Zum Inhalt

Hauptnavigation

Ein Webangebot der:

Europäischer Landwirtschaftsfonds
für die Entwicklung des
ländlichen Raums:
Hier investiert Europa in die
ländlichen Gebiete.

 

Inhalt

Geflüchtete in Grünen Berufen

Zwei Männer streichen Baumstamm mit Schutzfarbe

Geflüchtete arbeiten in der Biotoppflege und erwerben neben fachlichen Kenntnissen auch sprachliche Fertigkeiten. Bild: © Pierrick Jacob, Stiftung für Mensch und Umwelt

Stand:

21.08.2017

  • Kontakt:

Stiftung für Mensch und Umwelt
Projekt "Geflüchtete in Grünen Berufen"
Herr Cornelis F. Hemmer (Leitung)
Hermannstraße 29
14163 Berlin
Tel.: 030 / 394064-314
hemmer@stiftung-mensch-umwelt.de

Allianz Umweltstiftung
Herr Dr. Lutz Spandau (Leitung und Finanzierung)
Pariser Platz 6
10117 Berlin
Tel.: 030 / 20671595-50
lutz.spandau@allianz.com

Weitere Partner:

Naturschutzstation Berlin-Malchow
Frau Beate Kitzmann
Dorfstraße 35
13051 Berlin-Lichtenberg
Tel.: 030 / 92799830
info@naturschutz-malchow.de

Stadt Ludwigsburg, Amt für Tiefbau und Grünflächen
Obere Marktstraße 1
Herr Volker Henning
71634 Ludwigsburg
Tel.: 07141 / 910-2626
v.henning@ludwigsburg.de

Stiftung WaldWelten Eberswalde
Frau Karin Siegmund
c/o Forstbotanischer Garten der Hochschule für nachh. Entwicklung Eberswalde (FH)
Am Zainhammer 5
16225 Eberswalde
Tel.: 03334 / 657-476
karin.siegmund@hnee.de

ELER-Förderung:

nein

Finanzierung:

Das Vorhaben wurde von der Allianz Umweltstiftung finanziert. Für die Durchführung wurde die Stiftung für Mensch und Umwelt (Berlin) fachlich betraut.

Laufzeit:

01.03.2016 bis 28.02.2017

Themen:

  • Gesellschaft und Soziales
    • Integration
  • Naturschutz
    • Biotopschutz

Beschreibung

Zusammenfassung:

Bei der Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt ergeben sich immer wieder ähnliche Herausforderungen. Neben formalen Aspekten, wie Aufenthaltsstatus oder rechtlichen Auflagen, finden sich für Geflüchtete nicht immer passende, freie Stellen. Oft bestehen aber auch Sprachprobleme. Hier setzte das Projekt an:

Geflüchtete wurden auf freiwilliger Basis bei gärtnerischen sowie landschaftspflegerischen Arbeiten eingesetzt. Sie erhielten in ergänzenden Schulungen Hintergrundinformationen zu den jeweiligen Tätigkeiten. Ferner erhielten Sie Deutschunterricht. Die Geflüchteten hatten so die Möglichkeit, ihre individuellen Fähigkeiten einzubringen und auszubauen oder auch neue Qualifikationen zu erwerben. Im Vordergrund stand dabei die Arbeit in der Gemeinschaft, ohne jedoch die Stärken des Einzelnen außer Acht zu lassen. Ziel war es, im Anschluss an die Arbeitsgelegenheiten weiterführende, berufsbezogene Praktika oder berufliche Tätigkeiten in "grünen" Unternehmen zu ermöglichen.

Ausgangssituation:

Die Stiftung für Mensch und Umwelt und die Allianz Umweltstiftung haben früh aktiv das Thema "Integration von Geflüchteten" aufgegriffen. In Zusammenarbeit mit drei verschiedenen Vorort-Partnern gelang erstmals, eine länger währende Beschäftigung von Geflüchteten in Grünen Berufen durchzuführen.

Das Projekt wollte aufzeigen, welchen Beitrag der Bereich Naturschutz zur Integration leisten kann. Geflüchtete wurden in der Grünflächen- und Biotoppflege tätig und erwarben dabei neben fachlichen Kenntnissen auch sprachliche Fertigkeiten. Damit sollte ihnen anschließend der Weg in normale Arbeits- und Ausbildungsverhältnisse erleichtert werden.

All jene Flüchtlinge dürfen uneingeschränkt als Beschäftigte arbeiten, die als Asylbewerber anerkannt sind und vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) einen positiven Bescheid erhalten haben. Das sind im überwiegenden Fall Geflüchtete aus Kriegsgebieten.

Mehr als die Hälfte aller Geflüchteten kommt aus sogenannten sicheren Herkunftsländern. Sie müssen häufig lange auf ihre Anerkennung warten. Für sie bietet eine Arbeitsgelegenheit eine gute Chance, sich beruflich zu orientieren und einer Beschäftigung nachzugehen.

Inhalt:

Die praktischen Arbeiten für die Geflüchteten im Rahmen von Arbeitsgelegenheiten orientieren sich an den jeweils vor Ort anfallenden Tätigkeiten. Wichtig war die Rücksichtnahme auf die jeweils unterschiedlich vorhandenen, beruflichen Erfahrungen und den individuellen praktischen Fähigkeiten. Am Ende ihrer Tätigkeit erhielten die Geflüchteten eine Teilnahmebescheinigung mit Auflistung der erworbenen Qualifikationen und der durchgeführten Praxiseinheiten. Auch ihre Deutschkenntnisse wurden bescheinigt.

Naturhof Malchow in Berlin-Lichtenberg

Der Verein Naturschutz Berlin-Malchow e.V. betreibt im östlichen Berliner Bezirk Lichtenberg den Naturhof Malchow. Auf dem Gelände eines ehemaligen Bauernhofes finden sich ein Hofladen, Büros sowie Seminar- und Ausstellungsräume. Ein naturnahes Außengelände mit Erlebnisgarten, Streuobstwiese und zahlreichen Biotopen gehört ebenso zum Naturhof, wie ein landwirtschaftlicher Betrieb mit Viehhaltung.

Insgesamt sind in Malchow 1,4 Quadratkilometer Freiflächen zu betreuen und entsprechend vielfältig sind die Arbeiten, die von den Geflüchteten übernommen werden können. Je nach Jahreszeit erfolgt die Pflege von Hecken, Obstwiesen, Kopfweiden, Wiesen, Schilf- und Wasserflächen. Die Betreuung der Geflüchteten wurde von zwei erfahrenen Mitarbeitern der Naturstation Malchow übernommen.

Die insgesamt bis zu acht Geflüchteten wurden im Rahmen des Projektes in gärtnerischen und landschaftspflegerischen Tätigkeiten eingesetzt. Darüber hinaus erhielten sie begleitend wöchentlich einmal Deutschunterricht. Der Umfang der Tätigkeit betrug 80 Stunden pro Monat. So arbeiteten die Geflüchteten montags bis donnerstags von 8:00 bis 12:00 Uhr. Am Freitag erhielten sie Deutschunterricht.

Ein Anreiz für das freiwillige Erscheinen war, so berichteten die Geflüchteten, das erhaltene Entgelt. Pro Stunde erhielten sie 1,05 Euro (April bis Juli 2016) bzw. ab August 2016 nur noch 0,80 Euro.

Technische Dienste Ludwigsburg

Der Einsatz der Geflüchteten fand im Fachbereich Technische Dienste Ludwigsburg statt. Dort wurden die Geflüchteten überwiegend im Bereich städtische Grünpflege eingesetzt. Die Arbeit erfolgte in den städtischen Park- und Grünanlagen, auf Friedhöfen, in Kindergärten und Spielplätzen sowie einem Gewässerbiotop. Neben der Grünflächenpflege wurden Gehölzschnitte getätigt, Rabatten neu gepflanzt, Einsaaten durchgeführt und typische Arbeiten eines städtischen Bauhofes an Gebäuden und Gerätschaften erlernt. Die Betreuung erfolgte durch die Vorarbeiter der jeweiligen Arbeitsgruppen.

Insgesamt kamen 6 Geflüchtete zum Einsatz, die von montags bis freitags von 6:30 bis 12:30 Uhr, max. 100 Stunden pro Monat, arbeiteten. Sie erhielten ein Entgelt von 0,80 Euro pro Stunde.

Die Betreuung wurde von verschiedenen Anleitern übernommen: So arbeitete jeder Geflüchtete überwiegend alleine in einer Kolonne. Das Betreuungsverhältnis war bewusst hoch. Der Deutschkurs fand parallel zu Arbeitseinsätzen gemeinschaftlich statt.

Stiftung Wald Welten Eberswalde

In Eberswalde war die Stiftung WaldWelten federführend und selbständig tätig. Sie startete ihr Projekt schon im Oktober 2015 als einer der ersten Einrichtungen überhaupt, die Geflüchtete beschäftigte. Der Arbeitsschwerpunkt lag im Bereich der Wald- und Biotoppflege. Die Geflüchteten sammelten Erfahrungen bei Gehölzpflanzungen und Pflege, Freischneiden mit Motorsense, Zaunbau und Pflanzenkunde sowie in der Tischlerei und Holzverarbeitung.

Das Projekt wurde  durch eine Steuerungsgruppe in enger Zusammenarbeit mit der Allianz Umweltstiftung (Finanzierung), dem Jobcenter Barnim, dem Landkreis Barnim sowie Unternehmensverbänden weiterentwickelt. Die Stiftung für Mensch und Umwelt hat im Rahmen der Erstellung der Ergebnis auch die aus Eberswalde aufgegriffen.

Insgesamt wurden 8 Geflüchtete mit 2 Deutschen über den Zeitraum von 12 Monaten gemeinschaftlich angeleitet und fachlich geschult. Die Geflüchteten erhielten immer montags Deutschunterricht. Am Ende erhielten alle eine Teilnahmebescheinigung.

Ziele:

Das Projekt will einen Beitrag zur Förderung der Integration von Geflüchteten in den Bereichen Biotop- und Grünpflege und der deutschen Sprache leisten. Mit den Arbeitsgelegenheiten (AGH) wurde ein Rahmen geschaffen. Ziel war es, bei Geflüchteten ein Interesse für die "Grünen Berufe" zu wecken. Sie sollten so die Möglichkeit erhalten, ihre individuellen Fähigkeiten einzubringen, Neues zu erlernen und sich so ein mögliches Berufsfeld zu erschließen.

Ziel des Projekts war es auch, den Menschen den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern und sich über die organisatorischen, logistischen, fachlichen und auch emotionalen Voraussetzungen klar zu werden, die zum Gelingen solcher Initiativen nötig sind.

Im Vordergrund standen dabei die Arbeit in der Gemeinschaft und die Vermittlung des Werteverständnisses in Bezug auf die Umwelt in Deutschland (Schönheit der Natur, Maßnahmen zur Biotoperhaltung und Wert von biologischer Vielfalt).

Besonderheiten:

An allen drei Standorten gab es spezifische Herausforderungen, die die Projektstruktur, die Einsatzstelle, ihre Mitarbeiter und die Geflüchteten betrafen. Beispielhaft sind hier einige Herausforderungen genannt:

  • Schaffung geeigneter Strukturen in den Einsatzstellen und Einbindung qualifizierte und flexibler Mitarbeiter
  • Gewinnung und Auswahl geeigneter Geflüchteter
  • Sprachliche Verständigung mit und unter den Geflüchteten
  • Umgang mit Kriegs- und Fluchttraumata bei den Geflüchteten
  • Umgang mit ethnischen, kulturellen und religiösen Gepflogenheiten
  • Einhaltung der Arbeitsvorgaben einschließlich der Durchsetzung von Sanktionen gegenüber den Geflüchteten
  • Umgang mit den Fehlzeiten aufgrund zahlreicher Behördengänge und muslimischer Feiertage
  • Schwierige Vermittlung der Geflüchtete auch nach der Beschäftigung aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse

Aus den Herausforderungen haben wir Empfehlungen abgeleitet. Sie sind in tabellarischer Form erstellt worden und lassen sich als eine Checkliste nutzen (siehe Broschüre Geflüchtete in Grünen Berufen: Stärken. Lernen. Integrieren. Ein Wegweiser für Gemeinden, Kommunen und gemeinnützige Organisationen). Insgesamt existieren Checklisten zu vier Bereichen. Checklisten mit Empfehlungen

  • zur Konzeption, Organisation und Absprach innerhalb des Organisationsteam,
  • in Bezug auf die unmittelbar Vorbereitung einzelner Teilabschnitte,
  • zur konkreten Projekt-Durchführung,
  • zur Projekt-Nachbereitung.

Als Fazit empfehlen wir Folgendes:

  • eine Willkommenskultur leben und Begegnungen auf Augenhöhe schaffen
  • eine arbeitsbegleitende, intensive Sprachförderung in Kleingruppen auf unterschiedlichen Sprachniveaus leisten
  • Beschäftigung und Mitarbeit so einrichten, dass neben der Ausübung der Arbeit auch ein kulturelles Kennenlernen möglich ist,
  • gelegentlich einen Perspektivwechsel von Seiten der Betreuen einnehmen,
  • interkulturelle Kompetenzen bei allen Projektbeteiligten fördern (zum Beispiel durch die Teilnahme an sozialen Veranstaltungen neben der Arbeit oder Aktivitäten in gemeinnützigen Vereinen),
  • eine Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt (Ausbildung) oder befristete Beschäftigung (Praktikum) aktiv fördern,
  • einen Beschäftigungsnachweis oder gegebenenfalls ein Zeugnis erstellen.

Perspektiven:

Die im Projektverlauf gesammelten Erfahrungen wurden immer wieder zusammengetragen und zum Projektende ausgewertet. Ein Ratgeber in Form einer Informationsschrift bietet seit Juli 2017 den Gemeinden, Kommunen und Institutionen die Möglichkeit, die Herausforderungen besser zu meistern, Checklisten zu nutzen und Tipps aufzugreifen.

Hauptnavigation

Service-Navigation

###ETRACKER###