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Lebendiger Kirschberg

Akteure aus dem Projekt "Lebendiger Kirschberg"; Foto: Corinna Woitag

Die Ausgangssituation

Im Tal der Wieseck, unweit von Gießen, liegt Lindenstruth. In diesem hessischen Dorf leben etwa 1.000 Einwohner. Seit 1972 zählen auch die etwa 80 Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen dazu, die im Betreuungszentrum Martinsheim leben. Seit Kurzem betreibt der Landkreis zudem eine Flüchtlingsunterkunft im Dorf. Um die Hemmschwellen zwischen den psychisch Kranken, den Asylbewerbern und den ortsansässigen Menschen abzubauen, entwickelten die örtlichen Vereine und Betreuungseinrichtungen das Projekt "Lebendiger Kirschberg". Gemeinsam sollten die verschiedenen Bewohner des Dorfes arbeiten, lernen und feiern. Der Weg ist dabei im doppelten Sinne das Ziel. Denn zum einen wollte man Menschen durch die gemeinsame Arbeit zusammenbringen. Zum anderen sollte ein Weg gebaut werden.

Aktion

An der Konzeption des "Lebendigen Kirschbergs" beteiligten sich der Obst- und Gartenbauverein Lindenstruth e.V. (OGV), Klienten des Martinsheims J. & R. Kraft (Psychiatrische Einrichtung), Kinder der Kita Sternschnuppe und Asylsuchende aus dem vom Landkreis betreuten Heim in Lindenstruth.
Das Konzept sah vor, einen etwa ein Kilometer langen Erlebnispfad anzulegen, gut erreichbar vom Kindergarten und den Betreuungsangeboten. In den Wäldern und Streuobstwiesen am westlichen Ortsrand sollte sich der Weg auf eine Länge von etwa einem Kilometer erstrecken. Verschiedene Begegnungs- und Bildungsangebote sollten den Weg säumen, darunter ein Brotbackofen, ein Fühlpfad, ein Insektenhotel, eine Jahreszeitenrutsche, eine Wald-Relax-Lounge, ein Bienenstand und ein Barfußpfad. Auch Gemeinschaftsbeete und eine Streuobstwiese wurden in die Planungen eingebunden.

Seit Januar 2016 wird das Konzept nach und nach umgesetzt: Jeden Mittwoch kommen Klienten des Martinsheims, Kitakinder und Bewohner der Flüchtlingsunterkünfte zusammen, um am Erlebnispfad zu bauen. Jeder trägt auf seine Weise zum Baufortschritt bei: Gemeinsam werden Wege angelegt und die Beete abgesteckt. Hinweisschilder und Sitzgelegenheiten entstehen in der Holzwerkstatt des Martinsheims. Die Wegweiser werden gemeinsam gestaltet und so tragen sie oft deutsche und arabische Schriftzeichen. Neben dem investiven Teil sind die Aktionen, Arbeitsfeste und Lehrgänge ein zentraler Punkt des Projektes. Themen sind beispielsweise Ernährung, Gesundheit, Abfall, Kultur und Religion. Doch es geht auch immer um die Begegnung, den Austausch und das Kennenlernen des "Fremden". Viele Teile des Erlebnispfades sind bereits fertiggestellt und bis ins Jahr 2017 werden sie vervollständigt.

Ergebnis

Das Besondere ist, dass es ein echtes Gemeinschaftsprojekt ist, bei dem psychisch Kranke und Asylbewerber durch intensiven Kontakt mit ortsansässigen Menschen jeden Alters miteinander in Kontakt kommen, wodurch Hemmschwellen abgebaut werden. Die Kinder entwickeln eine andere Wahrnehmung für benachteiligte Gruppen und andere Werte für die Natur und ihre Mitmenschen. Die Bewohner des Martinsheims übernehmen Verantwortung durch die langfristige Pflege der Holzobjekte durch die Holzwerkstatt. Nach eigenen Aussagen erhalten die Klienten mit dem Projekt eine sinnstiftende Aufgabe.

Bewertungsfragen

1. Inwieweit wurde ein Mangel durch die gemeinschaftliche Aktion beseitigt?

  • Durch das Projekt kommen Dorfbewohner zusammen. Vorbehalte können abgebaut werden, Annäherung unterschiedliche Personengruppen findet statt.
  • Es entsteht ein Erlebnispfad, auf dem Lehrveranstaltungen zu den Themen Ernährung, Gesundheit, Abfall, Kultur und Religion stattfinden.

2. Inwieweit erhöht sich durch das Projekt die Lebensqualität vor Ort?

  • Neues Angebot im Ort
  • Mehr Selbstbewusstsein durch sichtbare Erfolge, die Akteure haben eine sinnvolle Aufgabe
  • Mehr Kommunikation zwischen unterschiedlichen Personengruppen

3. Inwieweit fördert das Projekt die Gemeinschaft und vereinfacht die Teilhabe?

  • Kommunikation, Minderung von Hemmschwellen
  • Schaffung von gegenseitigem Verständnis, Wertschätzung und Akzeptanz
  • Über die aktiven Personengruppen hinaus findet eine Einbindung der ganzen Dorfgemeinschaft statt.

4. Inwieweit führt das Projekt zu einer nachhaltigen Lösung?

  • Reaktivierung des alten, aber vernachlässigten Dorftreffpunkts
  • Verbindung von Lehr- und aktiven Inhalten mit Naturerlebnis und Erholung
  • Veranstaltungsort für Lehrveranstaltungen und Dorffeste
  • Integration unterschiedlichster Bevölkerungsgruppen durch Aktivität und gemeinsames Erleben
  • Die Voraussetzungen zur "Nachahmung" sind wahrscheinlich in jedem Ort im ländlichen Raum zu finden – eine Lokation mit hohem Identifikationsgrad für die Bevölkerung und aktive Einbeziehung verschiedener Bevölkerungsgruppen mit bewusst integrativer Zielsetzung.

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