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Gesellschaft und Soziales

Zuwanderung als langfristige Aufgabe

Nun, da die Zuwanderung nach Deutschland abgeebbt ist, hat das Deutsche Institut für Urbanistik (difu) als Rückblick einen Band zum Thema herausgebracht. "Zuwanderung und Integration von Geflüchteten in Kommunen. Der lange Weg vom Ankommen zum Bleiben" heißt die Publikation, die in über 20 Aufsätzen verschiedener Autoren die vielfältigen Bereiche anschneidet, die Kommunen betreffen: Sie geht auf den Akutfall und die Aufgaben im Jahr 2015 ein, die Kommunen zu bewältigen hatten, als eine große Zahl an Menschen zuwanderte. Genauso werden Erfahrungen verschiedener Institutionen und Kommunen in der Rückschau skizziert. Minderjährige Zuwanderer und notwendige Bildungsangebote werden ebenso thematisiert wie die kurz- und langfristige Unterbringung, die Rolle von Migrantenorganisationen, die Arbeitsmarktsituation und die Wohnsitzregelung. Auch die Kosten für Integration kommen zur Sprache.

An mehreren Stellen der Publikation kommen Praktiker zu Wort, die von ihren Initiativen und Erfahrungen erzählen. So wird als Praxisbeispiel die Willkommensinitiative der brandenburgischen Gemeinde Gransee mit 9.000 Einwohnern vorgestellt. Die Autorin berichtet aus der Perspektive einer Engagierten, welche Ideen der Initiative "Willkommen in Gransee" umgesetzt wurden, welche bei den Zugewanderten nicht auf Interesse stießen und was sie gelernt hat: So ticken in manchen Ländern die Uhren anders und viele Geflüchtete erschienen zunächst nicht pünktlich zu den Sprachkursen. Durch persönliche Ansprache aber, so schreibt die Autorin, werde nun Verbindlichkeit zwischen Organisatoren und Neubürgern hergestellt.

Die Publikation vereint auf rund 220 Seiten praxisnahe und wissenschaftliche Beiträge mit unterschiedlichem Fokus – eine Mischung, die viele Leser sicherlich zu schätzen wissen.

Holger Floeting, Gudrun Kirchhoff, Henrik Scheller, Jessica Schneider (Hrsg.): Zuwanderung und Integration von Geflüchteten in Kommunen. Der lange Weg vom Ankommen zum Bleiben, Difu-Impulse, 1, 2018, 220 Seiten, 23 Euro, ISBN: 978-388118-588-2


Integration auf dem Land

Integration auf dem Land kann gelingen, das zeigt die Katholische Landjugendbewegung Bayern (KLJB) in ihrem neuen Werkbrief mit zahlreichen Praxisbeispielen aus Bayern. Sie packt das Thema positiv an und will Ängste nehmen, von "Flüchtlingskrise" ist nicht die Rede. Vorgestellt werden Projekte wie "Jugendarbeit für alle", das junge Geflüchtete verstärkt in die Angebote der Jugendarbeit einbinden möchte. Oder der Methodenkoffer "Flucht und Asyl", den sich Jugendgruppen ausleihen können, um sich vor Ort mit dem Thema auseinanderzusetzen. Persönliche Erfahrungsberichte der Zugewanderten und Helfer zeigen, welche positiven Effekte Arbeitspraktika, Sportangebote und gemeinsame Freizeitaktionen haben. Die Beispiele liefern Ideen für die Integrationsarbeit in ländlichen Regionen und sind Motivation dafür, selbst aktiv auf "zugereiste Fremde" zuzugehen.

Ergänzt wird der Werkbrief mit wichtigen Adressen und Anlaufstationen, grundlegenden Überlegungen zur Integration sowie einem Methodenteil für die praktische Arbeit. Er enthält Anleitungen dafür, wie sich Menschen in der Verbands- und Gruppenarbeit mit den Themen Herkunft, Flucht und Integration konstruktiv auseinandersetzen können und beantwortet häufig gestellte Fragen wie "Was macht eigentlich eine Asyl-Beauftragte?" oder "Wie können erste gemeinsame Aktionen mit Flüchtlingen aussehen?". Insgesamt bietet das Buch einen guten Überblick über die Aktivitäten der Jugendarbeit auf dem Land in Bayern. Neben den persönlichen Beiträgen von Migranten über ihre Gefühle, helfen den Lesern Fakten und Zahlen, um Stammtischparolen entgegentreten zu können.

Katholische Landjugendbewegung Bayern: Werkbrief Integration auf dem Land. Erfahrungen. Infos. Methoden, 2016, 160 Seiten, München, 9 Euro, ISBN: 978-3-936459-50-0


Rettet das Dorf!

"Stirbt das Dorf?", "Lasst das Dorf sterben!" – die Medien stellen die Perspektiven der Dorfentwicklung in ihren Beiträgen oft zu negativ dar, findet Gerhard Henkel. Der in der Szene als "Dorfpapst" bekannte Forscher ist davon überzeugt, dass das Dorf in Deutschland auch in Zukunft eine Chance hat und wählt mit "Rettet das Dorf" einen von Tatendrang geradezu strotzenden Buchtitel. Was auf Dorfebene Bürger und Kommunalpolitik und an zentraler Stelle Politik und Gesellschaft ändern und dafür leisten sollen, stellt Henkel verständlich und kurzweilig dar. Er zeigt Schwachstellen in der Dorfentwicklung der vergangenen Jahrzehnte auf, präsentiert aber gleichzeitig Strategien und konkrete Möglichkeiten für ein Umsteuern.

Im ersten Teil des Buches setzt sich der Autor in neun Themenblöcken mit den wichtigsten Problembereichen auf lokaler Handlungsebene auseinander, beispielsweise Leerstand, Sicherung von Infrastruktur und Vereinsleben. Dabei geht Henkel zunächst auf die gegenwärtigen Entwicklungen in Dörfern ein und zeigt dann anhand konkreter Beispiele und Ideen, wie Dörfer mit kommunalen und bürgerschaftlichen Aktivitäten dem Abwärtstrend trotzen, wie sie Läden retten oder einen neuen Aufschwung durch innovative Bürgervereine anzetteln. Am Ende jedes Kapitels stellt Henkel die Frage: Was bleibt zu tun?

Im zweiten Teil des Buchs analysiert Henkel, ob und wie zentrale Instrumente und Institutionen wie die Raumordnungspolitik von Bund und Ländern, die Kirchen, die Wissenschaft, die Medien und die Spitzenverbände mit ihren Entscheidungen dem Dorf und Land nutzen oder Schaden zufügen. Diese Institutionen können und müssen im Sinne des Autors einen Beitrag leisten, um das Dorf zu retten. Für alle, die sich für das Dorf interessieren, die dort leben, sich engagieren oder beruflich mit der Entwicklung von Dörfern zu tun haben, lohnt sich die Lektüre dieses Buchs mit seinen vielfältigen Ansätzen und Beispielen. Wer eine wissenschaftliche Abhandlung erwartet, wird enttäuscht.

Gerhard Henkel: Rettet das Dorf! Was jetzt zu tun ist, 2016, 303 Seiten, dtv Verlagsgesellschaft, München, 22 Euro ISBN 978-3-423-28102-7


Demografische Entwicklungen in Ostdeutschland

Nach einem jahrelangen Abwanderungstrend gibt es in Ostdeutschland seit 2012 wieder mehr Zu- als Fortzug. Davon profitieren allerdings nur 15 Prozent der ostdeutschen Gemeinden, alle anderen schrumpfen weiter – so lassen sich die Ergebnisse der neuen Studie des Berlin Instituts für Bevölkerungsforschung und Entwicklung umreißen. Die Analyse ostdeutscher Wanderungsmuster bringt auch interessante Details ans Licht: Beispielsweise wird deutlich, dass Menschen im Rentenalter immer häufiger aus den kleinen und entlegenen Dörfern abwandern. Die Autoren diskutieren zudem die demografischen Folgen des aktuellen Flüchtlingszustroms für die ostdeutschen Flächenländer. Trotz der diesbezüglich schwierigen Datenlage gelingt es ihnen, ein umfassendes Bild zu zeichnen.

Abschließend fragen die Autoren "Was tun?" und tragen vielfältige Handlungsempfehlungen für die Politik zusammen. Wie in früheren Veröffentlichungen des Berlin-Instituts werden hier provokante Vorschläge ins Spiel gebracht. So raten die Autoren beispielsweise dazu, älteren Dorfbewohnern einen Umzug in die Stadt durch Beratung und Umzugsbeihilfen zu erleichtern. Die Verwaltung solle zudem "die Gunst der Stunde nutzen und die Rolle der sich wieder stabilisierenden Zentren als Versorgungsanker im Raum stützen", auch wenn "bei dieser Politik die Zentren profitieren und einige kleinere Orte über kurz oder lang von ihren Bewohnern aufgegeben werden". Die Studie besticht durch eine differenzierte Analyse und vertritt streitbare Schlussfolgerungen. Dabei liest sie sich sehr gut, denn die Ergebnisse sind klar strukturiert, prägnant formuliert und attraktiv illustriert. Dem Berlin-Institut ist damit erneut ein spannender Beitrag für all jene gelungen, die über die Zukunft der ländlichen Räume in Ostdeutschland diskutieren wollen.

Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung (Hrsg.): Im Osten auf Wanderschaft. Wie Umzüge die demografische Landkarte zwischen Rügen und Erzgebirge verändern, 2016, 76 Seiten, im Download verfügbar unter www.berlin-institut.org ISBN 978-3-9816212-9-7


Landflucht 3.0

Welche Zukunft hat der ländliche Raum im 21. Jahrhundert, dem Zeitalter der Mega-Metropolen und ungebremsten Verstädterung? Mit ihren Beiträgen wollen die 20 Autoren des Sammelbands der Herbert Quandt-Stiftung einen Beitrag zu dieser regelmäßig wiederkehrenden Debatte leisten. Die Inhalte reichen von wissenschaftlichen Analysen und politischen Konzepten über die Gesundheitsversorgung auf dem Land und die Landwirtschaft bis zur medialen Wahrnehmung des Landes. Dabei gibt es sowohl theoretische als auch praxisnahe Texte. Andreas Holstein etwa, der Bürgermeister von Altena in Westfalen, der in Westdeutschland am stärksten demografisch gebeutelten Stadt, zeigt, wie sich kommunal Handlungsszenarien gestalten lassen. Werner Schwarz, der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes, vergleicht landwirtschaftliche Modelle und kommt zu dem Schluss: Die Landwirtschaft ist ein Zukunftssektor, der nicht verloren gehen darf.

Der Kommunikationswissenschaftler Robert Veitenhansl zeigt in seinem Beitrag Erfolge und Misserfolge von Kommunikationskampagnen für den ländlichen Raum auf. Weshalb sogenannte Idylle-Magazine aktuell einen regelrechten Boom erleben, untersucht die Journalistin Canan Topcu am Beispiel des erfolgreichen Magazins "LandLust". Weniger Lust als Frust erzeugt der Mangel an ärztlicher Versorgung im ländlichen Raum. Auch die Sozialwissenschaftlerin und Demografin Claudia Neu schlägt eher kritische Töne an: Die Folgen des demografischen Wandels seien bekannt, Schrumpfung, Rückbau und Kürzungen aber noch immer nicht vermittelbar.

Eine Bettlektüre ist dieses Buch nicht, das eine oder andere Kapitel ist sogar schwere Kost; die dargestellten Herausforderungen, Lösungsansätze und Forderungen sind aber auch für Nichtwissenschaftler verständlich aufbereitet und für jeden zu empfehlen, den die Zukunft des ländlichen Raumes bewegt.

Herbert Quandt-Stiftung (Hrsg.): Landflucht 3.0 – Welche Zukunft hat der ländliche Raum?, Herder Verlag, 2015, 228 Seiten, 16,99 Euro, ISBN 978-3-451-33386-6


Willkommen auf dem Land

Integration ist ein Handlungsfeld, um ländliche Regionen im demografischen Wandel zukunftsfähig zu machen. Was können und was müssen Kommunen dafür tun? Zuallererst gilt es, Rahmenbedingungen zu erfassen: Wie entwickelt sich die Bevölkerung in der Region und welche Möglichkeiten existieren, um damit verbundene Aufgaben zu meistern? Dann muss die Kommune interkulturelle Kompetenz erwerben. Aber was bedeutet interkulturelle Öffnung in einer Kommune und was zeichnet eine Anerkennungs- und Willkommenskultur aus?

Sieben Städte und ihre Landkreise haben von 2012 bis 2014 ihre kommunale Integrationsstrategie im Rahmen des Forschung-Praxis-Projekts "Integrationspotenziale ländlicher Regionen im Strukturwandel" der Schader-Stiftung neu ausgerichtet. Sie wurden dabei von Forschungspartnern und einem Coachingverfahren unterstützt. Ihre Erkenntnisse und Erfahrungen zeigen, welche typischen Stolpersteine, übertragbaren Erfolgsfaktoren und Handlungsfelder es gibt. Die daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen machen deutlich: Es ist sowohl ein Paradigmenwechsel zu einer wertschätzenden Integrations- und Diversitätspolitik notwendig als auch ein Leitbild, das Vielfalt wagt. Wer Zuwanderung als Querschnittsaufgabe anerkennt, kann die Integration aus der sozialen Nische herausholen und zum gesamtgesellschaftlichen Thema machen.

Das Handbuch stellt theoretische Ansätze sowie die konkreten Aktivitäten der sieben Kommunen vor. Es liest sich nicht nebenbei, denn mitunter nehmen die Autoren einen Anlauf, um zum konkreten Thema zu gelangen. Doch Durchhalten lohnt sich: Viele Praxis-Beispiele veranschaulichen die in den Regionen in Gang gesetzten Prozesse.

Schader Stiftung (Hrsg.): Interkulturelle Öffnung und Willkommenskultur in strukturschwachen ländlichen Räumen. Ein Handbuch für Kommunen, 2014, 164 Seiten, kostenfrei bestellbar unter www.integrationspotenziale.de ISBN 978-3-932736-43-8


Wieviel Zukunft hat mein Dorf?

Wann ist ein Dorf zukunftsfähig? Wie lässt sich das erfassen und bewerten? Welche Möglichkeiten zum Handeln gibt es? Mit diesen Fragen beschäftigen sich Dorfbewohner – spätestens dann, wenn die Einwohnerzahl zurück geht oder das Durchschnittsalter der Menschen deutlich steigt.

Die thüringische Stiftung Schloss Ettersburg hat einen methodischen Leitfaden zur "Bestimmung der Zukunftsfähigkeit ländlicher Siedlungsstrukturen" herausgegeben. Er ist als Nutzwertanalyse und für die Praxis in Orten mit bis zu 500 Einwohnern angelegt. Zukunftsfähigkeit hängt eng mit der zukünftigen Bevölkerungsentwicklung zusammen. Da aber die Prognose kleinräumiger Bevölkerungsentwicklung unsicher ist, werden Indikatoren herangezogen, deren Ausprägung die Entwicklung bestimmen. Zu den insgesamt 14 Merkmalen zählen die bisherige Bevölkerungsentwicklung, die Nähe zu Arbeitsplätzen und zum nächsten Zentrum. Auch verschiedene Ausstattungsmerkmale wie Kita, Schule, Laden, Breitband sowie die landschaftliche Attraktivität gehören dazu, ebenso wie die Beeinträchtigung durch den Verkehr, der bauliche Zustand und die Größe des Dorfes. Diese teils multidimensionalen Merkmale ergeben bewertet, gewichtet und aggregiert eine Zahl: den Wert für die Zukunftsfähigkeit eines Ortes.

Zwar liefert der Leitfaden strukturierte Informationen über Potenziale und Defizite eines Dorfes. Um allerdings die subjektiven Einflüsse in der Bewertung und Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen, muss die Bewertung – auch der Einzelindikatoren – vollständig transparent verlaufen. Nur dann kann auch der nötige Diskurs über die örtliche Entwicklung entstehen, an dem die Menschen vor Ort teilhaben können. Und nur dann bekommen die Akteure nicht nur eine Kennzahl sondern können aktiv werden. Hier fehlt in der Publikation der Hinweis, wie die Aktivitäten der Menschen jenseits der Indikatoren in die Bewertung einfließen oder welche Rückwirkungen eine schlechte Bewertung auf die Motivation hat, sich einzubringen. Die Analyse mit dem Leitfaden kann eine Basis für Diskussionen sein und möglicherweise Entscheidungshilfen liefern. Den Umgang mit einem schlechten Wert müssen die Menschen vor Ort selber lernen, Strategien und konkrete Verbesserungsmöglichkeiten mit den Verantwortlichen in der Gemeinde oder der Region selbst entwickeln.

Bestimmung der Zukunftsfähigkeit ländlicher Siedlungsstrukturen - Methodischer Leitfaden, Stiftung Schloss Ettersburg (2014), 48 Seiten

freier Download auf der Website der Stiftung Schloss Ettersburg


Emotional und mit vielen Parallelen zu LEADER

Handeln vor Ort kann die Welt verändern – das ist eine der Kernbotschaften der Transition-Bewegung. In Tausenden von Initiativen in über 40 Ländern weltweit hat sie Fuß gefasst – in Deutschland sind es mittlerweile rund 120 Gruppen, sie leben Wandel auf Grundlage von Selbstorganisation und Freiwilligkeit.

Zum Einstieg beschreibt der Begründer der Transition-Bewegung Rob Hopkins den Ist-Zustand der Umwelt. Mit Themen wie Wirtschaftsmisere, Energiekrise und Klimawandel spricht er den Leser auf emotionaler Ebene an und appelliert, jetzt zu handeln und die Vision einer besseren Zukunft nicht aus den Augen zu verlieren.

Anhand praktischer Beispiele – viele erinnern an LEADER-Projekte mit Innovationscharakter – legt er den Fokus schließlich aufs Regionale: Es geht um Regionalwährungen, regionale Produkte und öffentliche Gemeinschaftsgärten, Energie- und Mobilitätsprojekte auf lokaler oder regionaler Ebene. Das Buch stellt außerdem vor, was es braucht, um eine Initiative zu starten und zum Laufen zu bringen – auch diese Beschreibungen sind nicht weit entfernt von breit aufgestellten Beteiligungsprozessen in LEADER-Regionen.

Einfach. Jetzt. Machen! Wie wir unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen: Rob Hopkins, oekom verlag (2014), 192 Seiten, ISBN 978-3-86581-458-6


Kleine Städte in peripheren Regionen

Der Sammelband "Kleine Städte in peripheren Regionen" knüpft an eine Tagung zum gleichen Thema im Mai 2012 in Duderstadt an. Im Mittelpunkt stehen die besonderen Herausforderungen kleiner Städte in peripheren Regionen sowie ihre Spielräume und Chancen, diese zu bewältigen. Einerseits sind die Städte Bestandteil des ländlichen Raumes, andererseits sind sie aber gerade erst durch ihr Umland als Stadt erfahrbar. In dieser Situation sind sie, angesichts knapper werdender Finanz- und Fördermittel, mehr denn je darauf angewiesen, sich auf eigene Stärken zu besinnen.

Wesentliche Bestandteile ihrer Entwicklungsstrategien müssen dabei, wie mehrere Autoren betonen, die Ideen und das Engagement der Bürgerschaft bilden. Große Bedeutung kommt auch der Einbindung der ansässigen kleinen und mittelständischen Unternehmen zu, die meist das wirtschaftliche Rückgrat der peripheren Regionen bilden. Eine besondere Rolle spielen gerade in kleinen Städten die Verflechtungen zwischen den verschiedenen lokalen Netzwerken und ihr Einfluss auf die Entscheidungs- und Entwicklungsprozesse.

Zur Sprache kommt in dem Buch schließlich auch das Entwicklungsprojekt Duderstadt 2020, in dem Wissenschaft und Bürgerschaft gemeinsam Projekte entwickeln, die in eine Stadtentwicklungsstrategie für die niedersächsische Kleinstadt münden sollen. Dabei können viele der in diesem Sammelband aufgestellten Thesen mit der Realität konfrontiert werden.

Alexandra Engel, Ulrich Harteisen, Anke Kaschlik (Hrsg.), 2012: Kleine Städte in peripheren Regionen. Prozesse, Teilhabe und Handlungsbefähigung. Integriertes Stadtentwicklungsmanagement, Verlag Dorothea Rohn, Detmold 2012, 158 Seiten, ISBN: 978-3-939486-68-8


Vielfalt statt Gleichwertigkeit

Der Untertitel der Studie "Vielfalt statt Gleichwertigkeit" sagt deutlich, worum es geht: "Was Bevölkerungsrückgang für die Versorgung ländlicher Regionen bedeutet". Die Studie baut auf einer zwischen 2011 und 2013 organisierten Workshop-Reihe auf. Nach einer kurzen Einführung in regionale Disparitäten, demografische Trends und daraus resultierende Probleme geht es hauptsächlich um Energieversorgung und -produktion, Wasserversorgung und -entsorgung, Mobilität sowie Schule, medizinische Versorgung und Nahversorgung. Hinter diesen Infrastrukturen stehen überwiegend langfristige Investitionen und Unterhaltungskosten. Es geht also um Zeithorizonte bis 2030 und darüber hinaus, für die der demografische Wandel weitgehend gesichert prognostiziert wird. Sie werden bei hohen Fixkosten und weniger Nutzern in ihrer aktuellen Auslegung teurer. Deshalb geht es um Alternativen. Die Studie bildet dazu nicht nur den Diskussionsstand ab, den die Teilnehmer eingebracht haben, sondern bündelt die Erkenntnisse aus weiteren Untersuchungen und Statistiken.

Stellenweise liest sie sich dann auch wie eine Zusammenfassung der Hintergrundpapiere der Agentur für Erneuerbare Energien oder der Informationen zur Raumentwicklung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung – nur einfacher aufbereitet und immer wieder mit Bezug auf die resultierenden Möglichkeiten der Infrastrukturgestaltung. So bekommt man quasi nebenbei Zugang zu weiteren informativen Quellen. Rahmenbedingungen, Statistiken, Prognosen und gelegentlich Projektstrukturen sind in den Kapiteln grafisch aufbereitet und erläutert. Schade, dass die Rolle der Breitbandversorgung nur gestreift wird, dieser Stabilisierungsfaktor kommt zu kurz.

Es gibt aber viele Anregungen und Vorschläge: beispielsweise zur Erfassung der regionalen Situation, für dezentrale Lösungen, zu interkommunalen Kooperationen oder der multimodalen Mobilität und zum fahrenden Klassenzimmer. In einigen Fällen werden strukturabhängige Lösungsvorschläge und Szenarien in Übersichten zusammengefasst. Sicher, viele Ansätze wurden schon mal irgendwo umgesetzt, aber meist als Modellvorhaben. Technische Standards oder solche für die Daseinsvorsorge blockieren häufig die Übertragbarkeit. Die Studie ist folgerichtig ein Plädoyer für mehr Flexibilität.

Die Autoren verweisen immer wieder darauf, dass die Bewertung und die darauf aufbauende Planung fachübergreifend und situationsangepasst stattfinden sollte. Einerseits, um funktionierende Angebote und Unternehmen nicht zu gefährden, andererseits, um nötige Synergien zu schaffen – indem etwa das mittlerweile zu große Schulgebäude durch andere Angebote mitgenutzt und aufgewertet wird. Der völlige Rückzug aus Regionen wird nur als allerletzte Konsequenz diskutiert.

Wer sich rasch in die Versorgungssituation von ländlichen Räumen im demografischen Wandel einlesen will, bekommt in der Studie von Eva Kuhn und Reiner Klingholz die Zusammenhänge und Probleme leicht verständlich serviert. Die Kapitel lassen sich auch gut separat lesen. Für den ganz eiligen Leser gibt es nach jedem Kapitel ein Fazit, das die wichtigsten Gedankengänge, Beispiele und Lösungsansätze zusammenfasst.

Eva Kuhn; Reiner Klingholz, 2013: Vielfalt statt Gleichwertigkeit. Was Bevölkerungsrückgang für die Versorgung ländlicher Regionen bedeutet, Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung / Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) e. V. Potsdam, 76 Seiten. ISBN: 978-3-9814679-6-3

Kostenloser Download beim Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung


Gesellschaftliche Dorfentwicklung unterstützen

Unter dem Motto "Mitmacher gesucht" wendet sich die 60-seitige Broschüre an Initiatoren und Akteure dörflichen Gemeinwesens: Bürgermeister, Ortsvorsteher und Kommunalpolitiker, außerdem will sie interessierte Bürger ansprechen.
Einleitend skizzieren die Autoren die aktuelle Situation vieler ländlicher Orte, voraussichtliche demografische Veränderungen und gesellschaftliche Trends wie Individualisierung, zunehmende Mobilität und steigender Freizeitwert. Danach sensibilisieren sie für Fragen zur dörflichen Entwicklung: Was ist Dorf heute, was sein soziales Kapital? Wer sind Macher und Mitmacher? Und sie geben Denkanstöße für Dorfentwicklungswege, die durch methodische Schlagwörter und Hinweise zu weiterführenden Informationen ergänzt werden. Es folgen drei praxisbezogene Ansätze: soziale Netzwerke, kurzfristige Projekte sowie Engagementstrukturen. Nach einem Kurzprofil des jeweiligen Modells sowie einem Pro und Kontra dazu stellen die Autoren Best-Practice-Beispiele vor, geben Anregungen zur Umsetzung und benennen Erfolgsfaktoren. Zwölf Merksätze schließen die Broschüre ab. Viele Anregungen und Denkanstöße der Publikation lassen sich bundesweit übertragen.

Hugo Kern und Armin Kuphal: "Mich hat ja keiner gefragt … – Mitmacher gesucht", Agentur für den ländlichen Raum, Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz Saarland, Saarbrücken 2013, 60 Seiten.


Gefährdet die demografische Entwicklung unsere Demokratie?

Diese Frage stellen sich auch die drei Autoren Jens Kersten, Claudia Neu und Berthold Vogel. Mit dem Rückgang der Bevölkerung und den damit einhergehenden Herausforderungen, insbesondere für ländliche Räume wie etwa die Grund- oder Schulversorgung oder die Abwasserentsorgung, sind Demografie und Demokratie in ein Spannungsverhältnis geraten. "Der erschöpfte Wohlfahrtsstaat kann längst nicht mehr alle sozialen, ökonomischen und territorialen Disparitäten kompensieren, die durch den demografischen Wandel ausgelöst werden", stellen die Autoren in ihrer Einleitung fest. Statt also vergeblich oder auf Kosten einer weiteren Staatsverschuldung zu versuchen, den Ist-Zustand zu halten, gilt es offen zu diskutieren, wie der Umgang mit dem demografischen Wandel demokratisch gestaltet werden kann. Die Autoren skizzieren die vorhandenen Konflikte klar und deutlich und appellieren an die politischen Entscheidungsträger, sich ihrer Verantwortung für die Zukunft anzunehmen, statt weiter auf Altbewährtes zu setzen.

Jens Kersten, Claudia Neu und Berthold Vogel: "Demografie und Demokratie. Zur Politisierung des Wohlfahrtsstaates", Hamburger Edition, Hamburg 2012, 151 Seiten, ISBN 978-3-86854-253-0


Dorfbewohner organisieren ihre Nahversorgung

Dorfläden sind mehr als Verkaufsstellen für Lebensmittel und andere Waren des täglichen Bedarfs. Sie tragen als Treff- und Kommunikationspunkte zum Erhalt dörflicher Gemeinschaft und Lebensqualität bei. Dass das Fehlen eines solchen Bezugspunktes nicht tatenlos hingenommen werden muss, zeigt die Journalistin und Geografin Kristina Pezzei in ihrem Buch. Dazu hat sie verschiedene Dorfladen-Projekte in ganz Deutschland besucht und beschreibt mit geübtem Blick und Einfühlungsvermögen, was sie dort erlebt hat. Sie schildert dabei nicht nur Erfolgsbeispiele, sondern auch solche, wo noch spürbar Sand im Getriebe ist. Im Mittelpunkt ihrer Schilderungen stehen vor allem die Menschen: einzelne "Macher", Familien, ganze Dorfgemeinschaften, die ihrem Dorf mit Mut und Einsatzbereitschaft ein wichtiges Stück Lebensqualität zurückgeben wollen. Wer selbst mit der Gründung eines Dorfladens liebäugelt, wird hier wertvolle Anschauungsbeispiele finden. Auch für alle anderen interessierten Leser ist dieses Buch spannend und aufschlussreich zugleich.

Kristina Pezzei: Verkaufen können wir selber! Wie sich Landmenschen ihren Laden zurück ins Dorf holen, Metropolis-Verlag, Marburg 2013, 184 Seiten, ISBN: 978-3-895-18978-4


Lokale Engagementförderung - Kritik und Perspektiven

In Zeiten des demografischen Wandels gewinnt die Förderung bürgerschaftlichen Engagements zunehmend an Bedeutung. Seit Mitte der 90er-Jahre wurden und werden zu diesem Zweck zahlreiche Einrichtungen gegründet, die von Bürgerstiftungen bis zu Mehrgenerationenhäusern reichen. Das Forschungsprojekt "Ausbau, Umbau, Rückbau? Bestandsaufnahme, Evaluation und Weiterentwicklung der Infrastruktur lokaler Engagementpolitik" untersuchte die Vor- und Nachteile dieser Einrichtungsvielfalt in den Kommunen: Welche Einrichtungsformen und -typen sind noch zeitgemäß? Wie ergänzen sie sich und wo stehen sie in Konkurrenz zueinander? Die Autoren stellen Entstehung, Aufgaben sowie aktuelle Herausforderungen der verschiedenen Einrichtungen dar und erläutern anschließend deren Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Risiken. Als Ergebnis werden Thesen zur Zukunft der Engagement fördernden Einrichtungen zusammengefasst, die es auf Grundlage der Untersuchung von Einrichtungen in ausgewählten Modellkommunen zu überprüfen gilt.

André Christian Wolf und Annette Zimmer: Lokale Engagementförderung – Kritik und Perspektiven, Springer VS, Wiesbaden 2012, 182 Seiten, ISBN: 978-3-531-18585-9


Faszination Dorf - gestern und heute

Es gibt sie noch, die Faszination am Dorfleben. Das Dorf wird häufig als Rückzugsort für ein naturnahes, soziales Miteinander in einer schnelllebigen und globalisierten Welt gesehen. Das vorliegende Buch will die Dörfer aber nicht verklären. Vielmehr beschreibt und erklärt der Autor Gerhard Henkel, wie Dörfer und ihre Menschen den wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Veränderungen ihrer Zeit begegnen.

Um die Gegenwart verstehen zu können, skizziert er die gravierenden Umwälzungen des Dorflebens seit dem Mittelalter und stellt in einer historischen Betrachtung den Wandel des Dorfes von 1950 bis heute in den Mittelpunkt. Wie viele Facetten das Landleben hat, zeigen die Kapitel Wirtschaftsraum und Versorgung, Bevölkerung, Soziales, Kultur, Gestalt der Kulturlandschaft und Dorfpolitik.

Das reich bebilderte Buch beschreibt das heutige Dorf als einen dynamischen Lebensraum, in dem die ländliche Gemeinschaft vielfältiger geworden ist. Das Dorf des 21. Jahrhunderts ist zu einem demografischen Testfeld einer Post-Wachstumsgesellschaft geworden. Als Pioniere in der Gestaltung eines neuen sozioökonomischen Miteinanders können Dorfgemeinschaften für das ganze Land von Nutzen sein.

Gerhard Henkel, 2012: Das Dorf Landleben in Deutschland – Gestern und Heute. Konrad Theiss Verlag GmbH, Stuttgart, 344 Seiten, ISBN: 978-3-534-24465-2


Nachhaltige Gesellschaft - Welche Rolle für Partizipation und Kooperation?

Eine nachhaltige Entwicklung kann es ohne Bürgerbeteiligung und Kooperation nicht geben – so eine häufig geäußerte Grundannahme. Doch trifft das wirklich immer zu? Diese Frage untersuchen die Autoren der vorgestellten Publikation, Heinrichs, Kuhn und Newig. Nach den ersten zwei sehr theorielastigen Kapiteln zeigen die Autoren im dritten Kapitel, wie wichtig partizipative und kooperative Ansätze für verschiedene gesellschaftliche Handlungsfelder wie Politik oder (Neue) Medien sind. Die Autoren diskutieren sowohl die Einsatzmöglichkeiten als auch die Grenzen dieser Ansätze. Besonders spannend wird es dann im vierten Kapitel: Hier nehmen die Autoren die Möglichkeiten von Kooperation und Partizipation in ausgewählten Praxisfeldern wie Altlastsanierung / Abfallwirtschaft oder Klimawandel und Tourismus unter die Lupe. Sie beschreiben zum Beispiel anhand der Ergebnisse des Projektes "Die informierte Gesellschaft" (Interreg 3b-Projekt SAFECOAST), welche Formen der Risikokommunikation sich Bürger wünschen und wie sie verschiedene Beteiligungsmethoden bewerten. Die Publikation richtet sich vorwiegend an Politikwissenschaftler und Soziologen, das zeigt sich insbesondere an der Sprache. Jedoch sind die gewonnenen Erkenntnisse gerade im Hinblick auf die Möglichkeiten und Grenzen kooperativer und partizipativer Ansätze auch für Praktiker von Interesse.

Harald Heinrichs, Katina Kuhn, Jens Newig (Hrsg.), 2011: Nachhaltige Gesellschaft. Welche Rolle für Partizipation und Kooperation? VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden, 222 Seiten. ISBN: 978-3-531-17840-0


Zwischen Landflucht und Lebens(t)raum - Wege zu lebendigen Dörfern in Brandenburg

Schulen und Dorfläden schließen, Vereinen fehlt der Nachwuchs, Häuser im Dorf drohen zu verfallen – so wird die Situation von Dörfern in peripheren Räumen Ostdeutschlands häufig beschrieben. Im Gegensatz zu dieser pessimistischen Sichtweise zeigt die Autorin der Studie, wie Dörfer in Brandenburg der Abwärtsspirale entgegenwirken.

Im ersten Teil der Analyse schildert sie sehr anschaulich die heutige, historisch gewachsene Situation ehemals sozialistischer Dörfer, und das aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln: kulturhistorisch, politisch, ökonomisch, sozial und genderbezogen. Im zweiten Teil beschreibt sie Bemühungen zur Vernetzung innerhalb und zwischen Dorfgemeinschaften und zeigt, wie sich die Bewohner für den Erhalt der Lebensqualität einsetzen. Als Datengrundlage dienen Interviews mit über 400 Dorfbewohnern sowie zahlreiche Fallbeispiele.

Eine besondere Herausforderung der Dorfentwicklung liegt in der gesellschaftlichen Anerkennung kleinteiliger, dezentraler Ansätze und Lebensformen sowie in der interkommunalen Zusammenarbeit. Großes Potenzial zur Krisenbewältigung und zur Förderung der interkommunalen Zusammenarbeit birgt die stärkere Erschließung externer Ressourcen, wie zum Beispiel Beratung, so das Resümee der Autorin. Den Abschluss des Buches bildet eine Synopse aus Lebendigkeits-Indikatoren, die das methodische Handwerkszeug für die Dorfentwicklungsberatung bereichern.

Silke Stöber, 2010: Zwischen Landflucht und Lebens(t)raum – Wege zu lebendigen Dör-fer in Brandenburg. Margraf Publishers, Weikersheim, 281 Seiten. ISBN 978-3-8236-1606-1


Bürgerbeteiligung für Land und Gemeinden

Die meisten Entscheidungsträger wissen es längst: Eine lebendige Demokratie braucht Bürgerbeteiligung. Um die politisch Verantwortlichen und Verwaltungsmitarbeiter in diesem Prozess zu unterstützen, hat die Landesregierung des Bundeslandes Vorarlberg in Österreich einen praxisnahen Leitfaden entwickelt.

Das Handbuch beginnt mit Aussagen zu negativen Erfahrungen mit Bürgerbeteiligung, die durch positive Statements erfahrener Entscheidungsträger widerlegt werden. Hier wird schnell deutlich, was Partizipation bedeutet: Verantwortung und Kompetenz an die BürgerInnen abzugeben und ihrer Kompetenz natürlich auch zu vertrauen. Anschließend stellen die Autoren übersichtlich das WAS und WARUM der Partizipation dar und geben Orientierungshilfen zur Vorbereitung entsprechender Prozesse. Den Hauptteil aber macht das WIE aus: Methoden der Bürgerbeteiligung werden detailliert beschrieben und mit Beispielen aus der Praxis unterlegt; Argumente zum FÜR und WIDER runden das Gesamtbild ab. Am Ende gibt das Buch Hinweise zu weiteren Informationsquellen. Politisch Verantwortlichen wird es damit leicht gemacht, sich einen Überblick zu verschaffen und die richtige Methode für ihren Partizipationsprozess zu wählen.

Bei der Lektüre des Buches wird schnell deutlich, wie bedeutend Partizipationsprozesse für eine Gemeinde und Region sind und was sie auf kleiner und großer Ebene bewirken können.

Amt der Vorarlberger Landesregierung – Büro für Zukunftsfragen (Hrsg.), 2010: Handbuch Bürgerbeteiligung für Land und Gemeinden. Bregenz, 54 Seiten. Download als PDF unter www.vorarlberg.at/zukunft / Menüpunkt Bürgerbeteiligung.


Deutsche Eiche made in China

Abwanderung, Überalterung, Schließung von Schulen: Das sind nur einige Probleme, mit denen ländliche Räume zu kämpfen haben. Sie werden auch im Buch „Deutsche Eiche made in China“ thematisiert. Dennoch unterscheidet sich die Art der Analyse grundlegend von bisherigen Darstellungen. Auf der Basis von Gesprächen mit den Bewohnern seines saarländischen Heimatdorfes geht der Autor Klaus Brill der Frage nach, wie die Globalisierung in den verschiedenen Bereichen des dörflichen Lebens konkret sichtbar wird. Er zeigt deutlich, wie radikal die Globalisierung das Leben in ländlichen Räumen beeinflusst hat. Dabei sind die aus den technischen Neuerungen resultierenden weltweiten Verflechtungen in vielerlei Hinsicht eine willkommene Bereicherung des ländlichen Alltags. So erlauben es zum Beispiel die veränderten Reisemöglichkeiten auch Dorfbewohnern, Europa im Tagestrip zu erkunden. Gleichzeitig bestätigen die Gespräche, wie kritisch viele der eingetretenen Entwicklungen beurteilt werden müssen. Im Aufzeigen des Dualismus von Vor- und Nachteilen der Globalisierung liegt die Besonderheit dieses Buches.

Brill kann für den Umgang mit den bereits erfolgten oder anstehenden Veränderungen nur bedingt Lösungswege aufzeigen. Er macht jedoch deutlich, dass dem Wandel nur mit dorfspezifischen Strategien begegnet werden kann. Darüber hinaus ist es ihm hervorragend gelungen zu zeigen, wie die Dorfbewohner – bewusst oder unbewusst – ihren Beitrag zur weiteren Internationalisierung leisten.

Klaus Brill, 2009: Deutsche Eiche made in China. Die Globalisierung am Beispiel eines deutschen Dorfes. Karl Blessing Verlag, München, 352 Seiten. ISBN: 978-3-89667-374-9.


Professionelles Management von Ehrenamtlichen

Ohne ehrenamtliches Engagement wäre auch ländliche Entwicklung nicht denkbar. Dabei wird die Bedeutung eines modernen Ehrenamtsmanagements oft unterschätzt, was angesichts sinkender Mitgliederzahlen in vielen Organisationen und des Wandels im Ehrenamt (etwa bei Motiven, Dauer und Ansprüchen an das Ehrenamt) verwunderlich ist. Bernd Wallraf beschreibt in seinem Buch, basierend auf Erkenntnissen der Ehrenamtsforschung (Kapitel 1) sowie auf eigenen empirischen Erhebungen und praktischen Erfahrungen (Kapitel 2), die Zusammenhänge zwischen Engagementbereitschaft und Erfolg. Am Beispiel von Greenpeace untersucht er die Erfolgskriterien ehrenamtlicher Arbeit in Nichtregierungsorganisationen und gibt Empfehlungen für ein professionelleres Ehrenamtsmanagement (Kapitel 3).

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Ehrenamt zwar allen Beteiligten Vorteile bringt, für die Organisationen aber nicht zum Nulltarif zu haben ist. Dabei lohnen sich umfassende Qualifizierungs- und Weiterbildungsangebote für die Organisationen doppelt: Sie gewährleisten einerseits die notwendige Qualität der sich immer stärker spezialisierenden ehrenamtlichen Tätigkeiten. Andererseits fördern sie die Motivation der Ehrenamtlichen, sich regelmäßig und dauerhaft zu engagieren. Möglichst viel Raum für Mitgestaltung, aber auch emotionale Bindungen und flexibles Handeln von Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen werden als weitere Erfolgsfaktoren genannt.

Bernd Wallraff, 2010: Professionelles Management von Ehrenamtlichen – Eine empirische Studie am Beispiel von Greenpeace Deutschland. Budrich UniPress, Opladen & Farmington Hills MI, 234 Seiten. ISBN: 978-3-940755-40-7.


Das Alter als Herausforderung

Die Herausforderungen, aber auch die Chancen des demografischen Wandels beleuchtet das Buch "Was bedeutet der demografische Wandel für unsere Gesellschaft?". Dabei werden die Beiträge der verschiedenen Autoren in vier Themenfelder unterteilt: Sozialpolitische Aufgabe, Kontexte des Alterns, Aspekte der Gestaltung der Lebensphase Alter und Pflege als neue gesellschaftliche Aufgabe.

Mirko Sporket beispielsweise beschäftigt sich mit der "stärkeren und längeren Integration der Älteren in das Erwerbsleben" und diskutiert dabei, welche Hindernisse älteren Beschäftigten heute im Weg stehen. In seinem Fazit stellt er Ansätze für ein betriebliches Altersmanagement vor. Nicole Burzan zeigt, wie ältere Menschen ihren Alltag gestalten. Interessant ist hierbei der Zusammenhang zwischen ehrenamtlicher Arbeit und der Biografie und sozialen Lage der Menschen. Mit dem Thema "Altern der Gefühle" beschäftigt sich Friedrich Stallberg. Dabei geht er auf die Veränderungen der Gefühlserfahrungen, Gefühlslagen und -kulturen ein.

Der demografische Wandel mit seinen Konsequenzen zieht sich durch alle Lebens- und Arbeitsbereiche. Dieses Buch zeigt dabei neue wissenschaftliche Erkenntnisse und ermöglicht dem Leser so, die Veränderungen, aber vor allem die Auswirkungen auf das eigene (Arbeits-) Umfeld schnell zu erfassen.

Reichert, Monika; Gösken, Eva; Ehlers, Anja (Hrsg.) (2008): Was bedeutet der demografische Wandel für die Gesellschaft? Perspektiven für eine alternde Gesellschaft. Dortmund, Lit-Verlag, 213 Seiten. ISBN 978-3-82580-178-6


Web 2.0 im kommunalen Alltag

Unsere geschäftlichen, sozialen und gesellschaftlichen Aktivitäten sind ohne das World Wide Web nicht mehr denkbar. Diese Entwicklung greift auch in Politik und Verwaltung ein. Als Netz des Mitmachens beschleunigt die so genannte zweite Generation der Internet-Nutzung, das Web 2.0, diesen Prozess. Für Kommunen ist diese Entstehung einer neuen Öffentlichkeit und ihre Einbindung in die Arbeitsabläufe eine Chance. Die herkömmlichen Beteiligungsformen lassen sich kostengünstiger und effizienter gestalten; neue Handlungsfelder wie die Diskussion der Bürgerhaushalte über Online-Tools können entwickelt werden.

Die hier vorgestellte Publikation möchte Kommunen dazu anregen, Web-2.0-Angebote stärker in den Verwaltungshaushalt einzubinden. Im ersten Kapitel werden in mehreren Beiträgen Beispiele für das Web 2.0 als neue Form der politischen Kommunikation vorgestellt. Im zweiten Kapitel dreht sich dann alles um Chancen und Grenzen und die Frage, wie sichergestellt werden kann, dass jeder auf das Internet und die damit verbundenen Angebote zugreifen kann. Um Nutzungspotenziale für ausgewählte kommunale Handlungsfelder wie Haushaltsberatungen, Kulturmanagement oder Immobilienmanagement und deren Innovations- und Modernisierungspotenziale geht es in den Kapiteln drei und vier.

Kurze Einleitungen zu Beginn der Beiträge erleichtern das Lesen und geben auf die Schnelle einen Einblick in den Inhalt. Das Glossar am Ende hilft beim Verstehen des multimedialen Fachjargons.

Das Werk vermittelt einen kurzweiligen Überblick über die Möglichkeiten eines kommunalen Web 2.0 und hilft beim Einstieg in die Materie.

Franz-Reinhard Habbel, Andreas Huber (Hrsg.), 2008: Web. 2.0 für Kommunen und Kommunalpolitik. Neue Formen der Öffentlichkeit und der Zusammenarbeit von Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Bürger. Boizenburg, Verlag Werner Hülsbusch, 170 Seiten. ISBN 978-3-94031-736-0


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