Zum Inhalt

Marginal-Spalte (weiterführende Informationen zum Thema)

Ansprechpartner

  • Simon Keelan
    0228 / 6845 - 3091
  • Susanne Schniete
    0228 / 6845 - 2675

DVS-Veranstaltungen zum Thema

Hauptnavigation

Ein Webangebot der:

Europäischer Landwirtschaftsfonds
für die Entwicklung des
ländlichen Raums:
Hier investiert Europa in die
ländlichen Gebiete.

 

Inhalt

Forum Klimaanpassung und Klimaschutz

Tagung am 15. und 16. November 2018 in Berlin

Kooperationsveranstaltung mit dem Deutschen Bauernverband (DBV)

Feld, dunkle Wolken und Regenbogen

Mehr als 100 Teilnehmer aus Ministerien, Verbänden, Wissenschaft und Praxis diskutierten im Vorfeld der 24. UN-Klimakonferenz gemeinsam, wie Klimaanpassung und Klimaschutz in der Landwirtschaft erfolgreich werden.

Bernhard Krüsken

 

 

"Die Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel ist für die Gesellschaft und die landwirtschaftlichen Betriebe kein Luxusthema, sondern eine Frage der Versorgungssicherheit und der Existenz", betonte Bernhard Krüsken, der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV), zur Eröffnung des Forums. "Gemeinsam mit Praktikern wollen wir nun Lösungen für die Anpassung und geeignete Klimaschutzmaßnahmen der Landwirtschaft diskutieren. Das diesjährige Dürrejahr hat die Relevanz einer verstärkten Klimaanpassung eindrücklich gezeigt."

Umso wichtiger sei es, Wege für die Praxis mit intelligenter Bodenbearbeitung, Pflanzenzüchtung, Pflanzenschutz und Bewässerungstechniken zu finden, um die Widerstandskraft der Landwirtschaft gegen die negativen Folgen des Klimawandels zu stärken.


Die Verknüpfung von Theorie und Praxis: fundamentale Voraussetzung

Mit der Veranstaltung wurde die Relevanz der Vernetzung von Wissenschaft, Praxis und Politik herausgestellt. "Der wichtigen Frage, wie sich die Landwirtschaft auf den Klimawandel einstellt, ist die DVS bereits auf früheren Veranstaltungen nachgegangen. In diesem Jahr gehen wir zusammen mit dem Deutschen Bauernverband den nächsten Schritt und verbinden die theoretischen Aspekte mit dem Wissen von Praktikern. Nur so lassen sich praxistaugliche Lösungen finden.", so Dr. Hanns-Christoph Eiden, Präsident der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung.

Prof. Dr. Hermann Lotze-Campen

 

 

Auf dem Forum wurden Beiträge aus Wissenschaft und Unternehmensforschung präsentiert, die jeweils von Landwirten aus der betrieblichen Erfahrung bewertet und kommentiert wurden. Einleitend fand Prof. Dr. Hermann Lotze-Campen vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung klare Worte zu dem Rekordhitzejahr 2018: "Wir werden zukünftig deutlich mehr solcher langanhaltenden Wetterlagen haben."


Politisches Ziel ist es, bis 2050 elf Millionen Tonnen Co2 in der Landwirtschaft einzusparen. Dr. Wolfgang Zornbach vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft macht deutlich, dass eine emissionslose Landwirtschaft  nicht möglich ist. Landwirte machen aber den größten Anteil von Flächennutzern aus und haben den Boden als potenziell wirksames Instrument, um Co2 zu speichern und ihre Emissionen dadurch auszugleichen.

"Landwirte sind die Hauptbetroffenen des Klimawandels und tragen gleichzeitig die Verantwortung, die Ernährung für die Bevölkerung sicherzustellen. Die Verknüpfung von Theorie und Praxis sowie die Überprüfung der Praxistauglichkeit sind daher die fundamentale Voraussetzung dafür, dass neue Erkenntnisse auf dem Feld auch umgesetzt werden", so Krüsken. Doch wie können Landwirte, die gleichzeitig Opfer und Täter im Klimawandel sind, möglichst klimaschonend ausreichend Nahrungsmittel produzieren?

Lösungen: Klimaschutz in der Landwirtschaft

Positive Erkenntnis des Forums: die Landwirtschaft, insbesondere auch die Praktiker, befasst sich bereits intensiv mit dem Klimawandel und sucht individuelle Anpassungsstrategien. Ansätze sind:

Risikostreuung

Deutschland wird voraussichtlich auch im Klimawandel ein landwirtschaftlicher Gunststandort bleiben. Trotzdem wird es zunehmend Risiken durch extreme Wetterereignisse wie Dürren, Spätfröste und Starkregen geben. Landwirte können diese Risiken durch angepasste Bewirtschaftungsweisen abschwächen.

Praktiker sehen eine Maßnahme in einer erweiterten Fruchtfolge. Dafür können neue Fruchtarten wie zum Beispiel Quinoa erschlossen, Vorzüge alter Arten wie Hirse wiederentdeckt oder neue, angepasste Sorten gezüchtet werden. Aber auch den Pflanzenzüchtern muss die Arbeit erleichtert werden. Die Sortenzulassung dauert im Moment zwischen zehn und zwanzig Jahren. Alexander Strube von der Ackermann Saatzucht GmbH & Co. KG hat ein Appell an die Politik: "Wir brauchen einigen Vorlauf. Wir können nicht mit dem Finger schnippen und Lösungen anbieten." Alle sind sich einig, dass es zukünftig vermehrt stresstolerante anstatt vorrangig ertragreicher Pflanzen bedarf.

Um das Anbaurisiko weiter zu senken, kann es notwendig werden, die Wachstumszyklen aus dem Hochsommer in andere Jahreszeiten zu verlagern. Bewässerung ist ein weiteres wichtiges Thema. Der Bedarf an Zusatzwasser in der Landwirtschaft wächst und ist schwer zu kalkulieren. Für einige Arten, wie Kartoffeln, rentiert sich aber bereits die Anschaffung einer Beregnungsanlage.

Weiterhin kann das Anbaurisiko auch gestreut werden, indem man es auf viele Schultern verteilt. Beispielsweise durch Betriebszusammenschlüsse.

Klimaeffizienz verbessern

Im Forum wurden Beratungs- und Finanzierungsansätze vorgestellt, um die Klimaeffizienz von landwirtschaftlichen Betrieben zu verbessern.

Ansgar Lasar von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen berichtete von der erfolgreichen Klimaschutzberatung: Einem Einsparpotenzial von rund 13 Prozent stimmten die Landwirte im Durchschnitt direkt zu. Dabei handelt es sich meist um einfach umzusetzende und praktikable Maßnahmen, durch die Emissionen erheblich reduziert werden können. Allerdings, so Lasar, ist "die Kontaktaufnahme nicht so einfach." Um Landwirte zu erreichen, fährt er auch mal mit dem Leiter des Maschinenrings auf die Betriebe oder stellt sich bei Treffen der Landfrauen vor.

Investitionsanreize erhalten Landwirte über das Bundesprogramm "Energieeffizienz". Gefördert werden bislang vor allem Einzelinvestitionen in die Nach- und Umrüstung von Anlagen wie Pumpen, Ventilatoren oder Wärmespeichern. Bezuschusst werden dabei 30 Prozent der Modernisierungsmaßnahmen.

Klimaschutz durch Co2-Speicher

Für den Klimaschutz in der Landwirtschaft müssen neben den Anpassungen und Klimaschutzmaßnahmen auch Speicherfunktion von landwirtschaftlichen Böden nutzbar gemacht werden.

Für den DBV und das BMEL stellt insbesondere der Forst eine ideale CO2-Senke dar. Aber auch landwirtschaftliche Böden bieten großes Potenzial, um Kohlenstoff zu speichern. Beim Thema Moorböden sind allerdings Bewirtschaftungsperspektiven für Landwirte nicht ganz einfach: "Bei keiner anderen Bodenart wird die Nutzung derart in Frage gestellt", so Dr. Karsten Padeken. Er ist Landwirt in Niedersachsen. Für die Hofnachfolge sollen nachhaltige Entwicklungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Es gibt bereits Ansätze, wie Wertschöpfung auf Moorstandorten erhalten und gleichzeitig Co2 eingespart werden kann: das Projekt SWAMPS des Grünlandzentrums Niedersachsen erprobt zum Beispiel die Unterflurbewässerung.

Dr. Ulrich Mäck von der Arbeitsgemeinschaft Schwäbisches Donaumoos fordert zudem, dass Landwirte für die gesellschaftliche Leistung im Moor- und Klimaschutz honoriert werden sollen. "Klimawirte" sollen durch extensive Bewirtschaftung das Moor und Klima schonen, aber trotzdem als wettbewerbsfähiger Betrieb bestehen können.

Fazit: Welchen Ausblick gibt es für Klimaanpassungen und Klimaschutz in der Landwirtschaft?

  • BMEL erarbeitet mit BMU und DWD 2019 eine Agenda zur Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel.
  • Im Frühjahr 2019 soll der Legislativvorschlag für ein Klimaschutzgesetz durch das BMU vorgelegt werden. Auch ein Moorklimafonds ist im Gespräch.
  • Der DBV beteiligt sich mit seiner Klimastrategie 2.0 an der Diskussion um das geplante Klimaschutzgesetz.
  • Ökonomen raten zu einer allgemeinen Co2-Bepreisung. Dadurch könnten sich Landwirte weitere Einkommensquellen sichern, wenn sie bodenschonend auf ihren Flächen wirtschaften. Die Bepreisung von Co2 scheint außerdem unumgänglich, um die ambitionierten Klimaziele bis 2050 zu erreichen.
  • Für das wichtige Themenfeld "Tierhaltung und Klimaschutz" wurde Bedarf für einer weiteren Veranstaltung vorgemerkt.

Die Vorträge zum Download

  • Klimaanpassungen in der Landwirtschaft
    Dr. Wolfgang Zornbach, Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft
  • SWAMPS Projekt: Klimaschonende Grünlandbewirtschaftung
    Heiko Holthusen, Landwirt aus der Wesermarsch

Hauptnavigation

Service-Navigation

###ETRACKER###