jörg Michael Greef, Julius-Kühn-Institut

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