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Regionalentwicklung

Rückbau mit Blick auf Europa

Was tun, wenn die Jungen in die Stadt ziehen, die Zentren prosperieren und in abgelegenen Orten Häuser leer stehen? Was tun bei fehlenden Entwicklungspotenzialen und -perspektiven? Diese Fragen stellen die Autoren des Buches zu Beginn. Mit dem Tagungsband möchten sie aufrütteln und plädieren dafür, Schrumpfung und Rückbau als ein zentrales Thema in der Regionalentwicklung aktiv zu gestalten, um die Herausforderungen und Probleme schrumpfender Räume gezielt anzugehen.

Das Buch behandelt im ersten Teil Theorien, Stoßrichtungen und Erklärungsansätze rund um das Thema Schrumpfung. In den wissenschaftlich formulierten Texten finden sich bekannte Ansätze wie beispielsweise die aktive Steuerung der Schrumpfungsprozesse mittels Dorfumbau. Auch wird an verschiedenen Stellen hervorgehoben, wie wichtig die Beteiligung der Menschen vor Ort ist – wer sich schon einmal mit Regionalentwicklung beschäftigt hat, weiß das bereits.

Im Fokus der Beiträge im zweiten Teil des Buches stehen verschiedene Perspektiven auf den Umgang mit Schrumpfung und Rückbau. Konkrete Beispiele aus Deutschland, der Schweiz und anderen europäischen Ländern zeigen, auf welch unterschiedliche Weise die Menschen mit den Herausforderungen, natürlich auch abhängig von den Begebenheiten vor Ort, umgehen. So wurden etwa in einem Schweizer Bergdorf Coworking-Arbeitsplätze eingerichtet und die Gemeinde Kyllburg in der Eifel schaffte mit Hilfe von Kunst und Kultur die Kehrtwende durch kreativen Umgang mit Leerstand.

Dieses Buch ist zugegebenermaßen keine leichte Lektüre. Diejenigen aber, die sich intensiv mit der Thematik Schrumpfung und Rückbau auseinandersetzen und auch einen Blick nach Europa wagen wollen, sollten sich durch die kompliziert formulierten Texte nicht entmutigen lassen: Insbesondere im zweiten Teil des Buches können sie Erkenntnisse gewinnen und Ideen für die eigene Arbeit mitnehmen.

Elisa Innerhofer, Harald Pechlaner (Hrsg.): Schrumpfung und Rückbau – Perspektiven der Regional- und Destinationsentwicklung, 2017, 248 Seiten, oekom verlag, München, 24,95 Euro, ISBN-13: 978-3-96006-018-5


Neuland gewinnen – Zukunft gestalten

Mit dem Wandel der Landwirtschaft verändert sich auch die über Jahrhunderte gewachsene Kultur auf dem Land. Auf die sich ändernden Lebensumstände muss jeder Mensch vor Ort reagieren. Um die konkreten Herausforderungen aber zu gestalten, sind Akteure vonnöten, die sie mit neuen Ideen und Einsatz angehen. Solche sogenannten Vor-Ort-Pioniere sind die Preisträger des Programms "Neulandgewinner" der Robert Bosch Stiftung. Das Buch sucht und gibt Antworten auf die Frage, wer diese Menschen sind, was sie antreibt und welche Ideen sie für ein neues Miteinander vor Ort haben. Es zeigt auf, was Vor-Ort-Pioniere benötigen, auf welche Ressourcen sie zugreifen und was sie tun, um das Landleben zu organisieren. Und es thematisiert, welche Schwierigkeiten sie haben und welche Unterstützung sie benötigen.

24 Neulandgewinner stellen in diesem Buch ihre Projekte vor und geben einen Einblick in deren Entwicklungsprozess: von der erfolgreichen Einrichtung eines Dorfladens über die Umnutzung lehrstehender Gebäude bis zur Einführung einer regionalen Schülerwährung. Aber auch oder gerade aus gescheiterten Projekten können viele Erkenntnisse gezogen werden: Deshalb stellen die Autoren Ideen vor, die aus unterschiedlichen Gründen gescheitert sind oder nicht den gewünschten Erfolg erzielen konnten. "Neuland gewinnen" handelt von Menschen, die sich auf die Suche nach der Zukunft auf dem Land gemacht haben. Sie zeigen, was alles möglich ist, wenn man selbst aktiv wird. Jeder, der sich auf dem Land engagiert, mit dem Gedanken spielt, dies zu tun, oder einfach Interesse am Leben auf dem Land und ländlichen Räumen hat, wird in diesem Buch neue Erkenntnisse gewinnen und Ideen für die eigene Arbeit mitnehmen.

Siri Frech, Babette Scurrell, Andreas Willisch (Hrsg.): Neuland gewinnen. Die Zukunft in Ostdeutschland gestalten, 2017, 272 Seiten, Ch. Links Verlag GmbH, 25 Euro


Rettet das Dorf!

"Stirbt das Dorf?", "Lasst das Dorf sterben!" – die Medien stellen die Perspektiven der Dorfentwicklung in ihren Beiträgen oft zu negativ dar, findet Gerhard Henkel. Der in der Szene als "Dorfpapst" bekannte Forscher ist davon überzeugt, dass das Dorf in Deutschland auch in Zukunft eine Chance hat und wählt mit "Rettet das Dorf" einen von Tatendrang geradezu strotzenden Buchtitel. Was auf Dorfebene Bürger und Kommunalpolitik und an zentraler Stelle Politik und Gesellschaft ändern und dafür leisten sollen, stellt Henkel verständlich und kurzweilig dar. Er zeigt Schwachstellen in der Dorfentwicklung der vergangenen Jahrzehnte auf, präsentiert aber gleichzeitig Strategien und konkrete Möglichkeiten für ein Umsteuern.

Im ersten Teil des Buches setzt sich der Autor in neun Themenblöcken mit den wichtigsten Problembereichen auf lokaler Handlungsebene auseinander, beispielsweise Leerstand, Sicherung von Infrastruktur und Vereinsleben. Dabei geht Henkel zunächst auf die gegenwärtigen Entwicklungen in Dörfern ein und zeigt dann anhand konkreter Beispiele und Ideen, wie Dörfer mit kommunalen und bürgerschaftlichen Aktivitäten dem Abwärtstrend trotzen, wie sie Läden retten oder einen neuen Aufschwung durch innovative Bürgervereine anzetteln. Am Ende jedes Kapitels stellt Henkel die Frage: Was bleibt zu tun?

Im zweiten Teil des Buchs analysiert Henkel, ob und wie zentrale Instrumente und Institutionen wie die Raumordnungspolitik von Bund und Ländern, die Kirchen, die Wissenschaft, die Medien und die Spitzenverbände mit ihren Entscheidungen dem Dorf und Land nutzen oder Schaden zufügen. Diese Institutionen können und müssen im Sinne des Autors einen Beitrag leisten, um das Dorf zu retten. Für alle, die sich für das Dorf interessieren, die dort leben, sich engagieren oder beruflich mit der Entwicklung von Dörfern zu tun haben, lohnt sich die Lektüre dieses Buchs mit seinen vielfältigen Ansätzen und Beispielen. Wer eine wissenschaftliche Abhandlung erwartet, wird enttäuscht.

Gerhard Henkel: Rettet das Dorf! Was jetzt zu tun ist, 2016, 303 Seiten, dtv Verlagsgesellschaft, München, 22 Euro ISBN 978-3-423-28102-7


Megatrend ländliche Räume

Laut statistischem Bundesamt leben 2050 nur noch 16 Prozent der Deutschen auf dem Land. Silver Society und Urbanisierung sei Dank: Wir werden immer älter und ziehen in die Städte. Hat das Modell Dorf bald ausgedient?

Diese Frage stellen sich auch die Autorinnen Janine Seitz und Lena Papasabbas und kommen zu einer durchaus Mut machenden Antwort. Bundesweit sterben nicht nur Dörfer, sondern es gibt viele Konzepte, die den ländlichen Räumen eine alternative und positive Zukunft ermöglichen. Das sogenannte Comeback des Dorfs ist jedoch langsam, leise und sehr heterogen.

In der Zeitschrift wird eine Typologie für die ländlichen Gemeinden von morgen vorgestellt: "Health-Villages" bauen den Bereich der medizinischen Versorgung aus und ziehen so ältere Menschen mit Pflegebedarf und auch Wellness-Touristen an. "Bio-Oasen" locken mit nachhaltig erzeugten Lebensmitteln Konsumenten und Produzenten. "Creative Hubs" bieten Platz für neue Arbeitsformen und in den "Einsteiger-Kommunen" oder den "Downshifting-Dörfern" leben Menschen, die nach anderen Formen des Zusammenlebens suchen.

Nicht alle Dörfer können sich auf diese Weise weiterentwickeln, das ist klar. Aber das Heft macht Mut und inspiriert mit vielen interessanten Projektvorstellungen dazu, anders zu denken: Intelligente Fahrräder könnten ein neues Mobilitätszeitalter einläuten, Trade Schools für organisierten Wissenstausch sorgen oder zukunftsweisende Apps das Crowdfunding erleichtern. Ländliche Räume sind momentan ein Thema, das Zukunftsdenker und innovative Gestalter erreicht.

trend update. Für Zukunftsdenker und innovative Gestalter. Das Comeback des Dorfes. Das ungeahnte Potenzial ländlicher Regionen für das 21. Jahrhundert: ZukunftsInstitut (Hrsg., 02/2015), 43 Seiten, ISSN 2192-7758


Schrumpfung konstruktiv, offen und offensiv diskutieren

Im Rahmen von drei Workshops trafen sich 2012 und 2013 Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Praxis, um den bisherigen Diskurs zu regionalen Schrumpfungsprozessen sowie Erfahrungen mit deren Gestaltung zu reflektieren und eine konstruktive Bilanz zu ziehen. Die Publikation "Regionale Schrumpfung gestalten" fasst deren Erkenntnisse zusammen.

Sie setzt die Akzeptanz von regionalen Schrumpfungsprozessen voraus und formuliert dazu drei grundlegende Thesen: Schrumpfung kann und muss gestaltet werden. Es gilt, gesellschaftliche Teilhabe zu sichern und es sind räumliche Differenzierungen und Interaktionen zu beachten und zu nutzen. Den größten Teil der Publikation nehmen neun Handlungsempfehlungen ein, die von der regionalen Siedlungsentwicklung über Kommunikations- und Abstimmungsprozesse bis zu Rahmenbedingungen für Lösungs- und Förderansätze reichen. Sie werden mit je einem ausführlichen Praxisbeispiel veranschaulicht und durch Kurzinformationen zu Förderansätzen und weiteren Beispielen ergänzt. Sowohl mit dem großen und anschaulichen inhaltlichen Spektrum als auch mit noch offenen Fragen an die Forschung regt die Publikation zur Auseinandersetzung mit Schrumpfung an.

Regionale Schrumpfung gestalten. Handlungsspielräume zur langfristigen Sicherung gesellschaftlicher Teilhabe schaffen und nutzen: Küpper, P., Steinführer, A., Ortwein, S. und Kirchesch, M., Johann Heinrich von Thünen-Institut und Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (2013), 60 Seiten

kostenloser Download über die Website des Thünen-Instituts


Wieviel Zukunft hat mein Dorf?

Wann ist ein Dorf zukunftsfähig? Wie lässt sich das erfassen und bewerten? Welche Möglichkeiten zum Handeln gibt es? Mit diesen Fragen beschäftigen sich Dorfbewohner – spätestens dann, wenn die Einwohnerzahl zurück geht oder das Durchschnittsalter der Menschen deutlich steigt.

Die thüringische Stiftung Schloss Ettersburg hat einen methodischen Leitfaden zur "Bestimmung der Zukunftsfähigkeit ländlicher Siedlungsstrukturen" herausgegeben. Er ist als Nutzwertanalyse und für die Praxis in Orten mit bis zu 500 Einwohnern angelegt. Zukunftsfähigkeit hängt eng mit der zukünftigen Bevölkerungsentwicklung zusammen. Da aber die Prognose kleinräumiger Bevölkerungsentwicklung unsicher ist, werden Indikatoren herangezogen, deren Ausprägung die Entwicklung bestimmen. Zu den insgesamt 14 Merkmalen zählen die bisherige Bevölkerungsentwicklung, die Nähe zu Arbeitsplätzen und zum nächsten Zentrum. Auch verschiedene Ausstattungsmerkmale wie Kita, Schule, Laden, Breitband sowie die landschaftliche Attraktivität gehören dazu, ebenso wie die Beeinträchtigung durch den Verkehr, der bauliche Zustand und die Größe des Dorfes. Diese teils multidimensionalen Merkmale ergeben bewertet, gewichtet und aggregiert eine Zahl: den Wert für die Zukunftsfähigkeit eines Ortes.

Zwar liefert der Leitfaden strukturierte Informationen über Potenziale und Defizite eines Dorfes. Um allerdings die subjektiven Einflüsse in der Bewertung und Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen, muss die Bewertung – auch der Einzelindikatoren – vollständig transparent verlaufen. Nur dann kann auch der nötige Diskurs über die örtliche Entwicklung entstehen, an dem die Menschen vor Ort teilhaben können. Und nur dann bekommen die Akteure nicht nur eine Kennzahl sondern können aktiv werden. Hier fehlt in der Publikation der Hinweis, wie die Aktivitäten der Menschen jenseits der Indikatoren in die Bewertung einfließen oder welche Rückwirkungen eine schlechte Bewertung auf die Motivation hat, sich einzubringen. Die Analyse mit dem Leitfaden kann eine Basis für Diskussionen sein und möglicherweise Entscheidungshilfen liefern. Den Umgang mit einem schlechten Wert müssen die Menschen vor Ort selber lernen, Strategien und konkrete Verbesserungsmöglichkeiten mit den Verantwortlichen in der Gemeinde oder der Region selbst entwickeln.

Bestimmung der Zukunftsfähigkeit ländlicher Siedlungsstrukturen - Methodischer Leitfaden, Stiftung Schloss Ettersburg (2014), 48 Seiten

freier Download auf der Website der Stiftung Schloss Ettersburg


Emotional und mit vielen Parallelen zu LEADER

Handeln vor Ort kann die Welt verändern – das ist eine der Kernbotschaften der Transition-Bewegung. In Tausenden von Initiativen in über 40 Ländern weltweit hat sie Fuß gefasst – in Deutschland sind es mittlerweile rund 120 Gruppen, sie leben Wandel auf Grundlage von Selbstorganisation und Freiwilligkeit.

Zum Einstieg beschreibt der Begründer der Transition-Bewegung Rob Hopkins den Ist-Zustand der Umwelt. Mit Themen wie Wirtschaftsmisere, Energiekrise und Klimawandel spricht er den Leser auf emotionaler Ebene an und appelliert, jetzt zu handeln und die Vision einer besseren Zukunft nicht aus den Augen zu verlieren.

Anhand praktischer Beispiele – viele erinnern an LEADER-Projekte mit Innovationscharakter – legt er den Fokus schließlich aufs Regionale: Es geht um Regionalwährungen, regionale Produkte und öffentliche Gemeinschaftsgärten, Energie- und Mobilitätsprojekte auf lokaler oder regionaler Ebene. Das Buch stellt außerdem vor, was es braucht, um eine Initiative zu starten und zum Laufen zu bringen – auch diese Beschreibungen sind nicht weit entfernt von breit aufgestellten Beteiligungsprozessen in LEADER-Regionen.

Einfach. Jetzt. Machen! Wie wir unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen: Rob Hopkins, oekom verlag (2014), 192 Seiten, ISBN 978-3-86581-458-6


Kleine Städte in peripheren Regionen

Der Sammelband "Kleine Städte in peripheren Regionen" knüpft an eine Tagung zum gleichen Thema im Mai 2012 in Duderstadt an. Im Mittelpunkt stehen die besonderen Herausforderungen kleiner Städte in peripheren Regionen sowie ihre Spielräume und Chancen, diese zu bewältigen. Einerseits sind die Städte Bestandteil des ländlichen Raumes, andererseits sind sie aber gerade erst durch ihr Umland als Stadt erfahrbar. In dieser Situation sind sie, angesichts knapper werdender Finanz- und Fördermittel, mehr denn je darauf angewiesen, sich auf eigene Stärken zu besinnen.

Wesentliche Bestandteile ihrer Entwicklungsstrategien müssen dabei, wie mehrere Autoren betonen, die Ideen und das Engagement der Bürgerschaft bilden. Große Bedeutung kommt auch der Einbindung der ansässigen kleinen und mittelständischen Unternehmen zu, die meist das wirtschaftliche Rückgrat der peripheren Regionen bilden. Eine besondere Rolle spielen gerade in kleinen Städten die Verflechtungen zwischen den verschiedenen lokalen Netzwerken und ihr Einfluss auf die Entscheidungs- und Entwicklungsprozesse.

Zur Sprache kommt in dem Buch schließlich auch das Entwicklungsprojekt Duderstadt 2020, in dem Wissenschaft und Bürgerschaft gemeinsam Projekte entwickeln, die in eine Stadtentwicklungsstrategie für die niedersächsische Kleinstadt münden sollen. Dabei können viele der in diesem Sammelband aufgestellten Thesen mit der Realität konfrontiert werden.

Alexandra Engel, Ulrich Harteisen, Anke Kaschlik (Hrsg.), 2012: Kleine Städte in peripheren Regionen. Prozesse, Teilhabe und Handlungsbefähigung. Integriertes Stadtentwicklungsmanagement, Verlag Dorothea Rohn, Detmold 2012, 158 Seiten, ISBN: 978-3-939486-68-8


Vielfalt statt Gleichwertigkeit

Der Untertitel der Studie "Vielfalt statt Gleichwertigkeit" sagt deutlich, worum es geht: "Was Bevölkerungsrückgang für die Versorgung ländlicher Regionen bedeutet". Die Studie baut auf einer zwischen 2011 und 2013 organisierten Workshop-Reihe auf. Nach einer kurzen Einführung in regionale Disparitäten, demografische Trends und daraus resultierende Probleme geht es hauptsächlich um Energieversorgung und -produktion, Wasserversorgung und -entsorgung, Mobilität sowie Schule, medizinische Versorgung und Nahversorgung. Hinter diesen Infrastrukturen stehen überwiegend langfristige Investitionen und Unterhaltungskosten. Es geht also um Zeithorizonte bis 2030 und darüber hinaus, für die der demografische Wandel weitgehend gesichert prognostiziert wird. Sie werden bei hohen Fixkosten und weniger Nutzern in ihrer aktuellen Auslegung teurer. Deshalb geht es um Alternativen. Die Studie bildet dazu nicht nur den Diskussionsstand ab, den die Teilnehmer eingebracht haben, sondern bündelt die Erkenntnisse aus weiteren Untersuchungen und Statistiken.

Stellenweise liest sie sich dann auch wie eine Zusammenfassung der Hintergrundpapiere der Agentur für Erneuerbare Energien oder der Informationen zur Raumentwicklung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung – nur einfacher aufbereitet und immer wieder mit Bezug auf die resultierenden Möglichkeiten der Infrastrukturgestaltung. So bekommt man quasi nebenbei Zugang zu weiteren informativen Quellen. Rahmenbedingungen, Statistiken, Prognosen und gelegentlich Projektstrukturen sind in den Kapiteln grafisch aufbereitet und erläutert. Schade, dass die Rolle der Breitbandversorgung nur gestreift wird, dieser Stabilisierungsfaktor kommt zu kurz.

Es gibt aber viele Anregungen und Vorschläge: beispielsweise zur Erfassung der regionalen Situation, für dezentrale Lösungen, zu interkommunalen Kooperationen oder der multimodalen Mobilität und zum fahrenden Klassenzimmer. In einigen Fällen werden strukturabhängige Lösungsvorschläge und Szenarien in Übersichten zusammengefasst. Sicher, viele Ansätze wurden schon mal irgendwo umgesetzt, aber meist als Modellvorhaben. Technische Standards oder solche für die Daseinsvorsorge blockieren häufig die Übertragbarkeit. Die Studie ist folgerichtig ein Plädoyer für mehr Flexibilität.

Die Autoren verweisen immer wieder darauf, dass die Bewertung und die darauf aufbauende Planung fachübergreifend und situationsangepasst stattfinden sollte. Einerseits, um funktionierende Angebote und Unternehmen nicht zu gefährden, andererseits, um nötige Synergien zu schaffen – indem etwa das mittlerweile zu große Schulgebäude durch andere Angebote mitgenutzt und aufgewertet wird. Der völlige Rückzug aus Regionen wird nur als allerletzte Konsequenz diskutiert.

Wer sich rasch in die Versorgungssituation von ländlichen Räumen im demografischen Wandel einlesen will, bekommt in der Studie von Eva Kuhn und Reiner Klingholz die Zusammenhänge und Probleme leicht verständlich serviert. Die Kapitel lassen sich auch gut separat lesen. Für den ganz eiligen Leser gibt es nach jedem Kapitel ein Fazit, das die wichtigsten Gedankengänge, Beispiele und Lösungsansätze zusammenfasst.

Eva Kuhn; Reiner Klingholz, 2013: Vielfalt statt Gleichwertigkeit. Was Bevölkerungsrückgang für die Versorgung ländlicher Regionen bedeutet, Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung / Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) e. V. Potsdam, 76 Seiten. ISBN: 978-3-9814679-6-3

Kostenloser Download beim Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung


Ideengeber für neue Wege

Sich selbst um die Lebensqualität der eigenen Region kümmern und ausgetretene Pfade verlassen: Was Raumpioniere sind und tun, nimmt ein neuer Band der Edition Bauhaus unter die Lupe.

In dem lesenswerten Buch diskutieren verschiedene Autoren mögliche Entwicklungspfade ländlicher Räume jenseits zentralörtlicher Systeme und staatlich garantierter Versorgungsleistungen. In dem Buch sind – durchaus kontroverse – Gespräche zwischen Raumpionieren, Politikern, Wissenschaftlern und Künstlern dokumentiert. Gefordert wird unter anderem die Freiheit zum Experiment, die das Scheitern einschließt. Denn dieses ist häufig die Basis für neues Wissen auf dem Land.

Sowohl in theoretischer als auch in praktischer Hinsicht geht es den Autoren darum, veränderte gesellschaftliche Verhältnisse anzuerkennen und aufzuzeigen, wie neue Kooperationen zwischen Bürgergesellschaft und staatlichen Instanzen die ländliche Entwicklung unterstützen können. Das Buch enthält interessante Diskussionsbeiträge und eine Reihe von Projekten, die neue Wertschöpfungspotenziale und Ideen für die Grundversorgung erproben.

Kerstin Faber und Philipp Oswalt für die Stiftung Bauhaus (Hrsg.): "Raumpioniere in ländlichen Regionen. Neue Wege der Daseinsvorsorge", Spector Books, Dessau/Leipzig 2013, 216 Seiten, ISBN 978-3-940064-58-5


Landesentwicklung für ländliche Räume

Der mit über 650 Seiten sehr umfangreiche Sammelband dokumentiert das Zusammenwachsen von Flurbereinigung, Dorfentwicklung und Vermessungswesen mit der Regionalentwicklung zu einer integrierten Entwicklungspolitik für ländliche Räume. Eine illustre Autorenrunde beleuchtet fachkundig die Entwicklungen der Teildisziplinen im Hinblick auf die Herausforderungen insbesondere des strukturellen, gesellschaftlichen und demografischen Wandels aus den unterschiedlichen Blickwinkeln von Regional-, Dorf- und Stadtentwicklung sowie Bodenordnung. Anstehende Aufgaben wie die Energiewende, die Globalisierung und der Klimawandel, aber auch der Trend zur Wissensgesellschaft werden in ihren Auswirkungen für ländliche Räume betrachtet. Angesprochen werden zudem die zukünftig wichtigen Handlungsfelder, beispielsweise Demografie, Siedlungs- und Innenentwicklung, aber auch zivilgesellschaftliches Engagement. Die steigende Bedeutung der regionalen Handlungsebene und die Erfolgsfaktoren regionaler Entwicklung werden ebenso diskutiert wie die Notwendigkeit einer partizipativen Prozessgestaltung in der Regionalentwicklung.

Großen Raum im Buch nimmt die Entwicklung von Dörfern und Städten auf dem Land ein - als unmittelbarer Lebensraum der Bürgerinnen und Bürger und Ort, an dem Politik konkret wird und wichtige Entscheidungen gefällt werden. Neuere Entwicklungen, Herausforderungen und Lösungsansätze in der Dorfentwicklung werden betrachtet und durch Querbezüge zur Städtebauförderung und zum "Förderprogramm kleine Städte und Gemeinden" ergänzt. Natürlich fehlt auch Aktuelles zu Bodenordnung und Landmanagement nicht.

Die Umsetzung der integrierten Entwicklung wird anhand internationaler Beispiele, solchen der Dorfentwicklung sowie der sich wandelnden Flurbereinigung illustriert. Alles in Allem werden die meisten Akteure im ländlichen Raum Anregendes und Neues in dieser Publikation finden.

Kummer, K. & Frankenberger, J. (Hrsg.): Das deutsche Vermessungs- und Geoinformationswesen, Themenschwerpunkt 2013: Landesentwicklung für ländliche Räume - Analysen und Antworten zu Demographiewandel - Planungszielen und Strukturveränderung: Regionalentwicklung - Entwicklung von Dörfern und Städten - Bodenordnung und Landmanagement - Arbeitsprozess Flurbereinigung, Verlag Wichmann, Berlin 2012, 666 Seiten, ISBN 978-3-87907-523-2


Materialien zur Landschaftlichen Bildung

Das Oderbruch ist eigentlich ein ländlicher Raum wie viele andere: fern der Ballungsräume und Industriestandorte gelegen, eine landwirtschaftlich geprägte Kulturlandschaft, die von Abwanderung insbesondere junger Menschen betroffen ist. Im Laufe intensiver regionaler Diskurse über Probleme und Perspektiven der Region rückte die Kommunikation über die Landschaft des Oderbruchs und die vielfältigen Blickwinkel, die die Menschen auf ihre Landschaft haben, in den Mittelpunkt. Kenneth Anders, Anne Kulozik, Lars Fischer und Almut Undisz haben die dabei in den letzten Jahren entwickelten Grundlagen und Materialien zur Landschaftskunde und landschaftspolitischen Bildung im Buch "Landschaftliche Bildung" anschaulich zusammengestellt.

Landschaftskunde bildet erst einen Rahmen zur Wahrnehmung der Landschaft. Anregungen und Materialien können auch anderen Regionen dabei helfen, Landschaft zum Gegenstand von Unterricht und Bildung zu machen, beispielsweise mit dem Landschaftskoffer für Grundschulen und Beispielstunden für Fächer wie Sachunterricht, Deutsch und Musik.

Kenneth Anders, Anne Kulozik, Lars Fischer und Almut Undisz: Landschaftliche Bildung, Studien und Materialien für landschaftskundlichen und landschaftspolitischen Unterricht am Beispiel des Oderbruchs, Akademie für Landschaftskommunikation e. V., Aufland Verlag 2012, 168 Seiten, ISBN 978-3-9814-390-8-3


Dorfbewohner organisieren ihre Nahversorgung

Dorfläden sind mehr als Verkaufsstellen für Lebensmittel und andere Waren des täglichen Bedarfs. Sie tragen als Treff- und Kommunikationspunkte zum Erhalt dörflicher Gemeinschaft und Lebensqualität bei. Dass das Fehlen eines solchen Bezugspunktes nicht tatenlos hingenommen werden muss, zeigt die Journalistin und Geografin Kristina Pezzei in ihrem Buch. Dazu hat sie verschiedene Dorfladen-Projekte in ganz Deutschland besucht und beschreibt mit geübtem Blick und Einfühlungsvermögen, was sie dort erlebt hat. Sie schildert dabei nicht nur Erfolgsbeispiele, sondern auch solche, wo noch spürbar Sand im Getriebe ist. Im Mittelpunkt ihrer Schilderungen stehen vor allem die Menschen: einzelne "Macher", Familien, ganze Dorfgemeinschaften, die ihrem Dorf mit Mut und Einsatzbereitschaft ein wichtiges Stück Lebensqualität zurückgeben wollen. Wer selbst mit der Gründung eines Dorfladens liebäugelt, wird hier wertvolle Anschauungsbeispiele finden. Auch für alle anderen interessierten Leser ist dieses Buch spannend und aufschlussreich zugleich.

Kristina Pezzei: Verkaufen können wir selber! Wie sich Landmenschen ihren Laden zurück ins Dorf holen, Metropolis-Verlag, Marburg 2013, 184 Seiten, ISBN: 978-3-895-18978-4


bildung.nachhaltig.regional

Das österreichische Projekt Lernende Regionen soll lebenslanges Lernen und den Aufbau von Wissensmanagement im ländlichen Raum stärken. Im Rahmen des Programms wurde vom Forum Umweltbildung ein Modell für Bildung für nachhaltige Entwicklung entwickelt und in einem Handbuch veröffentlicht. Darin werden 10 Aspekte vorgestellt: konkret handeln, Emotionen miteinbeziehen, mit Wissen bewusst umgehen, Visionen entwickeln, reflektieren, kritisch denken, kommunizieren, partizipieren, kooperieren und Methodenvielfalt. Anhand von Projekten werden sie praxisnah veranschaulicht. Die Beispiele kommen oft aus Leader-Regionen, die in Österreich das Projekt Lernende Regionen umsetzen. Zu jeder Projektphase werden dem Leser Fragen gestellt, die zum Nachdenken anregen und das Entwicklungspotenzial der Projekte in Bezug auf nachhaltige Entwicklung ausloten. Das Handbuch versteht sich als Geschichten-, Bilder-, Arbeits- und Methodenbuch, dass in jeder Projektphase zur Reflexion in die Hand genommen werden kann.

Irmgard Stelzer, Sophia Garczyk und Anna Streissler: bildung. nachhaltig. regional, Forum Umweltbildung, Wien 2012, 116 Seiten, ISBN 978-3-900717-69-8

Information, Bestellung und Download beim Österreichischen Portal Lernende Regionen


Lokale Engagementförderung - Kritik und Perspektiven

In Zeiten des demografischen Wandels gewinnt die Förderung bürgerschaftlichen Engagements zunehmend an Bedeutung. Seit Mitte der 90er-Jahre wurden und werden zu diesem Zweck zahlreiche Einrichtungen gegründet, die von Bürgerstiftungen bis zu Mehrgenerationenhäusern reichen. Das Forschungsprojekt "Ausbau, Umbau, Rückbau? Bestandsaufnahme, Evaluation und Weiterentwicklung der Infrastruktur lokaler Engagementpolitik" untersuchte die Vor- und Nachteile dieser Einrichtungsvielfalt in den Kommunen: Welche Einrichtungsformen und -typen sind noch zeitgemäß? Wie ergänzen sie sich und wo stehen sie in Konkurrenz zueinander? Die Autoren stellen Entstehung, Aufgaben sowie aktuelle Herausforderungen der verschiedenen Einrichtungen dar und erläutern anschließend deren Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Risiken. Als Ergebnis werden Thesen zur Zukunft der Engagement fördernden Einrichtungen zusammengefasst, die es auf Grundlage der Untersuchung von Einrichtungen in ausgewählten Modellkommunen zu überprüfen gilt.

André Christian Wolf und Annette Zimmer: Lokale Engagementförderung – Kritik und Perspektiven, Springer VS, Wiesbaden 2012, 182 Seiten, ISBN: 978-3-531-18585-9


Tourismus als Chance

Diese Publikation schließt eine Informationslücke: In 21 Artikeln behandeln 29 Autoren aus Wissenschaft, Beratungsunternehmen, Verbänden und Verwaltung umfassend das Thema Tourismus im ländlichen Raum. Neben Definitionen und Grundlagen werden Aspekte beleuchtet wie Ökonomie und Wertschöpfung, Angebot- und Nachfragepotenziale, Organisations- und Vermarktungsstrukturen, Kommunikation, Förderung, Schutzgebiete, Nachhaltigkeit und Klimawandel. Detaillierte Auswertungen von Forschungsvorhaben, Statistiken und Umfragen veranschaulichen das Thema praxisnah. Die Vorstellung ausgewählter Beispielregionen verdeutlicht die Thematik und die Realität in den Regionen.

So erfahren zum Beispiel Betreiber von Beherbergungsbetrieben, welche Wünsche ihre Zielgruppen bestimmen und Kommunalvertreter, welche Auswirkungen und Bedeutung Investitionen in den Tourismus in ihrer Gemeinde haben. Die Autoren vermitteln die Chance des Tourismus für viele ländliche Räume: Eine interessante und wertvolle Lektüre für Praxis, Wissenschaft und Politik vor Ort, die eine Fortsetzung finden sollte.

Hartmut Rein und Alexander Schuler (Hrsg.): Tourismus im ländlichen Raum, Verlag Springer Gabler, Wiesbaden 2012, 375 Seiten, ISBN 978-3-8349-3353-9


Faszination Dorf - gestern und heute

Es gibt sie noch, die Faszination am Dorfleben. Das Dorf wird häufig als Rückzugsort für ein naturnahes, soziales Miteinander in einer schnelllebigen und globalisierten Welt gesehen. Das vorliegende Buch will die Dörfer aber nicht verklären. Vielmehr beschreibt und erklärt der Autor Gerhard Henkel, wie Dörfer und ihre Menschen den wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Veränderungen ihrer Zeit begegnen.

Um die Gegenwart verstehen zu können, skizziert er die gravierenden Umwälzungen des Dorflebens seit dem Mittelalter und stellt in einer historischen Betrachtung den Wandel des Dorfes von 1950 bis heute in den Mittelpunkt. Wie viele Facetten das Landleben hat, zeigen die Kapitel Wirtschaftsraum und Versorgung, Bevölkerung, Soziales, Kultur, Gestalt der Kulturlandschaft und Dorfpolitik.

Das reich bebilderte Buch beschreibt das heutige Dorf als einen dynamischen Lebensraum, in dem die ländliche Gemeinschaft vielfältiger geworden ist. Das Dorf des 21. Jahrhunderts ist zu einem demografischen Testfeld einer Post-Wachstumsgesellschaft geworden. Als Pioniere in der Gestaltung eines neuen sozioökonomischen Miteinanders können Dorfgemeinschaften für das ganze Land von Nutzen sein.

Gerhard Henkel, 2012: Das Dorf Landleben in Deutschland – Gestern und Heute. Konrad Theiss Verlag GmbH, Stuttgart, 344 Seiten, ISBN: 978-3-534-24465-2


Räumliche Entwicklungen interkommunal steuern

Andreas Raab liefert mit seiner Habilitationsschrift ein umfassendes Werk zum Thema interkommunale Kooperation und räumliche Entwicklung. Er beschreibt und kommentiert formelle und informelle Kooperationsmöglichkeiten und analysiert finanz- und verwaltungstechnische Aspekte der Zusammenarbeit.

Vier Fallbeispiele aus Bayern veranschaulichen die Potenziale des Instruments in den Themenfeldern Wohnsiedlungs- und Innenentwicklung, Gewerbeflächenentwicklung und -management, Standortmarketing sowie Gewerbeflächenportfolio. Der Autor analysiert Möglichkeiten und Praxis der gemeindeübergreifenden Zusammenarbeit im Rahmen der Förderprogramme "Stadtumbau West" und "Integrierte Ländliche Entwicklung ILE" in Bayern.

Er stellt fest, dass interkommunale Kooperationen in ländlichen Räumen bisher meist auf kleinräumige Zweckverbände zur Bereitstellung von einzelnen Infrastrukturen konzentriert sind. Stadt-Umland-Kooperationen sind hingegen meist großräumigere Mehrfachzweckverbände oder Planungsverbände. Insgesamt sollte nach seiner Auffassung vor dem Hintergrund des demografischen Wandels in ländlichen Räumen mehr und breiter kooperiert werden, um die darin liegenden Chancen für die Daseinsvorsorge und räumlichen Entwicklung auszuschöpfen.

Andreas Raab, 2011: Räumliche Entwicklungen interkommunal steuern. Ibidem-Verlag, Stuttgart, 472 Seiten. ISBN-13: 978-3-8382-0256-3


Die Kommune als Energieerzeuger

Deutschland hat die Energiewende beschlossen, bis 2022 soll der stufenweise Atomaustritt vollzogen sein. Um dieses Ziel erreichen zu können, muss die Nutzung der erneuerbaren Energieträger massiv ausgebaut werden. Eine entscheidende Rolle spielen dabei die Kommunen und Bürger im ländlichen Raum. Damit der Weg zur eigenständigen Energieerzeugung erfolgreich wird, müssen die Gemeinden technische, organisatorische und planerische Einflussfaktoren und Anforderungen beachten. Diese erläutert der Autor Jürgen Staab in seinem Buch "Erneuerbare Energie in Kommunen".

In den einzelnen Kapiteln stellt Jürgen Staab die wichtigsten Etappen dar: von der ersten Idee in der Gemeinde bis zur Umsetzung der geplanten Projekte. Hierbei gibt er zahlreiche wertvolle Tipps, etwa zu Ressourcen-  und Standortentscheidung, zu Rechtsform- und Technologiefragen sowie zur Art der Finanzierung und Förderung. Nach seiner Einschätzung ist besonders die Genossenschaft eine geeignete Rechtsform. Vorgestellte Praxisbeispiele untermauern diese Meinung. Das Buch ist als begleitende Lektüre zur Umsetzung von Energievorhaben sehr empfehlenswert.

Jürgen Staab, 2011: Erneuerbare Energie in Kommunen – Energiegenossenschaften gründen, führen und beraten. Gabler Verlag, Wiesbaden, 185 Seiten. ISBN: 978-3-8349-2989-1


Finanzierung regionaler Entwicklung

Vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise und der Diskussionen um die zukünftige Ausgestaltung der EU-Förderpolitiken erhält diese Publikation eine besondere Aktualität. Die Folgeprobleme von Abwanderung und demografischem Wandel werden sich in vielen ländlichen Regionen verschärfen, während öffentliche Fördermittel knapper werden.

Diesen Herausforderungen muss sich auch die ländliche Entwicklung stellen: Fördermittel müssen effizienter eingesetzt und privates Kapital stärker eingebunden werden. Effizienter wird Finanzierung oft auch dann, wenn die regionalen Akteure mit ihrem Wissen über die Sinnhaftigkeit einer Projektförderung vor Ort selbst entscheiden. 18 Autoren geben in den Kapiteln "Regionalisierte Zuschüsse und Budgets", "Fonds in der Regionalentwicklung" und "Regionale Perspektiven" einen Überblick über innovative Finanzierungsinstrumente, die diesen Ansprüchen näherkommen. Veranschaulicht werden sie durch Praxisbeispiele in verschiedenen Regionen. Das Buch ist weniger für Praxisakteure geeignet, die sich umfassend über Fördermöglichkeiten im ländlichen Raum informieren wollen. Zielgruppe sind vor allem Menschen, die sich mit der zukünftigen Ausgestaltung von Finanzierungsinstrumenten für die Regionalentwicklung auseinandersetzen.

Sebastian Elbe, Florian Langguth, 2011(Hrsg.): Finanzierung regionaler Entwicklung oder: Geld ist schon wichtig. Shaker Verlag, Aachen, 240 Seiten. ISBN: 978-3-8440-0148-8


"Leitfaden" zur Beteiligung von Unternehmen in Regionalentwicklungsprozessen

Die Ergebnisse basieren auf einer Online-Befragung von LEADER und ILE-Regionen Deutschlands sowie Fallstudien und Befragungen von Unternehmen.

Beginnend mit einer Gegenüberstellung der Sichtweisen und Erwartungen des Regionalmanagements und der Unternehmen folgt ein kritischer Blick auf die Förderbedingungen besonders über den ELER und die GAK.

Im regionalen Bezug wird zwischen Konzeptionsebene, Strategie und Prozess sowie der Projektebene unterschieden. Hier geht es um die Bedarfsanalyse – auch im Dialog mit den Unternehmen um Schnittmengen und gemeinsame Handlungsfelder zu finden – um Kommunikationsstrukturen und Beteiligungsangebote, über die Informationen auch in die Steuerungsebene der Entwicklungsgruppe zurückspiegelt werden können. Unterschiedliche Vorgehensweisen werden jeweils an verschiedenen Fallbeispielen vom umfassenden bis zum kleinen Ansatz kurz erläutert und Ansprechpartner genannt.

Anschließend werden Herangehensweisen für die vier Handlungsfelder Förderung und Beratung, Unternehmenskooperation und -netze, unternehmerisches Engagement sowie Dialog und Austausch vorgestellt.

Für die Unternehmen stehen dabei der Aufbau neuer Kontakte, Auftragsverhältnisse oder Marktzugänge sowie der Wissens- und Erfahrungsaustausch im Vordergrund. Die Beteiligung mittlerer und Großunternehmen hat zum Ziel mit Politikern in Dialog zu treten um regionale Rahmenbedingungen und das Unternehmensimage zu verbessern. Eine direkte Förderung steht unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht im Vordergrund. Auch hier verdeutlichen kurze Beispiele die Ansätze.

Untersucht wurden überwiegend erfahrene Gruppen, die bereits langjährig ihren Fokus auf die Einbindung und Beratung von KKU legen. Diese Beratungskompetenz, die vertrauensvolle Mitarbeit im regionalen Bezug oder der Aufbau von Unternehmensnetzwerken braucht eben auch etwas Zeit. Die Vorgehensweisen wurden nicht methodisch vertieft und generell knapp gehalten. Der "Leitfaden" ist deshalb als erste Heranführung an das Thema zu verstehen.

Bietergemeinschaft SRINTconsult und Nova-Institut (Hrsg): Unternehmen in der integrierten ländlichen Entwicklung. Ein Leitfaden zur aktiven Gestaltung der Beteiligung; 2011, 27 Seiten

Hier können Sie den Leitfaden herunterladen (PDF-Datei, 4,1 MB)

Auf den Seiten der BLE finden Sie die Ergebnisse der Studie zum Download.


Interkommunale Kooperation schrumpfender Kleinstädte

Der demografische Wandel trifft den ländlichen Raum besonders stark. Die Autorinnen Antonia Schulitz und Britta Knoblauch untersuchen in der vorliegenden Diplomarbeit, wie kleine Städte und Gemeinden diesen Herausforderungen begegnen und welche Anpassungsinstrumente sie wirksam einsetzen. Anhand von Fallbeispielen aus der Praxis analysieren die Autorinnen Potenziale interkommunaler Kooperationen im Detail. Und sie geben auf dieser Grundlage Empfehlungen für verschiedene kommunale Handlungsfelder sowie für Akteure aus Regionalplanung, Bund und Ländern. Die Autorinnen sehen in der interkommunalen Kooperation auf Basis regionaler Handlungskonzepte eine Chance, die Lebensqualität in ländlichen Räumen aufrecht zu erhalten. Die komplexer werdenden Aufgaben sowie die sinkende Auslastung der Infrastrukturen ließen zu dieser Vorgehensweise keine andere Wahl. Dabei sei aber, so führen die beiden Diplomantinnen aus, die externe Unterstützung durch Fachleute essentiell – nur so könnten erfolgreich Konkurrenzsituationen moderiert und positive Lösungswege aufgezeigt werden.

Antonia Schulitz, Britta Knoblauch, 2011: Interkommunale Kooperation schrumpfender Kleinstädte – Analyse der Chancen und Grenzen für schrumpfende Kleinstädte im ländlichen Raum. AVM-Verlag, München, 221 Seiten. ISBN: 978-3-86306-716-8


Zwischen Landflucht und Lebens(t)raum - Wege zu lebendigen Dörfern in Brandenburg

Schulen und Dorfläden schließen, Vereinen fehlt der Nachwuchs, Häuser im Dorf drohen zu verfallen – so wird die Situation von Dörfern in peripheren Räumen Ostdeutschlands häufig beschrieben. Im Gegensatz zu dieser pessimistischen Sichtweise zeigt die Autorin der Studie, wie Dörfer in Brandenburg der Abwärtsspirale entgegenwirken.

Im ersten Teil der Analyse schildert sie sehr anschaulich die heutige, historisch gewachsene Situation ehemals sozialistischer Dörfer, und das aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln: kulturhistorisch, politisch, ökonomisch, sozial und genderbezogen. Im zweiten Teil beschreibt sie Bemühungen zur Vernetzung innerhalb und zwischen Dorfgemeinschaften und zeigt, wie sich die Bewohner für den Erhalt der Lebensqualität einsetzen. Als Datengrundlage dienen Interviews mit über 400 Dorfbewohnern sowie zahlreiche Fallbeispiele.

Eine besondere Herausforderung der Dorfentwicklung liegt in der gesellschaftlichen Anerkennung kleinteiliger, dezentraler Ansätze und Lebensformen sowie in der interkommunalen Zusammenarbeit. Großes Potenzial zur Krisenbewältigung und zur Förderung der interkommunalen Zusammenarbeit birgt die stärkere Erschließung externer Ressourcen, wie zum Beispiel Beratung, so das Resümee der Autorin. Den Abschluss des Buches bildet eine Synopse aus Lebendigkeits-Indikatoren, die das methodische Handwerkszeug für die Dorfentwicklungsberatung bereichern.

Silke Stöber, 2010: Zwischen Landflucht und Lebens(t)raum – Wege zu lebendigen Dör-fer in Brandenburg. Margraf Publishers, Weikersheim, 281 Seiten. ISBN 978-3-8236-1606-1


Strategisches Management in der Regionalentwicklung

Diese wissenschaftliche Publikation beschäftigt sich mit der Übertragung strategischer Managementmodelle auf die Regionalentwicklung. Der Fokus liegt dabei auf Leader als einer Methode der Regionalentwicklung. Der Autor stellt mehrere strategische Managementmodelle aus der Betriebswirtschaft und aus dem regionalen Entwicklungskontext in ihrer Theorie vor. Dabei analysiert er auch die strategische Qualität der Regionalentwicklungspraxis auf Programm- und LAG-Ebene und reflektiert diese kritisch. Schließlich schlägt er ein strategisches Managementmodell für Leader-Gebiete vor.

Der Autor ist seit vielen Jahren Regionalmanager und Leader-Manager in der Tiroler Region Außerfern und bereichert somit die theoretischen Modelle mit viel praktischer Erfahrung. Sollte sich die Idee der EU-Kommission durchsetzen, einen Multifonds für Leader ins Leben zu rufen, bei dem sich die Regionen aus unterschiedlichen Fördertöpfen bedienen, aber dabei auf eine gemeinsame Entwicklungsstrategie zurückgreifen, sind solch neue Impulse für ein strategisches Management sicherlich hilfreich.

Günter Salchner, 2010: Strategisches Management in der Regionalentwicklung. Ein Managementmodell für LEADER-Gebiete. VDM Verlag Dr. Müller, Saarbrücken, 87 Seiten. ISBN: 978-3-639-28042-5


Effiziente Kooperationen von Stadtwerken

Stadtwerke stehen vor steigenden Herausforderungen: Sie müssen sich am Markt behaupten und zugleich den Verpflichtungen der Daseinsvorsorge gerecht werden. Dazu sind geeignete Unternehmensstrategien gefragt. Eine jetzt veröffentlichte Studie der Universität Leipzig in Zusammenarbeit mit der HypoVereinsbank untersuchte mithilfe einer Befragung von Stadtwerken deren Erfahrungen und Erwartungen hinsichtlich eingegangener und geplanter Kooperationen. Die 82 Teilnehmer der Befragung geben die Notwendigkeit einer strategischen Neu-orientierung des Gesamtunternehmens überwiegend als „hoch" an. Mit Kooperationen in einzelnen Unternehmensteilen erhoffen sich die Stadtwerke, neben finanziellen Mitteln auch zum Beispiel Know-how und technische Ausstattung bündeln zu können, um damit Risiken zu minimieren. Die meisten Kooperationserfahrungen machten die befragten Unternehmen in Bereichen wie Strom- und Gasbeschaffung, Messwesen sowie EDV- und Abrechnungsdienste. Während letztlich knapp die Hälfte der Stadtwerke zukünftig plant, weitere Kooperationen einzugehen, zeigen sich rund 40 Prozent der Befragten in dieser spannenden Frage jedoch weiter unentschlossen.

Die Ergebnisse der Expertenbefragung werden durchgängig sehr gut mit graphischen Darstellungen veranschaulicht.

Thomas Lenk, Oliver Rottmann, 2010: "Mehr als die Summe ihrer Teile – Effiziente Kooperationen von Stadtwerken". Studie in Kooperation mit der HypoVereinsbank AG, 40 Seiten. Kostenloser Download unter www.uni-leipzig.de/fiwi/Kompetenzzentrum


Breitbandausbau - was müssen Kommunen beachten?

Die notwendige Anbindung ländlicher Räume an schnelles Internet ist in aller Munde. Das im April 2010 erschienene Buch – ein Gemeinschaftsprojekt der Universitäten Münster und München – will hierfür Handlungsoptionen vorstellen. Es besteht aus zwei Teilen: Der erste, englischsprachige Teil richtet sich an ein internationales Fachpublikum. Er untersucht in Form einer vergleichenden wissenschaftlichen Darstellung die wirtschaftlich-organisatorischen Rahmenbedingungen für einen stärkeren Breitbandausbau. Der zweite, juristische Teil ist deutschsprachig und will kommunalen Entscheidungsträgern konkrete Handlungsoptionen für die sofortige Umsetzung von Breitbandlösungen in ihrer Kommune aufzeigen. Hier geht es zum Beispiel um Subventionsvergaben im Rahmen von Kooperationen mit Telekommunikationsanbietern.

Das Buch ist zwar nicht zwar nicht für Einsteiger geeignet, vor allem der zweite Teil bietet aber kommunalen "Breitband-Beauftragten", die sich oft mit komplexen juristischen Fragestellungen auseinandersetzen müssen, eine hilfreiche Orientierung. Zwar beziehen sich die Handlungsempfehlungen stets auf das Beispiel der Gemeindeordnung Nordrhein-Westfalens; doch geben sie auch kommunalen Verantwortungsträgern aus anderen Bundesländern wertvolle Hinweise, um wichtige Probleme und juristische Prüfungspunkte beim Ausbau von Breitbandinternet zu berücksichtigen.

Bernd Holznagel, Arnold Picot, Sebastian Deckers, Nico Grove, Marc Schramm, 2010: Strategies for Rural Broadband. An economic and legal feasibility analysis. Gabler Verlag, Wiesbaden, 248 Seiten. ISBN: 978-3-8349-2419-3


Bürgerbeteiligung für Land und Gemeinden

Die meisten Entscheidungsträger wissen es längst: Eine lebendige Demokratie braucht Bürgerbeteiligung. Um die politisch Verantwortlichen und Verwaltungsmitarbeiter in diesem Prozess zu unterstützen, hat die Landesregierung des Bundeslandes Vorarlberg in Österreich einen praxisnahen Leitfaden entwickelt.

Das Handbuch beginnt mit Aussagen zu negativen Erfahrungen mit Bürgerbeteiligung, die durch positive Statements erfahrener Entscheidungsträger widerlegt werden. Hier wird schnell deutlich, was Partizipation bedeutet: Verantwortung und Kompetenz an die BürgerInnen abzugeben und ihrer Kompetenz natürlich auch zu vertrauen. Anschließend stellen die Autoren übersichtlich das WAS und WARUM der Partizipation dar und geben Orientierungshilfen zur Vorbereitung entsprechender Prozesse. Den Hauptteil aber macht das WIE aus: Methoden der Bürgerbeteiligung werden detailliert beschrieben und mit Beispielen aus der Praxis unterlegt; Argumente zum FÜR und WIDER runden das Gesamtbild ab. Am Ende gibt das Buch Hinweise zu weiteren Informationsquellen. Politisch Verantwortlichen wird es damit leicht gemacht, sich einen Überblick zu verschaffen und die richtige Methode für ihren Partizipationsprozess zu wählen.

Bei der Lektüre des Buches wird schnell deutlich, wie bedeutend Partizipationsprozesse für eine Gemeinde und Region sind und was sie auf kleiner und großer Ebene bewirken können.

Amt der Vorarlberger Landesregierung – Büro für Zukunftsfragen (Hrsg.), 2010: Handbuch Bürgerbeteiligung für Land und Gemeinden. Bregenz, 54 Seiten. Download als PDF unter www.vorarlberg.at/zukunft / Menüpunkt Bürgerbeteiligung.


Vor Ort wird es konkret - Projekte für die Zukunft

Menschen, die mit ihren Projekten in Ostdeutschland neue Wege gehen, stehen im Mittelpunkt des Buches. Aus etwa 100 Projekten, die auf www.zukunft-ostdeutschland.de nachzulesen sind, wählten die Herausgeber 30 aus und machten dabei „die meisten Entdeckungen auf dem Land“. So erfahren die Leser, wie BürgerInnen Nahverkehr, lokale Energiekonzepte und Lebensmittelhandel organisieren, sie lesen von ungewöhnlichen Umnutzungsideen, von Belegschaftsinitiativen zur Übernahme von Betrieben und Ärztenetzwerken. An mehreren Beispielen wird deutlich, was Kulturprojekte für Öffentlichkeit und Gemeinschaft leisten können. Das Buch behandelt aber auch Arbeitgeberzusammenschlüsse zur gemeinsamen Personalpolitik und die Ansiedlung von Solarfabriken.

Eins ist allen Projekten gemeinsam: Menschen vor Ort beziehen sich auf konkrete lokale und regionale Bedingungen, sie „nehmen den Wandel selbst in die Hand und verändern damit das Leben oft nachhaltiger als die großen Player“. Das habe durchaus Vorbildfunktion, so die Autoren, die im Osten einen „Vorsprung beim Suchen nach Alternativen“ sehen. Das Buch zeigt außerdem neue Wege bei der Absicherung ehrenamtlicher Arbeit auf und will einen Beitrag zur Vernetzung lokaler Initiativen leisten.

Am Schluss plädieren die Herausgeber für eine „konkrete, passgenaue und flexible“ Förderpolitik, die bei Menschen ansetzt, die „mit eigenen Visionen und Handlungsstrategien Probleme vor Ort lösen wollen“.

Christoph Links, Kristina Volke (Hrsg.), 2009: Zukunft erfinden – Kreative Projekte in Ostdeutschland. Christoph Links Verlag, Berlin, 240 Seiten. ISBN: 978-3-86153-542-3


Mehrwert durch regionale Wertschöpfungskooperationen

Die Stärkung der regionalen Wertschöpfung und Beschäftigung ist für viele Regionen eine der wichtigsten Überlebensfragen für die Zukunft. Eine Grundvoraussetzung hierfür ist der Aufbau regionaler Wertschöpfungspartnerschaften. Wie diese Netzwerke es schaffen, einen Beitrag zur Regionalentwicklung zu leisten, darauf wollen die Autoren des vorliegenden Readers Antworten geben. Dabei steht das Produkt Milch im Fokus der Untersuchung, was angesichts des Preisverfalls und der Debatten um die Milchquote sicher kein Zufall ist. Die Autoren wollen Wege aufzeigen, wie kleine und mittlere Unternehmen der Branche durch regionale Wertschöpfungskooperationen der Krise die Stirn bieten können.
Hierfür bietet die Studie eine Art Handreichung in drei Teilen: Der erste Teil liefert die theoretischen Grundlagen der Regionalentwicklung. Der zweite Teil widmet sich der Situation der Ernährungswirtschaft am Beispiel der Milchbranche und ihrer Wertschöpfungsstrukturen. Im dritten Teil werden Best-Practice-Beispiele wie die Bliesgau-Molkerei und das Cluster aus NRW und Bayern vorgestellt. Obwohl das Vorwort des Readers noch die „herausragende Bedeutung“ für die neuen Bundesländer hervorhebt, wird im dritten Teil allerdings kein ostdeutsches Praxisbeispiel vorgestellt. Dies ist besonders schade, da der Reader ansonsten eine gute Zusammenführung von Theorie, Situationsanalyse und Praxis von Wertschöpfungsketten in der Milchbranche bildet.

RKW Kompetenzzentrum (Hrsg.), 2009: Innovative regionale Wertschöpfungskooperationen im ländlichen Raum. Erfolgsgeschichten – nicht nur aus der Milchwirtschaft. Eschborn, 76 Seiten.


Netzwerken leicht gemacht

Wie und in welchem Ausmaß sich Regionen politisch und administrativ steuern lassen, ist eine der spannendsten Fragen in der Regionalentwicklung. Dabei verlangt die zunehmende Globalisierung von den Akteuren ein immer höheres Maß an Anpassungs- und Innovationsfähigkeit. „Netzwerke“ spielen deshalb eine immer größere Rolle. Mit ihnen rückt das Beziehungsgefüge von Personen und anderen sozialen Systemen, etwa Organisationen, in den Mittelpunkt. Allerdings geht es in Netzwerken in der Regel primär nicht um ein gemeinsames Ziel, sondern um die Möglichkeit, mit anderen Akteuren überhaupt in Verbindung zu treten. Wie aber lassen sich damit Entwicklungsprozesse wirksam gestalten?

Dieser Frage geht das Autorenteam des Handbuchs „Erfolgreich durch Netzwerkkompetenz“ nach. Die Publikation wendet sich in erster Linie an Praktiker der Regionalentwicklung und der Raumplanung in Verwaltung, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft.

Im ersten Teil des Buches entfalten die Autoren nach einer Klärung des oft diffusen Netzwerkbegriffs zunächst ihr Verständnis von „Netzwerkkompetenz“ als der Verbindung von Kooperationsfähigkeit, -management und Netzwerksteuerung. Sechs Fallstudien aus der Praxis der Regionalentwicklung illustrieren dann die ganze Bandbreite unterschiedlicher Typen regionaler Netzwerke. Abschließend findet der Leser eine Auswahl an nützlichen Gestaltungsinstrumenten für die eigene Netzwerkpraxis – wie Checklisten, Fragebögen, Moderationsanleitungen und Analyseinstrumente.

 

Stefan Bauer-Wolf, Harald Payer, Günter Scheer (Hrsg.), 2008: Erfolgreich durch Netzwerkkompetenz: Handbuch für Regionalentwicklung. Wien, Springer, 189 Seiten.                                                                  Bestellnummer: ISBN 978-3-211-73126-0


Effiziente Infrastruktur kein Allheilmittel

Der ländliche Raum steht derzeit einer Vielzahl von Herausforderungen gegenüber: Globalisierung, demographischer Wandel und Entvölkerung sind einige davon. Der Aufbau einer effizienten Infrastruktur wurde in Deutschland jahrzehntelang als Voraussetzung für eine erfolgreiche Regionalentwicklung angesehen mit dem Ziel, zwischen den Regionen Chancengleichheit in Bezug auf ihre wirtschaftliche Entwicklung herzustellen.

Das Buch „Infrastrukturnetze und Raumentwicklung“ von Timothy Moss, Matthias Naumann und Markus Wissen beleuchtet die Wechselwirkungen zwischen Infrastrukturentwicklung und regionaler Gesamtentwicklung kritisch. Der Fokus liegt dabei auf der Wasserver- und Abwasserentsorgung. So sei zum Beispiel ein Hauptproblem in Regionen mit starker Abwanderung, dass hohe Investitionen in die Infrastruktur auf immer weniger Nutzer umgelegt werden müssen und damit deren anteilige Kosten steigen.

Das Buch stellt eine gute Mischung aus theoretischen und empirischen Beiträgen zur Thematik dar. Es geht aus einem vom Leibnitz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS) bearbeiteten sozial-ökologischen Forschungsprojekt hervor. Es richtet sich einerseits an die Wissenschaft, gibt aber auch Empfehlungen an Praktiker aus der Raumplanung, der Regional- und Infrastrukturpolitik sowie an Unternehmen im Bereich der Ver- und Entsorgung.

 

Timothy Moss, Matthias Naumann, Markus Wissen (Hrsg.) (2008): Infrastrukturnetze und Raumentwicklung: Zwischen Universalisierung und Differenzierung. München, oekom Verlag, 339 Seiten.                    Bestellnummer: ISBN 978-3-86581-117-2


Regionen Aktiv - ein Blick dahinter

„Regional Governance“  als Konzept gewinnt in der Diskussion über eine erfolgreiche Regionalpolitik immer mehr an Bedeutung: Merkmale des neuen Konzepts sind die Aufwertung der regionalen Selbstverantwortung, die intersektorale Kooperation durch regionale Netzwerke und Partnerschaften und die Anreizsteuerung durch Finanzen, Wettbewerb und Evaluation – Merkmale, die ebenfalls Teil des LEADER-Ansatzes sind.

Auch bei dem Modellvorhaben des Bundes „Regionen Aktiv“ wurden die Aspekte der „Regional Governance“ eingesetzt. Die hier vorgestellte Publikation ist die überarbeitete Dokumentation einer Tagung, die im Rahmen der euregia 2006 stattfand. Ziel war es, die  Fortschritte in den Regionen kritisch zu hinterfragen und die Ergebnisse zu analysieren. Zu Beginn geht Sebastian Elbe auf den Steuerungsansatz und die Förderphilosophie ein, die dem Modellvorhaben zu Grunde lagen. Danach beleuchtet Anna Meinecke, wie regionale Netzwerke und die Durchführung von Leistungswettbewerben gesteuert werden können und welche unterschiedlichen Netzwerktypen es gibt. Michael Böcher und Sebastian Tränker erläutern, welche auf den politischen Umsetzungsprozess bezogenen Faktoren zum Erfolg führen. In wieweit der gewählte Ansatz auch ökonomisch tragfähig und sinnvoll ist, hinterfragt Katrin Weiß. Robert Lukesch, Harald Payer und Jutta Rabenau entwerfen zum Abschluss, wie das ideale Förderprogramm der Zukunft aussehen könnte.

 

Michael Böcher, Max Krott, Sebastian Tränker (Hrsg.), 2008: Regional Governance und integrierte ländliche Entwicklung. Ergebnisse der Begleitforschung zum Modell- und Demonstrationsvorhaben „Regionen Aktiv“. Wiesbaden, VS Verlag für Sozialwissenschaften, 205 Seiten. Bestellnummer: ISBN 978-3-53115-277-6


Zur Zukunft ländlicher Räume

Das 2008 erschienene Buch „Zur Zukunft ländlicher Räume“ will ein Gegengewicht zu der meist negativ geprägten Berichterstattung über periphere ländliche Räume setzen: Es beschreibt nicht nur die Veränderungen, denen ökologische und sozioökonomische Systeme in ländlichen Räumen unterworfen sind, sondern zeigt auch, wie zu einer dauerhaft umweltgerechten Entwicklung dieser Regionen beigetragen werden kann.

Dafür werden exemplarisch drei dünn besiedelte Landkreise in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern unter die Lupe genommen: Barnim, Uckermark und Uecker-Randow. Sie stellen aus naturräumlicher und aus sozioökonomischer Sicht Extremfälle dar und zeigen damit die Chancen und Probleme ländlicher Räume in Mitteleuropa in ihrer ganzen Schärfe.

Das Buch gliedert sich in fünf Teile: Nach einer Einleitung befasst sich der zweite Teil mit den Strukturen der nordostdeutschen Untersuchungsregionen und deren Wandel. Das dritte Kapitel beschreibt die grundlegenden, überregionalen Landnutzungstendenzen, das vierte analysiert vertiefend fünf Entwicklungsoptionen ländlicher Räume. Im letzten Teil schließlich erhalten Akteure aus Politik und Verwaltung, Kommunen, Verbänden und Initiativen sowie Einzelpersonen zehn Kernempfehlungen für eine zukunftsorientierte Nutzung ländlicher Räume.

Das Buch ist Ergebnis der dreijährigen Arbeit der Interdisziplinären Arbeitsgruppe Zukunftsorientierte Nutzung Ländlicher Räume (LandInnovation) der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

 

Reinhard F. Hüttl, Oliver Bens, Tobias Plieninger (Hrsg.), 2008: Zur Zukunft ländlicher Räume – Entwicklungen und Innovationen in peripheren Regionen Nordostdeutschlands. Berlin, Akademie Verlag, 441 Seiten.    Bestellnummer: ISBN 978-3-05004-485-9

 


Was macht ländliche Räume erfolgreich?

Während sich einige Regionen erfolgreich im Wettbewerb behaupten, verlieren andere ihre Anziehungskraft für die Einwohner: Sie entleeren sich, die Arbeitslosigkeit schnellt nach oben und die Zukunft der Region wird in Frage gestellt. Das Erstaunliche ist, dass sich bei den meisten Regionen die rechtlichen Rahmenbedingungen ähneln, die abfallenden Regionen unter förderrechtlichen Aspekten sogar oft besser ausgestattet sind. Wieso gibt es also diesen Differenzierungsprozess zwischen erfolgreichen und desolaten Regionen in Europa?

Dieser Frage geht auch die hier vorgestellte Publikation nach – mit dem Ziel, das Auseinanderlaufen der Prozesse zu beleuchten und so besser zu verstehen. Das Besondere an dieser Veröffentlichung ist die Vielfalt der hier zusammengetragenen Meinungen und Erfahrungen. Zu Beginn werden die Positionen der Parteien im Deutschen Bundestag einander gegenüber gestellt. Im Anschluss gehen 13 Beiträge aus Politik und Forschung auf  die Politik für ländliche Räume, ihren Reformbedarf  bzw. die noch versteckten Potenziale ein. Die europäischen Erfahrungen bestimmen den dritten Abschnitt: Beispiele aus Rumänien, Österreich und Polen und das Thema Vernetzung/Zusammenarbeit spielen hier eine Rolle. Im letzten Abschnitt werden dann konkret 17 erfolgreiche Praxisbeispiele von Landwirtschaftsbetrieben, Verbänden, Behörden oder Dienstleistern erläutert.

Das Einzige, was diesen sehr umfassenden und gelungenen Sammelband noch vervollständigen könnte, wäre eine stärkere Gegenüberstellung der verschiedenen sektoralen Ansätze und Ziele.

 

Rainer Friedel, Edmund A. Spindler (Hrsg.), 2009: Nachhaltige Entwicklung ländlicher Räume. Chancenverbesserung durch Innovation und Traditionspflege. Wiesbaden, VS Verlag für Sozialwissenschaften, 487 Seiten.                                                                                            Bestellnummer: ISBN 978-3-53116-542-4


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