Projekte der ländlichen Entwicklung

Um eine Auflistung aller Projekte zu erhalten, klicken Sie bitte auf Suchen

Ihr Projekt ist noch nicht in unserer Sammlung? Dann senden Sie uns gerne Ihre Informationen! Wir tragen Ihr Projekt so schnell wie möglich ein. Zum Projekteintrag

Allerhaus Langlingen – kirchlich-kommunales Begegnungszentrum

Menschengruppe mit Redner vor einem Gebäude

Kirche und politische Gemeinde setzten in Langlingen ein gemeinsames Bauvorhaben um – das Allerhaus. Bild: LAG Aller-Fuhse-Aue

Stand:

29.06.2016

Kontakt:

Gemeinde Langlingen
Am Alten Bahnhof 3
29342 Wienhausen
Tel.: 05149 / 1 81 0


Ev.-luth. St. Johannis-Kirchengemeinde Langlingen
Kirchstraße 1
29364 Langlingen
Tel.: 05082 / 2 43

ELER-Förderung:

ja

Finanzierung:

Gesamtkosten: ca. 443.800 EUR
Fördermittel in Höhe von 80.000 EUR für die kirchliche und 100.000 EUR für die kommunale Seite.

Laufzeit:

04.12.2012 bis 31.10.2014

Themen:

  • Dorferneuerung und -entwicklung
    • Innenentwicklung
  • Gesellschaft und Soziales

Förderperiode:

  • ELER 2007 - 2013

Beschreibung

Zusammenfassung:

Die Evangelische Kirche in Langlingen wollte ihr in die Jahre gekommenes Gemeindehaus renovieren. Die politische Gemeinde suchte einen Ort der Begegnung für alle Langlinger Bürger. So entstand die Idee, ein gemeinsames Bauvorhaben zu entwickeln.

Die Planungen sahen einen kommunalen Neubau auf einem Grundstück der Kirche vor. Dieser kommunale Neubau sollte durch einen zentralen Eingangsbereich baulich mit dem historischen Gemeindehaus verbunden werden. Das Pfarrhaus selbst sollte den heutigen Anforderungen entsprechend saniert werden. Unter Einbeziehung der Bevölkerung wurden diese Planungen ab 2013 baulich umgesetzt.

Von dieser beispielhaften Kooperation, profitieren beide Seiten:

Die Kirche öffnet ihre Türen und macht, neben ihren traditionellen Angeboten, einen Brückenschlag zu den Menschen, welche die kirchlichen Angebote nicht mehr selbstverständlich nutzen. Sie profitiert von neuen, modernen Räumlichkeiten. Die politische Gemeinde erstellt ein für Langlingen völlig neues Angebot und nutzt dafür eine bewährte, bisher rein kirchliche Struktur. Sie profitiert dabei von dem Vertrauensvorschuss, den die Kirche nach wie vor besitzt und steht gleichzeitig dafür, dass alle Angebote auch von Menschen genutzt werden können, die der Kirche kritisch gegenüberstehen. Diese Verzahnung kirchlicher und kommunaler Arbeit – verbunden mit der angestrebten Niedrigschwelligkeit – hat für die Region Modellcharakter.

Ausgangssituation:

Der bauliche Ausgangspunkt ist das historische Gemeindehaus eines denkmalgeschützten Ensembles im historischen Ortskern. Es besteht aus einer Kirche aus dem 13. Jh., einem Gemeindehaus und einem Pfarrhaus, beides aus der Mitte des 19. Jh., einem ehemaligen Schulhaus sowie einem aus dem Jahre 1725 stammenden Gutshof.

Aufgrund des Zustandes der Räumlichkeiten bestand die Notwendigkeit einer umfangreichen Sanierung des Gemeindehauses. Die begrenzte räumliche Kapazität und die angestrebte Nutzung durch die Kommune machten zudem die Erweiterung des Ensembles durch einen Neubau nötig.

Langlingen selbst ist stark von den Folgen des demografischen Wandels betroffen (Überalterung, Leerstand).

Inhalt:

Am Anfang des Projektes stand ein öffentlicher Gesprächsabend, zu dem die St. Johannis-Kirchengemeinde und die politische Gemeinde Langlingen einluden. Ungefähr 50 Bürger äußerten bei dieser Auftaktveranstaltung Ideen, wie man zu "mehr Leben" im Dorf gelangen könnte. In kleinerem Kreis wurden diese Ideen dann konkretisiert. Die nachfolgenden Gespräche zwischen Gemeinderat und Kirchenvorstand mündeten in der Idee eines gemeinsamen Zentrums.

Konzeptioneller Schwerpunkt des neuen Zentrums wurden die Themen Begegnung – Beratung – Bildung. Schnell wurde klar, dass für die geplanten Aktivitäten ein Anbau beziehungsweise Neubau benötigt wird. Das Gebäude sollte sich dabei dem denkmalgeschützten Ensemble anpassen, Altes und Neues sollten dabei deutlich unterscheidbar bleiben. So ist ein Neubau entstanden, in dem als zentrale Nutzung ein großzügig gestalteter Café-Bereich und eine direkt damit verbundene Küche eingerichtet worden sind.

Der neu gegründete Förderverein "Langlinger Dorfleben" füllt seit 2014 mit ehrenamtlichen Engagement das Allerhaus mit Leben.

Im Allerhaus wird die Idee der Begegnung aufgegriffen. Hier entstand ein Raum, in dem Begegnungen ermöglicht werden, ohne dass der Personenkreis durch Vereins-, Verbands- oder Kirchenmitgliedschaften von vornherein eingeschränkt ist. Angeboten werden: Erzähl-Café, kleine Ausstellungen, Filmabende, Jugendaktionen, musikalische und kulturelle Veranstaltungen, Spiele-Nachmittage. Bereits bestehende Angebote wie der "offene Treff", der wöchentlich bei Kaffee und Kuchen eine Möglichkeit für Kontakt und Gespräch bietet, wurden aufgegriffen und weiterentwickelt. Jeden zweiten Freitag im Monat findet eine Suppenküche statt, die regelmmäßig von etwa 30 Peronen besucht wird.

Das Thema Beratung wurde bereits im Vorfeld des Projektes sowohl von kirchlicher als auch von kommunaler Ebene bedient. In den gemeinsam genutzten Räumen werden Themen wie Gesundheit, familiäre und soziale Fragen und vieles andere mehr aufgegriffen. So werden auch Sprachkurse für Flüchtlinge und Asylsuchende angeboten.

Auch für den Bildungsbereich sind Räume vorgesehen. Hier werden unterschiedliche Zielgruppen angesprochen. Insbesondere junge Eltern, Erwachsene und Senioren. Es können sich aber auch Teams treffen, die wiederum soziale Angebote für die Ortschaft organisieren bzw. helfen, bestehende Angebote zu vernetzen.

Die Verknüpfung der kirchlichen und kommunalen Aufgaben und Angebote findet nicht nur inhaltlich statt, sondern spiegelt sich auch durch die räumliche Überschneidung der Nutzungen wider. In den bisher rein kirchlich genutzten Räumen sind nun auch kommunale Angebote zu finden. Das Angebot im Neubau wird durch die beiden Träger sowie durch den Förderverein bereitgestellt.

Die Umsetzung des Projektes bildet von der Planung über die Konzeption bis hin zum Bau die Zusammenarbeit und Verbindung der kommunalen und kirchlichen Seite ab. Die erreichten Synergien ergeben sich insbesondere durch den Abbau von Doppelstrukturen und der ermöglichten Zielgruppen- und Angebotserweiterung.

Ziele:

Ziel des Projektes war es, dem kommunalen und kirchlichen Bedarf an räumlicher Erweiterung nachzukommen. Bei der gemeinsamen Umsetzung des Bauvorhabens bzw. Begegnungszentrums ließen sich zahlreiche Synergieeffekte nutzen.

Besonderheiten:

Das umgesetzte Vorhaben befindet sich im historischen Ortskern von Langlingen. Der Ort war von 1999 bis 2010 im Dorfentwicklungsprogramm. Im Zuge der Dorfentwicklung wurde 2006 die Kirchstraße saniert. Die Kirchstraße erschließt im historischen Ortskern das Pfarrhaus, die Kirche, eine Arztpraxis sowie einen historischen landwirtschaftlich genutzten Gutshof. Mit der Umsetzung des Projektes konnten neue Kooperationen wie z.B. mit dem Verein KESS (Kinder, Eltern, Senioren und Singles) aufgebaut werden.

In der Zusammenarbeit von Kirche und administrativer Kommune ist unter Einbeziehung der Öffentlichkeit ein Projekt entstanden, das von einem vertrauensvollen Miteinander zeugt. Die Angebote im Ort wurden erweitert und räumlich gebündelt.

Die dadurch entstehenden Synergie-Effekte bringen das gemeinsame Anliegen von Kirchengemeinde und politischer Gemeinde im Alltag zum Ausdruck: Alle Bürgerinnen und Bürger nutzen beide Gebäude, kirchliche und kommunale Veranstaltungen können gleichzeitig stattfinden, wobei diese Unterscheidung an vielen Stellen überhaupt keine Rolle mehr spielt.

Perspektiven:

In der heutigen LEADER-Region "Aller-Fuhse-Aue" wird die weitere Stärkung des historischen Ortskerns von Langlingen angestrebt. Dazu ist die Umnutzung einer leerstehenden Hofstelle zu altersgerechten Wohnen vorgesehen. Ziel ist es, dass ältere Menschen aus Langlingen so lange wie möglich in ihrer gewohnten Umgebung wohnen bleiben können. Daneben bahnt sich – unterstützt von der aktiven Dorfgemeinschaft – die Ansiedlung eines Allgemeinarztes an.

Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums: Hier investiert Europa in die ländlichen Gebiete.

Nach oben