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Mehr Biodiversität in der Agrarlandschaft – was tun?

Workshop und Tagung am 4. und 5. April 2017 in Berlin

Kooperationsveranstaltung mit dem ExpertenDialog Biodiversität und Landwirtschaft* und dem Deutschen Bauernverband

Bei einem Workshop für Landwirte und einer Tagung in Berlin diskutierten rund 50 Landwirte aus dem gesamten Bundesgebiet mit etwa 150 Teilnehmern und einem hochrangig besetzten Podium der Agrar- und Umweltpolitik über Möglichkeiten, mehr biodiversitätsfördernde Maßnahmen auf landwirtschaftlichen Betrieben umzusetzen. Der ExpertenDialog Biodiversität & Landwirtschaft, der Deutsche Bauernverband (DBV) und die Deutsche Vernetzungsstelle Ländliche Räume (DVS) hatten gemeinsam eingeladen.

Den Film zur Veranstaltung und die Videodokumentation der Redebeiträge und der Podiumsdiskussion finden Sie alternativ auch direkt auf YouTube. direkt zur Playlist

Workshop für Landwirte am 04.04.17 im Haus der Land- und Ernährungswirtschaft, Berlin

Die Veranstalter hatten gezielt Landwirte eingeladen, die sich auf ihren Betrieben bereits mit der Umsetzung von Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität beschäftigen. Insbesondere waren das Betriebe, die sich schon in Betriebs­netzwerken, wie dem FarmNetzwerk Nachhaltigkeit der BASF, dem FRANZ-Projekt der Michael Otto Stiftung für Umweltschutz und des Deutschen Bauernverbandes oder den Leitbetrieben Biodiversität NRW, engagieren. An 8 World-Café Tischen konnten die Praktiker miteinander diskutieren und ihre Erfahrungen austauschen.

Blühstreifen und Brachen sind die Favoriten

In drei Fragen wurde das Spektrum der betrieblich relevanten biodiversitäts­fördernden Maßnahmen in ökologischer, ökonomischer und aus Sicht der Praktikabilität diskutiert: Streifenförmige Elemente wie Blühstreifen bilden dabei aus Sicht der Landwirte die ökologisch besonders wertvollen Maßnahmen. Gleichzeitig seien diese Maßnahmen in Verbindung mit einer Förderung auch ökonomisch gut vertretbar und relativ praktikabel umzusetzen. Man sprach sich aber auch für die Anlage flächiger Brachen, eine Erweiterung der Fruchtfolge zum Beispiel durch den Anbau von Sommergetreide, den Anbau von Zwischenfrüchten und Leguminosen aus. "Im Grunde genommen ist fast alles möglich, wenn das bei den Agrarumwelt­maßnahmen entsprechend honoriert wird.", fasst einer der Landwirte die Diskussion zusammen.

Workhop-Teilnehmer diskutieren über die verschiedenen Biodiversitätsmaßnahmen; Bild: DVS

Beratungsangebote notwendig

Zusätzlich zu Beratungsangeboten sollte das Thema Biodiversität in die landwirtschaftliche Ausbildung besser integriert werden. Gleichzeitig sprach man sich für die Bildung regionaler Netzwerke aus und wünscht sich mehr Unterstützung und eine rechtssichere Antragsstellung von Fördermaßnahmen.

Greening – betrieblich umsetzbar aber bürokratische Schwierigkeiten

Neben den Schwierigkeiten der Regelungen im Detail wurden die positiven Wirkungen der Blühstreifen und Flächen auf die Vielfalt in der Agrarlandschaft und das damit verbundene positivere Bild der Landwirtschaft in der Bevölkerung anerkannt. Auch betonten die Betriebsleiter vielfach durchaus auch selbstkritisch, dass das Greening die Landwirte aber auch die anderen Akteure für die Umwelt- und Naturschutzthemen zusätzlich sensibilisiert haben, da innerhalb kurzer Zeit konkrete Maßnahmen geplant und realisiert werden mussten.

Die Betriebsleiter waren mit der Umsetzung der Greening-Anforderungen auf ihren Betrieben zufrieden, nicht zuletzt deshalb, weil die Vielfalt der Umsetzungs­möglichkeiten auch fast immer zu betrieblich und regional angepassten Lösungen geführt hat.

Bürokratie ist das Hindernis schlechthin

Auch wenn die Landwirte zum Beispiel mit der Ausgestaltung des Greening zufrieden sind, steht dem allerdings der hohe Bürokratieaufwand und die geringe, nicht verhältnismäßige Fehlertoleranz bei den Kontrollen entgegen: "Es ist ein System geschaffen worden, bei dem sie, umso mehr Gutes sie tun für die Biodiversität, je unerbittlicher in Kontrollmühlen geraten." fasst Dr. Schulze-Pals die Diskussion zusammen. "Für jeden Fehler den ich mache, bin ich gleich mit 6.000 Euro dabei.", illustriert ein Praktiker die finanziellen Risiken auch kleinster Fehler.

Ergebnisse des Workshops zum Download (PDF-Datei)

Tagung am 05.04.17 im Umweltforum, Berlin

Dr. Hanns-Christoph Eiden, Präsident der BLE; Bild: DVS

"Es geht nicht ohne die Landwirtschaft, es geht nicht ohne die anderen Akteure des Naturschutzes, es geht aber auch nicht ohne den Bund und die Länder. Nur mit vereinten Kräften können wir die Biodiversitätsziele, die wir uns gesteckt haben, erreichen. Dazu müssen wir die vielfältigen Aktivitäten bündeln und weiterentwickeln", erklärte BLE-Präsident Dr. Hanns-Christoph Eiden bei der Eröffnung der Tagung.

Für den Deutschen Bauernverband betonte Eberhard Hartelt, Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd und Umweltbeauftragter des DBV, die Landwirte leisteten in Deutschland bereits über Agrarumweltmaßnahmen, das Greening im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik und den Vertragsnaturschutz einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität. Verschiedene DBV-Biodiversitätsprojekte belegten, dass mehr Förderung der Biodiversität und erfolgreicher Natur- und Artenschutz gelingen können, wenn die Landwirte auf Augenhöhe eingebunden werden, die Maßnahmen in die Betriebsabläufe passen, wirtschaftlich tragfähig sind und Hemmnisse ausgeräumt werden. Das Projekt FRANZ von der Michael Otto Stiftung für Umweltschutz und dem Deutschen Bauernverband wird dies gemeinsam mit Demonstrationsbetrieben umsetzen. "Ein zu rigides Kontrollsystem der EU und mangelnde Flexibilität sind heute die Haupthindernisse für mehr Natur- und Artenschutz in der Agrarlandschaft. Ebenso dürfe der kooperative Natur- und Artenschutz nicht durch mehr ordnungsrechtlichen Schutz gefährdet werden", erklärte Hartelt die Notwendigkeit des Austausches über die Zukunft der Biodiversitätsförderung.


Das Umwelt-Forum Berlin bot einen passenden Rahmen für die Tagung, Bild: DVS

Die politische Herausforderung ist erkannt

Jochen Flasbarth, Staatsekretär im Bundesumweltministerium, wies darauf hin, dass Naturschutz als Ganzes nur erfolgreich sein kann, wenn er im Bereich der Landwirtschaft erfolgreich ist. Eine große Zahl der Tier- und Pflanzenarten ist an die Agrarlandschaft angepasst und an sie gebunden. Hier sind die stärksten Biodiversitätsverluste in den letzten Jahren aufgetreten. Da zusätzlich im Bereich der Agrarförderung hohe öffentliche Mittel bereitstehen, erklärt dies auch die beiderseitige Leidenschaft, mit der um dieses Thema gerungen wird.

Dr. Hermann Onko Aeikens, Staatssekretär im BMEL; Bild: DVS

Dr. Hermann Onko Aeikens, Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, betonte, dass die Herausforderung erkannt ist. Gute Einzelbeispiele – wie die Betriebe z.B. des FRANZ Projektes oder FarmNetzes aufzeigen. Es müsste aber noch mehr Spielraum in den rechtlichen Rahmenbedingungen – auch beim Greening – geschaffen werden, damit Betriebe die Möglichkeiten zur Förderung der Biodiversität stärker wahrnehmen könnten. Mehr Biodiversität heißt also Rechtsetzung im Detail flexibilisieren – Streifenbreiten, Aussaattermine und Kontrollanforderungen – auch wenn dies manchmal mühsam ist und viele Akteure mit ins Boot geholt werden müssen.

Dr. Ralf-Peter Weber, Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie in Sachsen-Anhalt, beleuchtete die Herausforderungen für die Bundesländer, die mit den zur Verfügung stehenden Instrumenten biodiversitätsfördernde Maßnahmen umsetzen. So könne auf eine ordnungsrechtliche Sicherung der Hot-Spots der Biodiversität z.B. in Natura 2000-Schutzgebieten nicht verzichtet werden. Aber hier sei es auch geboten, immer noch Förderung zu ermöglichen, um weiterhin freiwillige Beiträge der Landnutzer fördern zu können. Weiterhin betonte er die wichtige Rolle der artenbezogenen Förderungen für Bodenbrüter, Feldlerchen oder Hamsterprogramme, wies aber darauf hin, dass genau hier der Spagat zwischen Schutzregelungen, praxistauglichen Auflagen und einer landesweiten Verwaltungsumsetzung schwer zu finden sei.

Schließlich stellte Florian Schöne, Generalsekretär des Deutschen Naturschutzringes (DNR) fest, dass erfreulicher Weise das Problem des Biodiversitätsverlustes in der Agrarlandschaft inzwischen auf allen Seiten erkannt und anerkannt werde und es nicht um die Frage geht “Wer ist schuld?“. Vielmehr könne man jetzt diskutieren, wohin die Reise gehen solle und was auf den verschiedenen Ebenen getan werden kann. Die Agrarpolitik ist ein Tanker, der nicht von heute auf morgen umgesteuert werden kann, aber gemeinsam sollten wir für die erkannte Richtungskorrektur streiten.

Expertendialog Biodiversität: "Moderne Landwirtschaft und Umweltschutz sind kein Widerspruch"

Als forschendes Pflanzenschutzmittelunternehmen untersucht und fördert BASF seit mehreren Jahren Biodiversitätsmaßnahmen auf 53 landwirtschaftlichen Betrieben des BASF-FarmNetzwerkes Nachhaltigkeit. Die Untersuchungen bestätigen, dass zur Förderung der Biodiversität die Bereitstellung von Lebensräumen eine große Rolle spielt. Gezielte biodiversitätsfördernde Maßnahmen, die in den Betriebsablauf der Landwirte integriert sind, erzielen schnell positive Effekte. Ziel muss es sein, produktive landwirtschaftliche Flächen zu erhalten und gleichzeitig die weniger produktiven Flächen als zusätzliche Lebensräume zur Förderung der Artenvielfalt zu nutzen.

Dr. Harald Schwager, Mitglied des BASF-Vorstandes, betonte: "Ein Landwirt muss, wenn er langfristig erfolgreich wirtschaften will, gleichzeitig Ökonom und Ökologe sein. Dies in Einklang zu bringen ist eine der großen Herausforderungen der Zukunft und hierbei unterstützen wir als Industrie mit Innovationen im Pflanzenbau und in der Technik. Moderne Landwirtschaft und Umweltschutz sind kein Widerspruch".

"Mit dieser Veranstaltung will der Expertendialog einen Beitrag leisten, um alle relevanten Akteure zusammenzubringen. Diese müssen jetzt handeln und ihre vorhandenen Spielräume nutzen, um die Artenvielfalt zu erhalten. Aber das allein wird nicht reichen. Vor allem die Politik ist gefordert, geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen um diese Spielräume deutlich zu erweitern.", betonte Dr. Johannes Merck, Vorstand der Michael Otto Stiftung für Umweltschutz.


*Der ExpertenDialog Biodiversität und Landwirtschaft

Der "ExpertenDialog Biodiversität und Landwirtschaft" ist ein bundesweites Diskussionsforum aus Vertretern unterschiedlichster Institutionen, die gemeinsam das Ziel verfolgen, die praktische Umsetzung von Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität in der Landwirtschaft voranzubringen.

Mitglieder sind Vertreter der landwirtschaftlichen Praxis, von Bundes- und Landesbehörden, Verbänden, Industrie, Wissenschaft, Landwirtschaftskammern sowie aus dem Naturschutz und Kirchen.

In regelmäßig stattfindenden Dialogrunden werden unter Hinzuziehung externer Referenten Erkenntnisse ausgetauscht, eigene Umsetzungserfahrungen der Dialogmitglieder reflektiert und Lösungsansätze diskutiert und vorangetrieben.

Teilnehmer/-innen des ExpertenDialogs Biodiversität und Landwirtschaft

Name

Organisation

Jens Basfeld

Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein

Martina Behrens

Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH)

Dr. Friedrich Dechet

Industrieverband Agrar e.V.

Alfred Enderle

Bayerischer Bauernverband

Dieter Fuchs

Hofgut Entenfang

Dr. Matthias Gerber

BASF SE

Prof. Dr. Bärbel Gerowitt

Universität Rostock

Dr. Michael Glas

Landwirtschaftliches Technologiezentrum Augustenberg

Dr. Michael Glemnitz

Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung e.V.

Dr. Maren Heincke

Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau

Prof. Dr. Klaus Henle

Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Dr. Armin Hentschel

Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen

Reinhold Hörner

Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd e.V.

Dr. Hermann Hötker

Michael-Otto-Institut im NABU

Dr. Lothar Hövelmann

DLG e.V.

Wolfgang Koch

Hessischer Bauernverband e.V.

Nora Kretzschmar

Landwirtschaftskammer Niedersachsen

Prof. Dr. Stefan Kühne

Julius Kühn-Institut Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen

Dr. Christine Kula

Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

Steffen Matezki

Umweltbundesamt

Dr. Jürgen Metzner

Deutscher Verband für Landschaftspflege e.V.

Steffen Mogwitz

PROGRANUS KG

Dr. Rainer Oppermann

Institut für Agrarökologie und Biodiversität

Markus Röser

BASF SE

Dr. Thomas G. Schmidt

Johann Heinrich von Thünen-Institut - Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei

Florian Schöne

Deutscher Naturschutzring

Matthias Strobl

Landesanstalt für Entwicklung der Landwirtschaft und der ländlichen Räume

Dr. Andreas Ufer

BASF SE

Heinrich von der Decken

Hessische Hausstiftung, Gut Panker

Stephan Zirpel

Michael Otto Stiftung für Umweltschutz

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