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DVS-Veranstaltungen zum Thema Grünland

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Grünland erhalten und nutzen

Tagung am 19. und 20. November 2018 in Saarbrücken

Kooperationsveranstaltung mit dem Deutschen Verband für Landschaftspflege und dem saarländischen Umweltministerium

Ein Weg im Grünland
Bild: DVS

Grünland zu erhalten ist politisch gesetztes Ziel. Grünland ist Futtergrundlage für Wiederkäuer und schützt landwirtschaftliche Flächen vor Erosion. Es dient außerdem dem Aufbau von Humus und bindet so CO2. Extensiv genutztes Grünland leistet durch seinen Artenreichtum auch einen Beitrag zu Biodiversität.

Bei der Tagung stand einerseits die traditionelle Grünlandnutzung zur Erzeugung von Fleisch und Milch im Fokus. Andererseits nahmen auch neuartige Erzeugnisse aus Grünlandaufwuchs einen breiten Raum bei der Tagung ein, zum Beispiel Baupanels aus Heu oder Futter für Heuschrecken, die in Zukunft wichtige Eiweißlieferanten in der menschlichen und tierischen Ernährung sein können. Ebenso intensiv wurden Herausforderungen beim Erhalt von artenreichem Grünland diskutiert, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Situation des Grünlandes im Saarland lag.

Reinhold Jost
Reinhold Jost, Minister für Umwelt und Verbraucherschutz im Saarland, spricht ein Grußwort. Bild: DVS

Einigkeit bestand bei den Vertretern der Landwirtschaft und des Naturschutzes weitgehend darüber, dass Grünland durch Nutzung zu erhalten ist. Eine reine Pflege ohne Verwertung wird als nicht sinnvoll angesehen. Ob die Verwertung für den Betrieb ökonomisch auskömmlich ist, hängt dabei von der Intensität der Nutzung ab. Bei der Verwendung als Futter zur Erzeugung von Milch und Fleisch ist ein gewisses Intensitätsniveau notwendig. Diese Intensität kann sowohl über die Versorgung mit Nährstoffen durch Düngung als auch die Nutzungsintensität (Schnitthäufigkeit, Besatzdichte etc.) erreicht werden.

Extensives Grünland für die Fütterung

Zwar ist extensives Grünland wichtig für den Erhalt der Artenvielfalt, es ist dabei jedoch faserreicher und energie- und eiweißärmer. Zudem darf dieses Grünland erst spät im Jahr genutzt werden, damit die Pflanzen zur Blüte und Samenreife gelangen und so als Habitat für verschiedene Tierarten dienen. Deshalb ist dieses Grünland in der Regel für eine Veredlung zu Fleisch oder Milch nur begrenzt interessant. Der Erhalt ist nur möglich, weil entsprechende Förderprogramme zur Verfügung stehen, mit denen der ökonomische Nachteil bei der Verwertung ausgeglichen wird.

Die Eifel ist eine Region, in der zahlreiche Betriebe das Heu von artenreichem Grünland auch als Futter einsetzen. Sie verwenden es vor allem für Rindern zur Fleischerzeugung und füttern überwiegend damit. Für die Milcherzeugung ist vor allem eine höhere Energiedichte im Futter notwendig. Extensiver Grünlandaufwuchs kann hier in der Regel nur eine Ergänzung zu energiereichem Futter sein.

Grünland-Futter - gut für Klima und Lebensmittelproduktion

Auch in Bezug auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz spielt Grünland als "naturgegebene" Nahrungsquelle für Wiederkäuer eine Rolle. Weltweit wird heutzutage ein großer Teil der Ackerfläche für die Produktion von Futtermitteln wie zum Beispiel Getreide oder Soja verwendet. Um den Acker vorwiegend der Produktion von Nahrungsmitteln für den Menschen vorzubehalten, sollten Wiederkäuer idealerweise mit Grünlandaufwuchs gefüttert werden. Da weltweit zwei Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche Grünland und nicht ackerfähig sind (in Deutschland sind es rund 40 Prozent), sollte dieses auch als Futter in Wert gesetzt werden. Die Fütterung von Wiederkäuern mit Gras und der Verzicht auf Kraftfutter von Ackerflächen zeigt hier einen Weg für eine klimafreundlichere Tierernährung auf. Da Kraftfutter-Komponenten häufig zudem aus Übersee importiert werden, entfällt damit auch der Transport und so erzeugte Treibhausgase.

Verwertung auch für Schweine und Geflügel möglich

Traditionell wird Grünlandaufwuchs für die Fütterung von Wiederkäuern eingesetzt. Das Spektrum der Nutzung von Grünland als Futter lässt sich jedoch erweitert. Es gibt mittlerweile veredelte Produkte wie Gras- oder Kleegras-Pellets, die sich auch als Futter für Schweine oder Geflügel eignen. Voraussetzung für die Futterpellets ist jedoch, dass der Grünlandaufwuchs jung und damit besonders eiweißhaltig ist. Dazu muss das  Grünland früh genutzt werden – was wiederum den Interessen des Naturschutzes, der eine späte Nutzung erst nach der Blüte von Gräsern und Kräutern fordert, entgegensteht. Gleiches gilt für die Düngung und das Nährstoffniveau von Grünlandflächen. Die Artenzahl steigt mit abnehmender Nährstoffverfügbarkeit, gleichzeitig sinkt aber der Massenaufwuchs und damit die Verwertungsmöglichkeit als Futter.

Innovative Grünland-Produkte

dicht gepresstes Heu zwischen dünnem Karton
Bau-Panels aus hochverdichtetem Heu; Bild: DVS

 

Um diesem Widerspruch zu entgehen, entstehen zunehmen Ideen für neue Produkte aus reiferem Grünlandaufwuchs, bei denen ein höherer Faseranteil sogar einen Vorzug darstellt. Ein Beispiel sind Bau-Panels aus hochverdichtetem Heu, das in Quader und Platten gepresst wird und eine Außenschicht aus Karton und Leim erhält. Die Panels kommen im Innenausbau von Gebäuden zum Einsatz; für tragende Wände können sie aus Gründen des Brandschutzes nicht eingesetzt werden.

Eine weitere zukunftsweisende Idee ist die Herstellung von Bio-Kohle aus dem Kohlenstoff im überständigen Grünlandaufwuchs. Sie kann zum Beispiel in Aktivkohlefiltern verwendet werden. Diese kommen etwa in Kläranlagen im Einsatz, um Hormone oder Rückstände von Arzneimitteln zu filtern. Bio-Kohle stellt hier eine umweltfreundlichere Alternative zu Kohle aus fossiler Herkunft dar.


Die Situation im Saarland

Ein besonderer Fokus der Tagung lag auf dem Saarland, das eine ausgesprochene Grünlandregion ist. Die Situation ist vergleichbar mit anderen Mittelgebirgsregionen Deutschlands, jedoch finden sich im Saarland noch Anteile artenreichen Grünlands auch außerhalb von Schutzgebieten.

Während der Erhalt in Schutzgebieten in der Regel gesichert ist, werden außerhalb der Gebiete die Flächen teilweise aufgegeben. Hier sind Förderinstrumente für den Erhalt notwendig. Aktuell reicht jedoch das Finanzvolumen nicht aus, um das artenreiche Grünland zu erhalten. Aus Sicht des Naturschutzes wären effizientere Fördermaßnahmen und eine Grünlandstrategie mit gezielten Nutzungskonzepten – im Idealfall in Verbindung mit angepasster Wertschöpfung – wünschenswert.

Grünlandstrategie gewünscht

Eine deutschlandweite Strategie könnte nicht nur eine Richtung vorgeben, sondern gezielte Nutzungskonzepte im Idealfall in Verbindung mit angepasster Wertschöpfung berücksichtigen. Dabei sollte die Qualität des Grünlandaufwuchses und die jeweils unterschiedlichen Verwertungsmöglichkeiten berücksichtigt sein.

Die Tagung konnte hier einen Beitrag leisten, sich den Thema Grünlandnutzung von unterschiedlichen Seiten zu nähern. Und das ist ein zentrales Ergebnis: Wenn es um Grünlandnutzung geht, müssen Naturschutz und Landwirtschaft zusammenarbeiten. Schutz und Nutzung müssen zusammengedacht werden.

Die Vorträge zum Download

  • Milch nur aus Gras
    Dr. Karin Jürgens, Kasseler Institut für ländliche Entwicklung e.V., Landforscher
  • ProWeideland: Ein Beitrag zum Schutz des Grünlands durch einen Ansatz in der Wertschöpfungskette
    Dr. Arno Krause, Grünlandzentrum Niedersachsen
  • Betriebliches Weidemanagement auf der Schwäbischen Alb
    Christof Mühleis, Haldenhof
  • Grünlandnutzung und Perspektiven aus betrieblicher Sicht
    Gerhard Steitz, Landwirt aus Homburg-Websweiler
  • Aufbau einer Baupanels-Produktion aus Heu
    Jean-Luc Friedrich, Landwirt (Luxemburg)
  • Das ökologisch wertvolle Grünland im Saarland - aktueller Sachstand
    Dr. Andreas Bettinger, Ministerium für Umwelt des Saarlandes
  • Gefährdungssituation - künftige Entwicklung des Naturschutz-Grünlandes im Saarland
    Dr. Steffen Caspari/Dr. Andreas Bettinger, Ministerium für Umwelt des Saarlandes
  • Erhalt und Förderung von Grünland in Nordrhein-Westfalen
    Dr. Georg Verbücheln, Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW
  • Grünlandförderung am Beispiel von Baden-Württemberg
    Dr. Stephan Krebs, Ministerium für Umwelt Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg

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