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Nachgefragt: Ein Interview mit Bürgermeister Heino Pauka aus Niedersachsen

Guten Tag Herr Pauka, Sie sind Bürgermeister der Gemeinde Dötlingen im Landkreis Oldenburg. Sie stellten im Rahmen der Internationalen Grünen Woche auf der Abschlussveranstaltung des Zukunftsforum des BMELV innovative Ideen und Erfolge aus Ihrer Gemeinde vor. Eines der von Ihnen angesprochenen Themen war die Breitbandversorgung, die Sie als "Chefsache" bezeichnen.

Wie schätzen Sie die Rolle von Gemeinden und besonders die Handlungsmöglichkeiten von Bürgermeistern und Ortsvorstehern dahingehend ein?


Heino Pauka: Ohne das schnelle Internet läuft gar nichts. Für mich gehört DSL zur Grundversorgung wie Wasser, Strom, Gas und Telefon. Die Gemeinde müssen sich aber schon selber kümmern, denn der ländliche Raum ist für Provider per se unattraktiv. Nur wenige Unternehmen nehmen hier ihre Verantwortung wahr. Die Chancen steigen, wenn sich Hauptverwaltungsbeamte persönlich engagieren.


Wie so oft beim Thema Breitband haben auch in Dötlingen Bürgeranfragen an die Gemeinde den Stein ins Rollen gebracht. Wie sollten kommunale Vertreter mit solchen Anfragen umgehen?

H.P.: Für uns waren diese Anfragen Grund, immer wieder bei den Providern nachzuhaken und auf Missstände hinzuweisen. Auf diese Weise sind wir dort im Gespräch geblieben. Steter Tropfen höhlt bekanntlich den Stein.


Wie sieht die Lösung für eine bessere Breitbandversorgung in Ihrer Gemeinde aus und welche Vorteile bietet diese Ihrer Meinung nach?

H.P.: Im Rahmen des Konjunkturpaketes II hatte sich einzig ein regional tätiges Telekommunikationsunternehmen für den landkreisweiten Aufbau eines Glasfasernetzes beworben. Die Standorte von Kabelverzweigern im bestehenden Telefonfestnetz werden dabei mit Glasfaserleitungen verbunden und die Datenwege auf diese Weise verkürzt. In der Gemeinde Dötlingen erhalten dadurch 980 Haushalte deutlich schnellere Internetanschlüsse. Datenübertragungsraten bis zu 50 Mbit/s werden erwartet. Damit kann ein Kinofilm in DVD-Qualität in 13 Minuten heruntergeladen werden. Bei herkömmlichen Anschlüssen von 1 Mbit/s dauert das sonst fast 11 Stunden. Wenn das kein Vorteil ist…

 

Herr Pauka, in Ihrem Fall hat auch das "Breitband Kompetenz Zentrum Niedersachsen" Unterstützungsarbeit geleistet. Wie sind Ihre Erfahrungen in diesem Punkt?

H.P.: Absolut positiv. Die Mitarbeiter des Breitband Kompetenz Zentrums haben uns zu jeder Zeit hervorragend unterstützt. Unsere landkreisweite Erhebung der Internetversorgung wurde von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises Oldenburg initiiert und in enger Zusammenarbeit mit dem Breitband Kompetenz Zentrum erfolgreich umgesetzt. Das war letztlich Grundlage für die Gewährung erheblicher Fördermittel für den Breitbandausbau im Rahmen des Konjunkturpaketes II.

 

Wie ist der aktuelle Stand des Ausbaus und wie lautet der weitere Zeitplan?


H.P.: Der regionale Netzbetreiber, der die Förderung erhält, hat mit den Ausbaumaßnahmen im November letzten Jahres begonnen. Bis zum Sommer werden alle Leitungen verlegt sein. Dann bleiben nur noch Lückenschlüsse und einige unwirtschaftliche Langstreckenverbindungen. Für diese Bereiche hoffen wir auf LTE – die neuartige Funkverbindung. Hier sind nach meinen Informationen ebenfalls Ausbaumaßnahmen geplant.


Ganz sicher ist Breitband nicht alleine dafür verantwortlich, ob die Bewohner ländlicher Räume dort bleiben oder wieder aufs Land zurückkehren.  Worauf kommt es aus Ihrer Sicht an, wenn man beispielsweise die Lage eines Ortes wie Dötlingen betrachtet und wie fügt sich Breitband in dieses Gesamtbild ein?

H.P.: Es sind sicher viele Faktoren, die Menschen dazu bewegen, sich an einem Ort niederzulassen. Neben der sozialen Infrastruktur und der Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs, sind es aus meiner Sicht auch die verkehrliche Erreichbarkeit und das Angebot an Arbeitsplätzen. Heimatverbundenheit spielt natürlich generell eine große Rolle. Aber man sollte nicht unterschätzen: Die Breitbandversorgung ist für viele Menschen ein wichtiges Thema und damit Standortfaktor.

 

Welchen Ansatz der Gemeindeentwicklung verfolgen Sie konkret in Dötlingen?

H. P.: Wir haben die Landwirtschaft als wichtigen Wirtschaftsfaktor erkannt und in den letzten Jahren auch durch die Schaffung verlässlicher Rahmenbedingungen in der Bauleitplanung gestärkt. Konflikte mit heranrückender Wohnbebauung konnten auf diese Weise minimiert werden. Die Landwirtschaft wiederum engagiert sich mittlerweile stark bei der Produktion erneuerbarer Energien wie Windkraft, Photovoltaik und Biogas. Davon profitiert die Gemeinde ebenfalls. Das "Golddorf" Dötlingen mit seiner Tradition als Künstlerdorf inmitten einer gepflegten bäuerlichen Kulturlandschaft übt touristisch außerdem auf viele Menschen einen besonderen Reiz aus. Zehntausende Besucher jedes Jahr belegen das eindrucksvoll. Diese Karte muss man spielen, allerdings immer wieder neu, denn unsere Zeit ist nun mal kurzlebig. Gleichzeitig setzen wir bei unserer wirtschaftlichen Entwicklung aber auch auf das Handwerk und vor allem den Dienstleistungssektor. Der Bereich der sozialen Dienstleistungen bietet bei uns inzwischen die meisten Arbeitsplätze – Tendenz weiter steigend.

 

Viele Menschen machen sich allerdings erhebliche Sorgen: Wie soll es für die Dörfer und kleinen Orte in Deutschland weitergehen? Es wird deutlich, dass Sie in Dötlingen an vielen Stellen ansetzen, um die Situation in Ihrem Wirkungskreis zu verbessern. Was ist zusammengefasst Ihre wichtigste Empfehlung  an die kommunalen Verantwortlichen anderer Gemeinden?

H.P.: Man darf die Dinge nicht sich selbst überlassen, sondern muss Entwicklung gezielt herbeiführen. Dabei ist es wichtig, neben einer stabilen Grundversorgung über alle Lebenslagen in jeder Gemeinde Alleinstellungsmerkmale herauszuarbeiten und zu pflegen.

 

Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg beim Einsatz für Ihre Bürgerinnen und Bürger.

Das Interview führte Steffen Ortwein (Kontakt).

Fotos auf dieser Seite: Gemeindeverwaltung Dötlingen

 


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