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Wächterhöfe Dübener Heide

Bald neue Nachbarn? Foto: Kati Ehlert / Verein Dübener Heide e. V.

Die Ausgangssituation

Die Dübener Heide verzeichnet seit vielen Jahren immense Bevölkerungsverluste. Bis zum Jahr 2025 werden 30 Prozent weniger Menschen in der Region leben als 1990. Im Zuge dieser demografischen Entwicklung stieg das Durchschnittsalter der Bevölkerung bereits jetzt auf 48 Jahre. Junges Leben und kulturelle Vielfalt sind vielerorts verloren gegangen. An leer stehenden Höfen, Häusern und Gärten werden diese Entwicklungen sichtbar. Verfall, Vandalismus und Tristesse können die Folge sein und die Lebensqualität durch Bevölkerungsverluste mit sinkender Daseinsvorsorge und Infrastrukturverlusten vor Ort mindern.

Diesen Phänomenen entgegenzuwirken und Heimat (auf Zeit oder Lebenszeit) anzustiften, ist der Antrieb eines innovativen Modellversuchs in der Dübener Heide. Nach dem Vorbild der "Leipziger Wächterhäuser und AusBauHäuser" - ein erfolgreiches Zwischennutzungsmodell mit dem Prinzip Hauserhalt durch Nutzung, was in deutschen Großstädten sehr erfolgreich ist - versucht man, neue Nutzer für leer stehende Immobilien zu gewinnen und sie über eine Willkommenskultur in den Dörfern zu integrieren. Mit Unterstützung der Robert Bosch Stiftung untersucht das Projekt, ob und wie sich dieses Modell konkret in ländlichen Räumen umsetzen lässt.

Aktion

Die Grundidee der Wächterhöfe und AusBauHäuser ist einfach: Leer stehende Gärten, Datschen, Häuser und Höfe sowie Läden werden Interessenten zur individuellen Nutzung übergeben, um sich mit diesem FreiRaum ein Stück Heimat oder Existenz zu schaffen. Ein Kaufzwang besteht nicht, wohl aber die Verpflichtung, die Immobilie zu erhalten. Dieses aktive Leerstandsmanagement wird ergänzt um eine strategisch ausgerichtete Willkommenskultur in den Dörfern, um die Nutzer mithilfe von qualifizierten Dorflotsen, im Rahmen von Nachbarschaftshilfemodellen, Hoffesten etc. in die Dorfgemeinschaft zu vernetzen, zu involvieren und durch Teilhabe die Bleibebereitschaft zu erhöhen. Die vereinbarte Nutzungsdauer bei den Wächterhöfen liegt in der Regel zwischen fünf und zehn Jahren oder wird wie bei den AusBauHäusern langfristiger vereinbart. Angesprochen werden mit diesem Nutzungsangebot insbesondere junge Stadtbewohner, Familien im Nestbaualter aber auch Heimatrückkehrer, denen es an Freiräumen in der Stadt mangelt und die das Landleben auf Zeit erproben möchten. Ihnen werden die Immobilien zum Wohnen, Arbeiten, Erholen – kurzum zum Leben und Genießen angeboten. Entsprechend ihren Wünschen können sie die Gebäude als Wohnräume, Ateliers, Werkstätten  einrichten, die Gärten zur Erholung nutzen, Obst und Gemüse zur Selbstversorgung anbauen, imkern oder Tiere halten. Im Gegenzug erhalten sie die Bausubsubstanz, pflegen die Gärten und beleben mit ihrem kreativen Da-Sein und Engagement das Dorf. Die Projektleiter verbinden mit dem Projekt die Hoffnung, kurzfristig über den niederschwelligen Einstieg ins Landleben für mittel- und längerfristig mehr junge Menschen in die Dörfer zu locken und damit nicht nur den Verfall wertvoller Bausubstanz zu verhindern, sondern auch die Strukturen und Lebensqualität in den Heidedörfern durch regionale Wertschöpfung zu optimieren und das gute Stimmungsbild weiterhin zu erhalten. Die Hoffnung besteht, Leute zu finden, die perspektivisch dauerhaft ein neues Zuhause in der Dübener Heide finden.  

Ergebnis

Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass es eine Nachfrage in den urbanen Räumen gibt. Bislang konnten 29 Hofwächter-Interessenten gewonnen werden, häufig aus Leipzig oder Berlin. Es handelt sich vor allem um junge Familien, Künstler und Gemeinschaften (befreundete Familien, Vereine). Im Rahmen des Projekts wurde aber auch deutlich, dass nur wenige private Besitzer leer stehender Gebäude bereit waren, ihre Immobilien an Zwischennutzer abzugeben. Fehlende Sicherheiten bei Schäden, unzureichende Regelungen über Verantwortlichkeiten und die verbindliche Bereitstellung der Flächen oder Gebäude stellten sich als Hemmnisse heraus. Bislang konnten 15 geeignete Häuser, Gärten und Ladenlokale identifiziert und vermittelt werden.

Diese und andere Ergebnisse werden nun in einem Projektbericht dargestellt. In ihm werden auch Handlungsansätze gesammelt, die zu beachten sind, möchte man die Wächterhof-Idee in anderen ländlichen Regionen umsetzen. Ein abschließendes Fazit gibt es aber noch nicht, da das Projekt noch nicht abgeschlossen ist.

Bewertungsfragen

1. Inwieweit wurde ein Mangel durch die gemeinschaftliche Aktion beseitigt?

  • Durch das Projekt kommen Dorfbewohner zusammen. Vorbehalte können abgebaut werden, Annäherung unterschiedliche Personengruppen findet statt.
  • Es entsteht ein Erlebnispfad, auf dem Lehrveranstaltungen zu den Themen Ernährung, Gesundheit, Abfall, Kultur und Religion stattfinden.
  • Das Modellprojekt beschäftigt sich mit Möglichkeiten, Leerstand zu beseitigen und den Verfall von Bausubstanz zu vermeiden.
  • Das Modellprojekt untersucht einen konkreten Weg Orte zu beleben, junge Menschen zu gewinnen und die kulturelle Vielfalt zu erhöhen.

2. Inwieweit erhöht sich durch das Projekt die Lebensqualität vor Ort?

  • Wahrnehmbare Mehrwerte spiegeln sich in der Attraktivitätssteigerung, Aufwertung der Kommune für Zuzügler wider, in der Sicherung und Erhalt von (ortsbildprägender) Baukultur, im finanziellen Mehrgewinn: Mehr Einwohner, mehr Einnahmen für die Kommunen, mehr Daseinsvorsorge, steigende Lebensqualität, in soziokulturellen Wirkungen: Durch Zuzügler erhalten u.a. Vereine wieder mehr Zuwachs, das Dorfleben wird bunter, lebendiger, da sich die Zuzügler einbringen

3. Inwieweit fördert das Projekt die Gemeinschaft und vereinfacht die Teilhabe?

  • Durch das Projekt werden völlig neue Zielgruppen für ein Engagement im Dorf angesprochen und ggf. gewonnen, über Patenschaften zwischen Dörflern und Neubürgern, Lotsen als Schnittstelle zwischen Dorf und Neubürgern, Nachbarschaftshilfe, Hoffeste/Gemeinschaftsfeste

4. Inwieweit führt das Projekt zu einer nachhaltigen Lösung?

  • Die Ergebnisse des Modellprojektes und Handlungsempfehlungen werden in einem Projektbericht dargestellt und potenziellen Nachahmern zugänglich gemacht.
  • Projekt wird vom Naturpark Dübener Heide und vom Regionalmanagement in seine Arbeit integriert und fortgeführt.

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