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Dorfgemeinschaftshaus Neustädter Hof

Der Einsatz für den Neustädter Hof hat sich gelohnt; Foto: Hans-Carl Bokelmann, NWZ

Die Ausgangssituation

Im Frühjahr 2008 schloss der Gasthof Neustädter Hof in Neustadt/Ovelgönne aus wirtschaftlichen Gründen. Für die rund 500 Bewohner des Ortes war dies eine Katastrophe, denn der Gasthof mit seinem großen Saal, der Kegelbahn und dem gut sortierten Kiosk war der einzige Treff- und Versorgungspunkt weit und breit. In den folgenden Jahren stand der Gasthof leer. Die Neustädter konnten das Haus sporadisch für ihre Feierlichkeiten mieten. In die Erneuerung wurde jedoch nicht mehr investiert, und der Zustand des Hauses verschlechterte sich zusehends. Damit wollten sich die Aktiven des Bürgervereins Neustadt-Rönnelmoor e.V. nicht abfinden. Im September 2011 gründeten sie einen Arbeitskreis und suchten einen Weg, das Traditionshaus wiederzubeleben.

Aktion

Um Mitstreiter für eine Wiederbelebung des Gasthofes zu finden, wurde eine Informationsveranstaltung für die Dorfbewohner einberufen. Heute sagt Helmut Diers vom Bürgerverein darüber: "Ich habe den Menschen klar gemacht: Wenn ihr euch nicht drum kümmert, dann stellt irgendwann ein Bauer seinen Trecker in den Saal und das war’s dann." Viele Neustädter ließen sich begeistern. Im Anschluss an die Versammlung habe es eine Art Kettenreaktion gegeben, bei der sich die Bürger gegenseitig ermutigten mitzumachen. Die Gemeindeverwaltung unterstützte das Vorhaben dadurch, dass sie das Treuhandkonto verwaltete und Finanzanteile einbrachte. Für die Initiatoren war das Bestätigung und Aufforderung zugleich: Am 29. Mai 2012 gründeten sie die Genossenschaft "Neustädter Hof".

170 Personen kauften binnen kurzer Zeit 650 Genossenschaftsanteile à 100 Euro. Mit diesem Kapital erwarb die Genossenschaft das Gebäude. Es folgten Renovierungsarbeiten im Saal und den Toiletten. Die Fassade wurde erneuert, ebenso Fenster und Türen sowie Teile des Daches.

Möglich wurden die Sanierungsarbeiten durch viele Eigenleistungen von etwa 40 festen Helfern, die Unterstützung der Gemeinde Ovelgönne und eine kluge Mischfinanzierung. Genutzt wurden beispielsweise Gelder der Genossenschaft, des kommunalen Kofinanzierungsfonds "Wesermarsch in Bewegung", den alle Wesermarsch-Kommunen füllen, und Fördermittel des LEADER-Programms.
Bereits im Oktober 2013 eröffnete im Gebäude des Gasthofs ein kleiner Dorfladen. Der sogenannte "Lüttje Laden" führt ein Sortiment aus Getränken, Lebensmitteln und anderen Waren des täglichen Bedarfs. Zu seinem Service gehört auch die Lieferung der Einkäufe nach Hause. Am 27. September 2014 folgte die offizielle Eröffnung des Dorfgemeinschaftshauses im Rahmen eines Tages der offenen Tür.

Ergebnis

Seitdem öffnet die Bürgerstube im Neustädter Hof wieder für die Einheimischen und Radtouristen der Region. Das Veranstaltungsangebot im Saal reicht vom Spiele- und Theaterabend bis zum Dorfgemeinschaftsball. Vor allem am Wochenende wird das Haus auch für private Anlässe gebucht. Die Kegelbahn nutzen verschiedene Vereine. Die Genossenschaft hat mittlerweile mehr als 300 Mitglieder und finanziert sich im Wesentlichen aus den Mieteinnahmen.

Der Erfolg hat viele Ursachen, beispielsweise das große Engagement Einzelner oder die finanziellen Förderungen aus dem LEADER-Programm und dem kommunalen Kofinanzierungstopf, der für private Antragsteller den Zugang zu den EU-Fördermitteln ermöglicht. Den wichtigsten Erfolgsfaktor beschreibt der Vorstandsvorsitzende Holger Meyer aber so: "Bei uns ist die Dorfgemeinschaft intakt. Der Bedarf und die Auslastung der Gaststätte sind da" – wäre dem nicht so, wäre es schwerer, einen solchen Betrieb wiederzubeleben.

Überregionale Aufmerksamkeit in der Regionalentwicklung bekam das Projekt u.a. in einem Forschungsprojekt der Uni Hannover zum Thema "Umnutzung" sowie bei der Deutschen Gesellschaft für Geographie, die sich anlässlich ihrer Jahrestagung 2014 mit der Fragestellung befasste, wie die Wesermarsch als klassischer Peripherraum mit ihren Entwicklungsproblemen umgeht.

Bewertungsfragen

1. Inwieweit wurde ein Mangel durch die gemeinschaftliche Aktion beseitigt?

  • Verlusterfahrung nach Schließung des Gasthofes.
    Leerstand und Verfall eines ortsbildprägenden Gebäudes abgewendet

2. Inwieweit erhöht sich durch das Projekt die Lebensqualität vor Ort?

  • Gasthaus als Kristallisationspunkt des Soziallebens
  • Sicherstellung der wohnortnahen Grundversorgung

3. Inwieweit fördert das Projekt die Gemeinschaft und vereinfacht die Teilhabe?

  • Versorgungsangebot im Ort
  • Treffpunkt für Einheimische und Gäste

4. Inwieweit führt das Projekt zu einer nachhaltigen Lösung?

  • Engagement
  • Hilfe zur Selbsthilfe (Genossenschaftsgedanke)
  • Finanzierungsmischung (speziell kommunale Kofinanzierung für LEADER-Projekte privater Antragsteller)

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