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  • Frank Bartelt
    Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)
    ELER-Programmplanung / Leader / nationales Netzwerk
    Tel.: 0228 / 529-3641
    E-Mail: Frank.Bartelt@bmel.bund.de
    www.bmel.de

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Ein Webangebot der:

Europäischer Landwirtschaftsfonds
für die Entwicklung des
ländlichen Raums:
Hier investiert Europa in die
ländlichen Gebiete.

 

Inhalt

Ein methodischer Ansatz, der die Menschen in den ländlichen Regionen dazu ermuntert, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen.

Frank Bartelt, BMEL; Bild: DVS

Interview mit Frank Bartelt, Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft in Bonn

Herr Bartelt, was ist für Sie das Besondere an Leader gegenüber anderen Fördertöpfen?

Deutschland hat etablierte dezentrale Entscheidungsstrukturen und durch Kommunalverfassungen garantierte Beteiligungsverfahren: also alle Voraussetzungen, damit Kommunalverwaltungen Förderentscheidungen treffen, die den lokalen Verhältnissen angemessen sind. Allerdings bewirken diese standardisierten Verfahren auch eine Standardisierung der Förderung.

Das Besondere an Leader ist die von der üblichen "Mainstreamförderung" abweichende Entscheidungsbefugnis lokaler Aktionsgruppen. Das ermöglicht individuell abgestimmte und hoch effiziente Lösungen. Allerdings: Wo viel Licht ist, da gibt es auch Schatten. Insbesondere dann, wenn Leader als Fortsetzung der Kirchturmpolitik mit anderen Mitteln missverstanden wird.

Was bewirkt Leader darüber hinaus?

Leader animiert durch die unterschiedliche "Herkunft" der Beteiligten zur ganzheitlichen Auseinandersetzung mit Problemen. Und da Leader ein regionales Entwicklungskonzept erfordert, entsteht eine nachhaltige und multidimensionale Planungsstruktur. Diese kann dann auch unabhängig von Leader genutzt werden.

Zudem kann Leader mit dem Gemeinsinn ein Potenzial wecken, das gerade bei den Menschen im ländlichen Raum überdurchschnittlich vorhanden ist: Man schaut hier nicht nur den amtlichen Würdenträgern und Verwaltungen bei ihren Bemühungen zu, sondern packt selber mit an.

Was wäre ohne Leader in Deutschland nicht geschehen?

Finanzielle Restriktionen zwingen die öffentliche Hand, ihre Förderaufgaben zunehmend auf ein Mindestmaß zu beschränken, gerade im ländlichen Raum. Leader hat hier ergänzende Möglichkeiten geboten, durch die im Idealfall mit geringen öffentlichen Mitteln – aber viel Engagement – ein großer Mehrwert geschaffen wurde.

Was unterscheidet Leader in Deutschland von Leader in anderen Mitgliedsstaaten?

Die EU hat 27 Mitgliedsstaaten mit völlig verschiedenartiger politischer, administrativer und ökonomischer Ausrichtung in ländlichen Räumen. Zudem gibt es große Unterschiede beim Entwicklungsstand der bürgerlichen Zivilgesellschaft: In vielen Mitgliedsstaaten ist Leader einer der Anschubfaktoren, damit sich diese in den beinahe noch feudal geprägten ländlichen Räumen überhaupt entwickelt. In Deutschland trifft der Ansatz auf eine ausgebildete Zivilgesellschaft, die vielfältig Einfluss auf die ländliche Entwicklung nehmen kann. Hier geht es vor allem darum, Leader synergieschaffend in den Gesamtkomplex einzubringen. Leader ist nicht die Patentlösung für alle anstehenden Probleme in ländlichen Räumen, aber eine der wichtigen Lösungsmöglichkeiten.

Was wünschen Sie sich für die neue Förderperiode?

Mit dem "Community-led local development" will die Kommission Leader auch für die Strukturfonds öffnen. Die Kür wäre ein fondsübergreifendes Regionales Entwicklungskonzept. Vor der Kür kommt aber die Pflicht. Ein erster Schritt wäre, die Mittel der anderen Fonds zu regionalisieren. Für LAGn wäre es einfacher, bei einem regionalen Fondsverwalter – anstatt auf zentraler Ebene – um Mittel für bestimmte Projekte zu werben.

In der ELER-Förderung sollte mit der Anerkennung eines Regionalen Entwickungskonzepts gleich von Beginn an die dazugehörige nationale Kofinanzierung im finanziellen Verfügungsrahmen eingestellt sein, damit sie nicht bei jedem Projekt erneut zusammengebettelt werden muss. Insbesondere für die Finanzierung des Regionalmanagements.

Außerdem sollte verstärkt privates Kapital für die Umsetzung guter Ideen eingeworben werden. Die rechtlichen Möglichkeiten dazu werden noch zu wenig in Anspruch genommen.

Das Gespräch führte Anja Rath.

Frank Bartelt ist Diplom-Verwaltungswirt und seit 1990 im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz tätig. Seit 20 Jahren beschäftigt er sich mit der Förderung ländlicher Räume in Deutschland, in den letzten sechs Jahren verstärkt mit dem Leader-Ansatz. Hier wirkt er koordinierend zwischen den Bundesländern und vertritt Deutschland in Gremien auf europäischer Ebene.


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