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Mit Jugend, Unternehmen und Nachbargemeinden für eine attraktive Region

Dokumentation der Begleitveranstaltung Nr. 11 auf dem Zukunftsforum Ländliche Entwicklung des BMELV in Berlin, 23.01.2013

Die vom ehemaligen Sachgebiet "Strukturen der Daseinsvorsorge in ländlichen Räumen" in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) konzipierte Begleitveranstaltung widmete sich der Beteiligung von Jugend und Unternehmen an der Regionalentwicklung sowie der interkommunalen Kooperation. Bezogen auf Themen wie regionale Wirtschaft, Mobilitätssicherung und Leerstandsbekämpfung wurden Projekte aus verschiedenen Bundesländern vorgestellt und diskutiert. Alle vorgestellten Projekte verbindet, dass sie Kooperation als wichtigen Strategiebaustein zur Lösung regionaler Probleme aufgreifen.

Der Präsident der BLE, Dr. Hanns-Christoph Eiden, begrüßte im ICC Berlin zahlreiche interessierte Zuhörer.

In Anlehnung an das Motto des diesjährigen Zukunftsforums hob der BLE-Präsident hervor, dass nur dann eine Chance bestehe, die Abwanderung aus ländlichen Regionen aufzuhalten, oder den Trend sogar umzukehren, wenn diese Räume als "vital und lebenswert" wahrgenommen würden. Da die Menschen im ländlichen Raum selbst am besten beurteilen könnten, was für sie "vital und lebenswert" heißt, sei es wichtig, Freiräume zu schaffen, die eine den Bedürfnissen der Bevölkerung entsprechende Gestaltung des Lebensumfeldes erlauben.

Dr. Eiden verwies auf die vielen beindruckenden Beispiele ländlicher Regionen, in denen vor Ort gemeinsam Lösungsansätze für die konkreten Herausforderungen des demografischen Wandels entwickelt wurden. Dabei betonte er zum einen die Chancen einer Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure auch über Gemeindegrenzen hinweg. Zum anderen hätten immer mehr ländliche Regionen erkannt, dass sie stärker auf junge Menschen und Unternehmen zugehen müssen, um für die Zukunft gut aufgestellt zu sein.

Projekte aus verschiedenen Bundesländern vorgestellt

Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die von Steffen Ortwein moderierte Podiumsdiskussion sowie die darin eingebetteten Kurzvorträge. Hier bot sich die Gelegenheit, die ausgewählten Projekte zu Kooperation und Beteiligung näher kennen zu lernen. Dabei standen die Herausforderungen vor Ort, die jeweilige Herangehensweise und die erarbeiteten Lösungsansätze im Vordergrund.

JugendMobil - Junge Menschen bei regionalen Projekten beteiligen

Wie kann ich auch am Wochenende, wenn der Schulbus nicht fährt, meine Freundin treffen oder wie komme ich abends vom Sportverein oder von der Orchesterprobe nach Hause, ohne dass meine Eltern mich abholen müssen? Ralf Hoppe, Geschäftsführer der ContextPlan GmbH, erläuterte die Mobilitätsproblematik vieler Jugendlicher und stellte das vom ihm geleitete Projekt "JugendMobil" aus Brandenburg vor.

Projektleiter Ralf Hoppe

Das klassische Mobilitätskonzept mit einem ausgedünnten Netz an Linienbussen und Regionalzügen reiche in vielen ländlichen Gebieten gerade für die Bedürfnisse der Jugendlichen nicht aus, machte der Projektleiter klar. Hier Abhilfe schaffen will in drei ländlichen Regionen Brandenburgs das Projekt "JugendMobil". Wesentliches Element ist dabei, dass sich die Jugendlichen vor Ort engagiert und kreativ in das Projekt einbringen können.

Damit junge Menschen in der Region bleiben, brauchen sie mehr bedarfsgerechte Mobilitätsangebote. Die Jugendlichen bringen, als Experten in eigener Sache, mit Unterstützung des Projektteams Missstände und Verbesserungsmöglichkeiten im ÖPNV sowie Ideen für Mitfahrsysteme zur Sprache und erarbeiten Lösungsvorschläge. In der Diskussion erklärte Ralf Hoppe, wie Jugendliche mit ihren Bedürfnissen und Belangen abgeholt und für die Mitarbeit gewonnen werden können. Er erläuterte, wie gemeinsam mit den Jugendlichen ein Netzwerk mit Bürgermeistern und Verkehrsbetrieben aufgebaut wurde, um die Umsetzung der Verbesserungsvorschläge möglich zu machen. Als Beispiele nannte er die Etablierung eines internet- und handygestützten Mitfahrsystems und den "Discobus" in Lübbenau, der als öffentliches Verkehrsmittel auf die Wünsche der Jugend ausgerichtet ist.

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Hesselberg AG e.V. - Unternehmen in die Regionalentwicklung einbeziehen

Die Region Hesselberg in Bayern zeichnet sich durch langjährige Erfahrungen mit der Beteiligung von lokalen Unternehmen an der Regionalentwicklung aus. Die vorgestellte Hesselberg AG als Verein von ortsansässigen Unternehmen ist eine der "drei Säulen" der Regionalentwicklung.

Podiumsrunde: Ute Vieting im Gespräch mit Moderator Steffen Ortwein

Regionalmanagerin Ute Vieting erklärte in ihrem Vortrag und im Gespräch mit den anderen Gästen, wie die Wirtschaft, neben der durch den Leader-Prozess initiierten Lokalen Aktionsgruppe aus Bürgerinnen und Bürgern und der Regionalverwaltung, zu einem wichtigen Impulsgeber für Gesamtkonzeption und Projekte in der Region Hesselberg wurde. Ute Vieting erläuterte in diesem Zusammenhang die "Umwegerentabilität", die sich aus der gemeinsamen Steigerung der Lebensqualität in der Region ergibt. Sie beschrieb, wie Unternehmen dafür gewonnen werden können, sich in regionale Entwicklungsprozesse einzubringen und welchen Anstoß hier das Regionalmanagement geben kann, mitzumachen und dabei zu bleiben.

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Wittlager Land - Gemeinsam mit Nachbargemeinden Leerstand bekämpfen

Regionalmanager Michael Ripperda

Der Regionalmanger der ILE-Region Wittlager Land, Michael Ripperda, berichtete von den gemeinsamen Anstrengungen von über 20 Gemeinden und Ortschaften in Niedersachsen, Leerstand zu bekämpfen. Im Rahmen der interkommunalen Kooperation im Wittlager Land konnten unter anderem ein regionaler Leerstandscheck und eine Grundstücks- und Gebäudevermittlungsbörse umgesetzt werden. Der Leerstandscheck zeigte, dass ein großer Teil des Leerstands in kleineren Ortschaften zu finden ist.


Bürgermeister Rainer Ellermann

Podiumsgast Rainer Ellermann, der seit 2001 Bürgermeister der Gemeinde Ostercappeln ist, erläuterte im Gespräch, wie die Kooperation mit seinem Amtskollegen zustande kam und wie es gelang, erstmalig gemeindeübergreifend einen detaillierten Blick auf den Wohnungsmarkt zu richten. Er erwähnte, dass nun zum Beispiel die Planungsämter, die andernorts häufig in Konkurrenz zueinander stünden, eine gemeinsame Strategie entwickelten. Mit Hilfe eines erarbeiteten Indikatorenkataloges für die Wohnungsmarktbeobachtung werde es den Kommunen ermöglicht, Marktveränderungen und -entwicklungen frühzeitig zu erkennen und die kommunalen Planungen mit den Nachbargemeinden besser abzustimmen.

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Wissenschaft und Praxis zusammenbringen

Prof. Dr. Stefan Siedentop (IREUS)

Prof. Dr. Stefan Siedentop von der Universität Stuttgart begleitete die Diskussion auf dem Podium aus Sicht der Wissenschaft. Der Leiter des Institutes für Raumordnung und Entwicklungsplanung (IREUS) erläuterte, welche Handlungsmöglichkeiten Gemeinden angesichts des demografischen Wandels zur Verfügung stehen. Gerade in solchen ländlichen Regionen, wo Abwanderung und Geburtenrückgang zusammen für steigende Infrastrukturkosten sorgten, sei ein Umdenken gefragt. Die Kooperation verschiedener Akteure auf regionaler Ebene könne hierbei einen wichtigen Strategiebaustein darstellen. Auch schlug der Wissenschaflter in der Podiumsdiskussion vor, mehr gemeinsame Beteiligungsveranstaltungen in Dörfern und Gemeinden zu organisieren, in denen Bürgerinnen und Bürger über ihre Vorstellungen, Handlungsoptionen und mögliche Umsetzungsschritte zur Verbesserung der Zukunftsfähigkeit ihrer Ortschaften diskutieren können.


Jungendliche und ein Unternehmer schilderten ihre Sicht

Ganz bewusst waren zur Veranstaltung auch Projekt-Beteiligte aus den Regionen eingeladen worden, welche die Perspektive von Regionalmanagern und Planern aus ihrer Sicht anschaulich ergänzten. Sie kamen in der von Moritz Kirchesch geleiteten Stehtischrunde zu Wort.

Zu sehen von links nach rechts: Erk Ulich, Frank Dommel, Moritz Kirchesch, Jeremy Scheibe, Andre Missal

Der Unternehmer Frank Dommel aus der Region Hesselberg, 1. Vorstand der Hesselberg AG, berichtete über Motive und Resultate seines Engagements und der anderen Unternehmerinnen und Unternehmer im Verein: Durch die Mitgliedschaft seien die Unternehmen unter einander, aber auch in der Öffentlichkeit, bekannter geworden. Sein Unternehmen habe mehr Initiativbewerbungen und auch zusätzliche Kunden und Lieferanten gewonnen. Durch seine Tätigkeit im Vorstand habe er mittlerweile Zugang zu Themen gefunden, die bei ihm vorher nicht zur Diskussion standen. Er nannte als Beispiel die Fortschreibung des Regionalen Entwicklungskonzepts, in das der Unternehmerverein etwa das Thema Fachkräftemangel eingebracht hat.

Auch bei der Umsetzung des Konzepts sei die Hesselberg AG involviert: So würden in Zusammenarbeit mit dem Regionalmanagement Daten erhoben, die das Lebens- und Liebenswerte der Region hervorheben. Der Unternehmer Dommel berichtete auch über konkrete Projekte, die durch den Verein unterstützt bzw. initiiert wurden: zum Beispiel das Klassenzimmer im Grünen, die alternative Schulwoche und die "Hesselbergmodels", die von Unternehmen für Fotoshootings gebucht werden können.

Andre Missal und Jeremy Scheibe, zwei Jugendliche aus Brandenburg, erläuterten ihre Erfahrungen im Projekt "JugendMobil" und wie aus ihrer Sicht als junge Erwachsene die Arbeit in den Netzwerken bei der Umsetzung ihrer Vorschläge funktioniert. Besonders deutlich wurde, dass Interesse und Bereitschaft der Jugendlichen, sich konstruktiv und dauerhaft zu engagieren, nicht zuletzt davon abhängen, dass sich die Behörden, Verkehrsunternehmen und anderen Verantwortlichen für die Anliegen der jungen Erwachsenen und Jugendlichen offen zeigen. Viele potenzielle Anlaufstellen, wie z.B. Rathäuser, hätten hier noch Verbesserungsbedarf, so die Einschätzung der beiden jungen Brandenburger.

Modellregion Dithmarschen - Neue Wege gehen mit LandZukunft

In der Stehtischrunde stellte schließlich Erk Ulich, zuständig für die Regionalentwicklung im Kreis Dithmarschen, seine Modellregion in Schleswig-Holstein vor. Die Region nimmt am Modellvorhaben "LandZukunft" teil, welches 2012 vom BMELV initiierte wurde.

Das Modellvorhaben zielt unter anderem auf die Einbeziehung unternehmerisch denkender Menschen ab. Unternehmer waren in der Vergangenheit schwer an langatmige Entwicklungsprozesse zu binden, bemerkte Erk Ulich. Besonders wenn konkret umsetzbare Maßnahmen fehlen, bestünde die Gefahr, dass sich Unternehmen aus dem Prozess zurückzögen.

In der angelaufenen Startphase, die dies berücksichtige, zeige sich in Dithmarschen, dass das Engagement der Unternehmen für die Region weit über die firmeneigenen Interessen hinaus geht. Zunächst sei es wichtig gewesen, seitens der Regionalentwickler die Sprachbarrieren zwischen den unterschiedlichen Akteuren abzubauen und die unterschiedlichen Perspektiven zusammenzuführen.

Auch dem Thema Jugend widmet sich diese Modellregion: Unter dem Motto "Talenteküste Dithmarschen" möchten die Beteiligten den Fokus auf den Bildungsbereich legen. Ziel ist es, Begeisterung für Bildung und die Förderung von Talenten in Kindertagesstätten, Schulen und Unternehmen zu wecken. Beispielsweise sollen Unternehmen fesselnde Angebote jenseits der Schulbank unterbreiten. So soll ein Praxispool außerschulischer Lernorte und -angebote für Jugendliche entstehen. Unternehmen könnten dadurch persönlichen Kontakt zu ihrem Fachkräftenachwuchs aufbauen, etwa in den Bereichen Tourismus, erneuerbare Energien, Gesundheit und Naturwissenschaften, berichtete Ulich.


Fazit einer facettenreichen Veranstaltung

Hans Hercksen (BLE)

Im Namen der Veranstalter dankte Hans Hercksen allen Zuhörern, Mitwirkenden und Podiumsgästen. Das Fazit des Sachgebiets "Strukturen der Daseinsvorsorge in ländlichen Räumen" fällt positiv aus:

So wurde deutlich, dass eine Zusammenarbeit, die über Gemeindegrenzen hinweg gemeinsame Interessen in den Vordergrund rückt, ländliche Regionen stärker macht. Außerdem zeigte sich, dass es durchaus Unternehmen gibt, die, wenn es um Regionalentwicklung geht, keinesfalls am Rande stehen wollen, sondern sich mit Begeisterung für ihre Region einsetzen – und zwar sowohl im Süden wie ganz im Norden der Republik. Last but not least konnte man auf der Veranstaltung erfahren, dass junge Menschen mit eigenen Ideen und Engagement ihre Region mitgestalten wollen, wenn man ihnen die Möglichkeit dazu gibt.

Fotos: BLE


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