Zum Inhalt

Marginal-Spalte (weiterführende Informationen zum Thema)

Ansprechpartner

  • Stefan Kämper
    Tel. 02 28 68 45 37 22

Hauptnavigation

Ein Webangebot der:

Europäischer Landwirtschaftsfonds
für die Entwicklung des
ländlichen Raums:
Hier investiert Europa in die
ländlichen Gebiete.

 

Inhalt

Vertraut Euch!

LEADER: Bottom-up – der Weg aus dem europäischen Förderdilemma

Veranstaltung im Rahmen des Zukunftsforums Ländliche Entwicklung, 25. Januar 2018 in Berlin

Begleitveranstaltung auf dem Zukunftsforum 2017

Wie stärkt man die Verantwortung regionaler Akteure in LEADER-Aktionsgruppen und wie schafft man dafür das notwendige Vertrauen? Das war die zentrale Fragestellung unserer Veranstaltung auf dem diesjährigen Zukunftsforum in Berlin. Rund 150 Teilnehmer waren unsere Gäste; Mitveranstalter die Bundesarbeitsgemeinschaft der LEADER-Aktionsgruppen (BAGLAG) und die Agrarsoziale Gesellschaft (ASG).

Anfang der 90er Jahre war das Ziel der Gemeinschaftsinitiative LEADER, Verantwortung in die Region abzugeben und die Förderung zu vereinfachen – von Vereinfachung kann man heute jedoch nicht mehr sprechen. Spätestens mit der Einbindung in die Mainstream-Förderung der zweiten Säule der europäischen Agrarpolitik wurde der LEADER-Ansatz mit einer unüberschaubaren Regelungsdichte überfrachtet. Mit der Folge: Projektträger wenden sich zunehmend ab und verzichten sogar gänzlich auf eine Förderung. Was ist der Ausweg aus diesem Förderdilemma? Vielleicht eine Rückbesinnung auf die Wurzeln von LEADER?

Grundsätzlich bietet die Verlagerung von Verantwortung in die Region große Chancen, vor Ort kann man so eine bedarfsgerechte Entwicklung gestalten. Denn – eine besondere Stärke von LEADER ist die Vielfalt von Menschen und Institutionen, die in den Aktionsgruppen zusammengeschlossenen sind. Sie verfügen über ein breites „regionales Know-how“, um die passenden Förderentscheidungen zu treffen.

Damit diese Kompetenz sich entfalten kann, muss das Vertrauen gestärkt werden, das Vertrauen zwischen Regionen und zwischen allen Beteiligten im gesamten LEADER-Prozess – auf allen Ebenen. Denn nicht nur allgemein wird gefordert, dass Förderpolitik sich wieder stärker durch den Ansatz „Vertrauen statt Misstrauen“ auszeichnen soll; konkret verbessert Vertrauen auch die Förderpraxis vor Ort.

Deshalb stand bei der Veranstaltung die Frage im Zentrum, welche Bedeutung Vertrauen für den LEADER-Ansatz hat, genauer: wer sollte wem besonders vertrauen und – vor allem – was sind die Voraussetzungen dafür, dass die beteiligten Institutionen einander mehr vertrauen können?

Auf die Menschen hören

Einleitend setzte sich Thomas Schaumberg, der Geschäftsführer der Vogelsberg Consult und Regionalmanager der LEADER-Region Vogelsberg in Hessen, mit der Frage auseinander, wie sich LEADER in über 25 Jahren verändert hat   vom „Labor“ in LEADER I bis hin zum Mainstream. Er betonte, dass sich regionale Akteure nur dann an der Entwicklung beteiligen, wenn sie entsprechende Verantwortung tragen – dazu gehört, dass ihnen entsprechendes Vertrauen entgegengebracht wird. (Vortrag von Thomas Schaumberg zum Nachlesen, PDF-Datei, 634 KB | ... zum Nachhören, 5:06 Minuten, MP3-Datei, 4 MB)

Denn nur dann, wenn die lokale Bevölkerung tatsächlich die Verantwortung für die Entwicklung der eigenen Region hat, könne sich das Potential ländlicher Gebiete wirklich entfalten, unterstrich Hartmut Berndt von der BAG LAG in seinem Statement. Er betonte, dass die lokalen Akteure ihre Bedürfnisse am besten kennen und deshalb auch die Entwicklung ihrer Region selbst in die Hand nehmen sollten. (Vortrag von Hartmut Berndt zum Nachhören, 8:27 Minuten, MP3-Datei, 6,4 MB)

Europa vor Ort sichtbar machen

„Partnerschaft und Entwicklung von unten“ war in den 1990er Jahren, so Heino von Meyer von der OECD in Deutschland, ein wesentliches Merkmal der jungen Gemeinschaftsinitiative LEADER. Er zeigte in seinem Beitrag Parallelen zwischen der Situation Mitte der 1980er Jahre und heute auf. Eine Gemeinsamkeit waren krisenhafte Entwicklungen in der Europäischen Union, auf die nur mit mutigen politischen Entscheidungen reagiert werden konnte und einem Bekenntnis zu Europa. Letzteres könne sich durchaus auch in einem erweiterten Finanzrahmen ausdrücken. Von Meyer verwies auf die „Erfindung“ einer ganz neuen Entwicklungspolitik für ländliche Räume, in der der Agrarsektor eine Rolle wie andere Wirtschaftssektoren spielen solle. Dieser Weg solle weitergegangen werden, da vieles noch nicht verwirklicht sei. Besonders betonte von Meyer, dass es nicht ausreiche, nur Methoden und Verwaltungsvereinfachungen zu diskutieren, sondern dass eine politische Debatte in Europa notwendig sei. Denn Europa könne nur durch konkrete Aktionen vor Ort erfahrbar werden – und da bietet LEADER große Chancen. Aber nur dann, wenn der partizipative Prozess von unten lebendig bleibt und nicht zum „Fake-LEADER“ wird, das lediglich der vereinfachten Verwaltung dient. Er erwähnte auch den wichtigen Zusammenhang von Kontrolle und Vertrauen, denn das Sozialvermögen des Vertrauens ist ein wesentlicher Bestandteil der regionalen Verantwortung, denn ohne Vertrauen, so von Meyer, gebe es kein „Revival von LEADER“. (Vortrag von Heino von Meyer zum Nachlesen, PDF-Datei, 349 KB | ... zum Nachhören, 24:39 Minuten, MP3-Datei, 18,4 MB)

„Vertrauen wirkt!“

Dass Vertrauen eine wichtige Ressource des sozialen Miteinanders ist, davon ist Professor Martin Schweer vom Zentrum für Vertrauensforschung (ZfV) an der Uni Vechta überzeugt.  Er ging in seinem Vortrag folgenden Fragen nach: Welche Bedeutung haben Vertrauen und Misstrauen für das Gelingen von LEADER? Was zeichnet das Spannungsfeld von Vertrauen und Kontrolle aus? Wie kann Vertrauen in der Förderpolitik stärker etabliert und nachhaltig gefördert werden?

Schweer entwickelte einen Vertrauensbegriff, nach dem „Vertrauen als Bedingung und Resultat gelungener sozialer Prozesse“ verstanden werden kann. Danach wirke sich ein größeres Vertrauen insofern positiv auf Regionalentwicklungsprozesse aus, als es dazu beiträgt, Motivation und Kompetenzerleben, Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit der Akteure zu steigern. Zudem wirke sich Vertrauen positiv auf die Beziehungen zwischen den Akteuren aus und helfe dabei, die Kooperation und Entscheidungsfindung qualitativ zu verbessern. Weiter rege es Austausch und Kreativität an und stärke die Identifikation mit den Zielsetzungen von Projekten.

Schweer betont, „dass vertrauensbildende Maßnahmen sich nur von Systemen initiieren lassen, die selber auf der Basis von Vertrauen funktionieren. Entscheidende Faktoren in diesem Zusammenhang sind Echtheit, Authentizität, Wertschätzung und Respekt.“ Denn, „Vertrauen ist nichts, was sich ergibt. Man muss hart arbeiten, damit sich Vertrauen im Sinne einer Vertrauenskultur entwickelt. Das heißt, alle Seiten müssen sich ehrlich um Vertrauen bemühen.“ Um eine positive Vertrauensspirale in Gang zu setzen, plädiert Schweer dafür, das Vertrauen auf personaler Ebene zu stärken, indem Akteure etwa „die Perspektiven Anderer wertschätzen“, „die Risiken und Unsicherheiten Anderer verstehen wollen“, „bereit sind, Verantwortung zu übernehmen“ und „Handlungsspielräume wahrnehmen und etablieren“. Auf organisatorischer Ebene ist die Voraussetzung für mehr Vertrauen, dass Transparenz herrscht, Fairness und Gerechtigkeit gelten, offen kommuniziert und informiert wird und die Akteure an relevanten Entscheidungsprozessen teilnehmen. Dazu müssen aber „alle Beteiligten bereit sein, ihr eigenes Verhalten kritisch zu reflektieren und an einem vertrauensvollen Miteinander partizipieren zu wollen“, so Schweer. Eine gelungene Förderpolitik kennzeichnet „ein konstruktives Verständnis der notwendigen Kontrollmechanismen“; vor allem zeichne sie sich aber durch eine Stärkung von Verantwortung und Innovationsfähigkeit aus. Dies funktioniere jedoch nur, wenn das zwingend mit dem Vertrauen verbundene Risiko als Herausforderung und nicht als Bedrohung wahrgenommen werde. (Vortrag von Prof. Schweer zum Nachlesen, PDF-Datei, 142 KB | ... zum Nachhören, 23:39 Minuten, MP3-Datei, 18,5 MB, Verwendung des Materials nur mit Genehmigung des Autors.)

Vertrauen in die Region

Da wir Vertrauen als notwendige Bedingung für Selbstverantwortung verstehen, sollten sich die Teilnehmer mit dieser These in Gruppenarbeit auseinandersetzen. Als Aufgabe musste dargestellt werden, weshalb die lokalen Aktionsgruppen und das regionale Entwicklungskonzept Vertrauen verdienen. Anschließend waren dazu zwei Sätze zu ergänzen - bei der abschließenden Abstimmung über die Ergebnisse der Arbeitsgruppen wählten die Teilnehmer folgende Sätze:

  • Die Lokale Aktionsgruppe (LAG) verdient das Vertrauen, weil „sie in der Region verankert ist, transparent arbeitet und gemeinsam Verantwortung übernimmt“.
  • Das Regionale Entwicklungskonzept (REK, LES…) ist als Grundlage für Vertrauen geeignet, weil „das REK hinreichend verbindlich und konkret ist und in einem partizipativen Prozess entwickelt wurde“.

(zu den vollständigen Arbeitsgruppenergebnissen)

 

Die Veranstaltung bekam noch eine artistische Note, indem der Zirkus Ubuntu aus Schleswig-Holstein eine „Vertrauens-Pyramide“ darstellte. Zum Abschluss der Veranstaltung plädierte Peter Kaltenegger von der Europäischen Kommission für mehr Mut beim Handeln. Und zwar mehr Mut auf allen Ebenen bei der Umsetzung von ländlichen Entwicklungskonzepten und Programmen. Er deutete an, dass in der Förderperiode ab 2020 die Grundsätze Subsidiarität, Flexibilität und Ergebnisorientierung stärker in die Förderpolitik einfließen würden. Gleichzeitig mahnte er eine größere Gelassenheit bei den Mitgliedstaaten an: Diese sollen darauf Acht geben, dass sie ihre neue Freiheit nicht gleich wieder einschränken – schon gar nicht durch eigene, starre Regeln.

Veranstaltungen mit DVS-Beteiligung auf dem Zukunftsforum

Vorträge und Audio-Dokumente im Archiv

Hauptnavigation

Service-Navigation

###ETRACKER###