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Regionalentwicklung & Kooperation
Die Kommune als Energieerzeuger

Deutschland hat die Energiewende beschlossen, bis 2022 soll der stufenweise Atomaustritt vollzogen sein. Um dieses Ziel erreichen zu können, muss die Nutzung der erneuerbaren Energieträger massiv ausgebaut werden. Eine entscheidende Rolle spielen dabei die Kommunen und Bürger im ländlichen Raum. Damit der Weg zur eigenständigen Energieerzeugung erfolgreich wird, müssen die Gemeinden technische, organisatorische und planerische Einflussfaktoren und Anforderungen beachten. Diese erläutert der Autor Jürgen Staab in seinem Buch "Erneuerbare Energie in Kommunen".
In den einzelnen Kapiteln stellt Jürgen Staab die wichtigsten Etappen dar: von der ersten Idee in der Gemeinde bis zur Umsetzung der geplanten Projekte. Hierbei gibt er zahlreiche wertvolle Tipps, etwa zu Ressourcen- und Standortentscheidung, zu Rechtsform- und Technologiefragen sowie zur Art der Finanzierung und Förderung. Nach seiner Einschätzung ist besonders die Genossenschaft eine geeignete Rechtsform. Vorgestellte Praxisbeispiele untermauern diese Meinung. Das Buch ist als begleitende Lektüre zur Umsetzung von Energievorhaben sehr empfehlenswert.
Jürgen Staab, 2011: Erneuerbare Energie in Kommunen – Energiegenossenschaften gründen, führen und beraten. Gabler Verlag, Wiesbaden, 185 Seiten. ISBN: 978-3-8349-2989-1
Finanzierung regionaler Entwicklung

Vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise und der Diskussionen um die zukünftige Ausgestaltung der EU-Förderpolitiken erhält diese Publikation eine besondere Aktualität. Die Folgeprobleme von Abwanderung und demografischem Wandel werden sich in vielen ländlichen Regionen verschärfen, während öffentliche Fördermittel knapper werden.
Diesen Herausforderungen muss sich auch die ländliche Entwicklung stellen: Fördermittel müssen effizienter eingesetzt und privates Kapital stärker eingebunden werden. Effizienter wird Finanzierung oft auch dann, wenn die regionalen Akteure mit ihrem Wissen über die Sinnhaftigkeit einer Projektförderung vor Ort selbst entscheiden. 18 Autoren geben in den Kapiteln "Regionalisierte Zuschüsse und Budgets", "Fonds in der Regionalentwicklung" und "Regionale Perspektiven" einen Überblick über innovative Finanzierungsinstrumente, die diesen Ansprüchen näherkommen. Veranschaulicht werden sie durch Praxisbeispiele in verschiedenen Regionen. Das Buch ist weniger für Praxisakteure geeignet, die sich umfassend über Fördermöglichkeiten im ländlichen Raum informieren wollen. Zielgruppe sind vor allem Menschen, die sich mit der zukünftigen Ausgestaltung von Finanzierungsinstrumenten für die Regionalentwicklung auseinandersetzen.
Sebastian Elbe, Florian Langguth, 2011(Hrsg.): Finanzierung regionaler Entwicklung oder: Geld ist schon wichtig. Shaker Verlag, Aachen, 240 Seiten. ISBN: 978-3-8440-0148-8
"Leitfaden" zur Beteiligung von Unternehmen in Regionalentwicklungsprozessen

Die Ergebnisse basieren auf einer Online-Befragung von LEADER und ILE-Regionen Deutschlands sowie Fallstudien und Befragungen von Unternehmen.
Beginnend mit einer Gegenüberstellung der Sichtweisen und Erwartungen des Regionalmanagements und der Unternehmen folgt ein kritischer Blick auf die Förderbedingungen besonders über den ELER und die GAK.
Im regionalen Bezug wird zwischen Konzeptionsebene, Strategie und Prozess sowie der Projektebene unterschieden. Hier geht es um die Bedarfsanalyse – auch im Dialog mit den Unternehmen um Schnittmengen und gemeinsame Handlungsfelder zu finden – um Kommunikationsstrukturen und Beteiligungsangebote, über die Informationen auch in die Steuerungsebene der Entwicklungsgruppe zurückspiegelt werden können. Unterschiedliche Vorgehensweisen werden jeweils an verschiedenen Fallbeispielen vom umfassenden bis zum kleinen Ansatz kurz erläutert und Ansprechpartner genannt.
Anschließend werden Herangehensweisen für die vier Handlungsfelder Förderung und Beratung, Unternehmenskooperation und -netze, unternehmerisches Engagement sowie Dialog und Austausch vorgestellt.
Für die Unternehmen stehen dabei der Aufbau neuer Kontakte, Auftragsverhältnisse oder Marktzugänge sowie der Wissens- und Erfahrungsaustausch im Vordergrund. Die Beteiligung mittlerer und Großunternehmen hat zum Ziel mit Politikern in Dialog zu treten um regionale Rahmenbedingungen und das Unternehmensimage zu verbessern. Eine direkte Förderung steht unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht im Vordergrund. Auch hier verdeutlichen kurze Beispiele die Ansätze.
Untersucht wurden überwiegend erfahrene Gruppen, die bereits langjährig ihren Fokus auf die Einbindung und Beratung von KKU legen. Diese Beratungskompetenz, die vertrauensvolle Mitarbeit im regionalen Bezug oder der Aufbau von Unternehmensnetzwerken braucht eben auch etwas Zeit. Die Vorgehensweisen wurden nicht methodisch vertieft und generell knapp gehalten. Der "Leitfaden" ist deshalb als erste Heranführung an das Thema zu verstehen.
Bietergemeinschaft SRINTconsult und Nova-Institut (Hrsg): Unternehmen in der integrierten ländlichen Entwicklung. Ein Leitfaden zur aktiven Gestaltung der Beteiligung; 2011, 27 Seiten
Hier können Sie den Leitfaden herunterladen (PDF-Datei, 4,1 MB)
Auf den Seiten der BLE finden Sie die Ergebnisse der Studie zum Download.
Interkommunale Kooperation schrumpfender Kleinstädte

Der demografische Wandel trifft den ländlichen Raum besonders stark. Die Autorinnen Antonia Schulitz und Britta Knoblauch untersuchen in der vorliegenden Diplomarbeit, wie kleine Städte und Gemeinden diesen Herausforderungen begegnen und welche Anpassungsinstrumente sie wirksam einsetzen. Anhand von Fallbeispielen aus der Praxis analysieren die Autorinnen Potenziale interkommunaler Kooperationen im Detail. Und sie geben auf dieser Grundlage Empfehlungen für verschiedene kommunale Handlungsfelder sowie für Akteure aus Regionalplanung, Bund und Ländern. Die Autorinnen sehen in der interkommunalen Kooperation auf Basis regionaler Handlungskonzepte eine Chance, die Lebensqualität in ländlichen Räumen aufrecht zu erhalten. Die komplexer werdenden Aufgaben sowie die sinkende Auslastung der Infrastrukturen ließen zu dieser Vorgehensweise keine andere Wahl. Dabei sei aber, so führen die beiden Diplomantinnen aus, die externe Unterstützung durch Fachleute essentiell – nur so könnten erfolgreich Konkurrenzsituationen moderiert und positive Lösungswege aufgezeigt werden.
Antonia Schulitz, Britta Knoblauch, 2011: Interkommunale Kooperation schrumpfender Kleinstädte – Analyse der Chancen und Grenzen für schrumpfende Kleinstädte im ländlichen Raum. AVM-Verlag, München, 221 Seiten. ISBN: 978-3-86306-716-8
Zwischen Landflucht und Lebens(t)raum - Wege zu lebendigen Dörfern in Brandenburg

Schulen und Dorfläden schließen, Vereinen fehlt der Nachwuchs, Häuser im Dorf drohen zu verfallen – so wird die Situation von Dörfern in peripheren Räumen Ostdeutschlands häufig beschrieben. Im Gegensatz zu dieser pessimistischen Sichtweise zeigt die Autorin der Studie, wie Dörfer in Brandenburg der Abwärtsspirale entgegenwirken.
Im ersten Teil der Analyse schildert sie sehr anschaulich die heutige, historisch gewachsene Situation ehemals sozialistischer Dörfer, und das aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln: kulturhistorisch, politisch, ökonomisch, sozial und genderbezogen. Im zweiten Teil beschreibt sie Bemühungen zur Vernetzung innerhalb und zwischen Dorfgemeinschaften und zeigt, wie sich die Bewohner für den Erhalt der Lebensqualität einsetzen. Als Datengrundlage dienen Interviews mit über 400 Dorfbewohnern sowie zahlreiche Fallbeispiele.
Eine besondere Herausforderung der Dorfentwicklung liegt in der gesellschaftlichen Anerkennung kleinteiliger, dezentraler Ansätze und Lebensformen sowie in der interkommunalen Zusammenarbeit. Großes Potenzial zur Krisenbewältigung und zur Förderung der interkommunalen Zusammenarbeit birgt die stärkere Erschließung externer Ressourcen, wie zum Beispiel Beratung, so das Resümee der Autorin. Den Abschluss des Buches bildet eine Synopse aus Lebendigkeits-Indikatoren, die das methodische Handwerkszeug für die Dorfentwicklungsberatung bereichern.
Silke Stöber, 2010: Zwischen Landflucht und Lebens(t)raum – Wege zu lebendigen Dör-fer in Brandenburg. Margraf Publishers, Weikersheim, 281 Seiten. ISBN 978-3-8236-1606-1
Strategisches Management in der Regionalentwicklung

Diese wissenschaftliche Publikation beschäftigt sich mit der Übertragung strategischer Managementmodelle auf die Regionalentwicklung. Der Fokus liegt dabei auf Leader als einer Methode der Regionalentwicklung. Der Autor stellt mehrere strategische Managementmodelle aus der Betriebswirtschaft und aus dem regionalen Entwicklungskontext in ihrer Theorie vor. Dabei analysiert er auch die strategische Qualität der Regionalentwicklungspraxis auf Programm- und LAG-Ebene und reflektiert diese kritisch. Schließlich schlägt er ein strategisches Managementmodell für Leader-Gebiete vor.
Der Autor ist seit vielen Jahren Regionalmanager und Leader-Manager in der Tiroler Region Außerfern und bereichert somit die theoretischen Modelle mit viel praktischer Erfahrung. Sollte sich die Idee der EU-Kommission durchsetzen, einen Multifonds für Leader ins Leben zu rufen, bei dem sich die Regionen aus unterschiedlichen Fördertöpfen bedienen, aber dabei auf eine gemeinsame Entwicklungsstrategie zurückgreifen, sind solch neue Impulse für ein strategisches Management sicherlich hilfreich.
Günter Salchner, 2010: Strategisches Management in der Regionalentwicklung. Ein Managementmodell für LEADER-Gebiete. VDM Verlag Dr. Müller, Saarbrücken, 87 Seiten. ISBN: 978-3-639-28042-5
Effiziente Kooperationen von Stadtwerken

Stadtwerke stehen vor steigenden Herausforderungen: Sie müssen sich am Markt behaupten und zugleich den Verpflichtungen der Daseinsvorsorge gerecht werden. Dazu sind geeignete Unternehmensstrategien gefragt. Eine jetzt veröffentlichte Studie der Universität Leipzig in Zusammenarbeit mit der HypoVereinsbank untersuchte mithilfe einer Befragung von Stadtwerken deren Erfahrungen und Erwartungen hinsichtlich eingegangener und geplanter Kooperationen. Die 82 Teilnehmer der Befragung geben die Notwendigkeit einer strategischen Neu-orientierung des Gesamtunternehmens überwiegend als „hoch" an. Mit Kooperationen in einzelnen Unternehmensteilen erhoffen sich die Stadtwerke, neben finanziellen Mitteln auch zum Beispiel Know-how und technische Ausstattung bündeln zu können, um damit Risiken zu minimieren. Die meisten Kooperationserfahrungen machten die befragten Unternehmen in Bereichen wie Strom- und Gasbeschaffung, Messwesen sowie EDV- und Abrechnungsdienste. Während letztlich knapp die Hälfte der Stadtwerke zukünftig plant, weitere Kooperationen einzugehen, zeigen sich rund 40 Prozent der Befragten in dieser spannenden Frage jedoch weiter unentschlossen.
Die Ergebnisse der Expertenbefragung werden durchgängig sehr gut mit graphischen Darstellungen veranschaulicht.
Thomas Lenk, Oliver Rottmann, 2010: "Mehr als die Summe ihrer Teile – Effiziente Kooperationen von Stadtwerken". Studie in Kooperation mit der HypoVereinsbank AG, 40 Seiten. Kostenloser Download unter www.uni-leipzig.de/fiwi/Kompetenzzentrum
Breitbandausbau - was müssen Kommunen beachten?

Die notwendige Anbindung ländlicher Räume an schnelles Internet ist in aller Munde. Das im April 2010 erschienene Buch – ein Gemeinschaftsprojekt der Universitäten Münster und München – will hierfür Handlungsoptionen vorstellen. Es besteht aus zwei Teilen: Der erste, englischsprachige Teil richtet sich an ein internationales Fachpublikum. Er untersucht in Form einer vergleichenden wissenschaftlichen Darstellung die wirtschaftlich-organisatorischen Rahmenbedingungen für einen stärkeren Breitbandausbau. Der zweite, juristische Teil ist deutschsprachig und will kommunalen Entscheidungsträgern konkrete Handlungsoptionen für die sofortige Umsetzung von Breitbandlösungen in ihrer Kommune aufzeigen. Hier geht es zum Beispiel um Subventionsvergaben im Rahmen von Kooperationen mit Telekommunikationsanbietern.
Das Buch ist zwar nicht zwar nicht für Einsteiger geeignet, vor allem der zweite Teil bietet aber kommunalen "Breitband-Beauftragten", die sich oft mit komplexen juristischen Fragestellungen auseinandersetzen müssen, eine hilfreiche Orientierung. Zwar beziehen sich die Handlungsempfehlungen stets auf das Beispiel der Gemeindeordnung Nordrhein-Westfalens; doch geben sie auch kommunalen Verantwortungsträgern aus anderen Bundesländern wertvolle Hinweise, um wichtige Probleme und juristische Prüfungspunkte beim Ausbau von Breitbandinternet zu berücksichtigen.
Bernd Holznagel, Arnold Picot, Sebastian Deckers, Nico Grove, Marc Schramm, 2010: Strategies for Rural Broadband. An economic and legal feasibility analysis. Gabler Verlag, Wiesbaden, 248 Seiten. ISBN: 978-3-8349-2419-3
Bürgerbeteiligung für Land und Gemeinden

Die meisten Entscheidungsträger wissen es längst: Eine lebendige Demokratie braucht Bürgerbeteiligung. Um die politisch Verantwortlichen und Verwaltungsmitarbeiter in diesem Prozess zu unterstützen, hat die Landesregierung des Bundeslandes Vorarlberg in Österreich einen praxisnahen Leitfaden entwickelt.
Das Handbuch beginnt mit Aussagen zu negativen Erfahrungen mit Bürgerbeteiligung, die durch positive Statements erfahrener Entscheidungsträger widerlegt werden. Hier wird schnell deutlich, was Partizipation bedeutet: Verantwortung und Kompetenz an die BürgerInnen abzugeben und ihrer Kompetenz natürlich auch zu vertrauen. Anschließend stellen die Autoren übersichtlich das WAS und WARUM der Partizipation dar und geben Orientierungshilfen zur Vorbereitung entsprechender Prozesse. Den Hauptteil aber macht das WIE aus: Methoden der Bürgerbeteiligung werden detailliert beschrieben und mit Beispielen aus der Praxis unterlegt; Argumente zum FÜR und WIDER runden das Gesamtbild ab. Am Ende gibt das Buch Hinweise zu weiteren Informationsquellen. Politisch Verantwortlichen wird es damit leicht gemacht, sich einen Überblick zu verschaffen und die richtige Methode für ihren Partizipationsprozess zu wählen.
Bei der Lektüre des Buches wird schnell deutlich, wie bedeutend Partizipationsprozesse für eine Gemeinde und Region sind und was sie auf kleiner und großer Ebene bewirken können.
Amt der Vorarlberger Landesregierung – Büro für Zukunftsfragen (Hrsg.), 2010: Handbuch Bürgerbeteiligung für Land und Gemeinden. Bregenz, 54 Seiten. Download als PDF unter www.vorarlberg.at/zukunft / Menüpunkt Bürgerbeteiligung.
Vor Ort wird es konkret - Projekte für die Zukunft

Menschen, die mit ihren Projekten in Ostdeutschland neue Wege gehen, stehen im Mittelpunkt des Buches. Aus etwa 100 Projekten, die auf www.zukunft-ostdeutschland.de nachzulesen sind, wählten die Herausgeber 30 aus und machten dabei „die meisten Entdeckungen auf dem Land“. So erfahren die Leser, wie BürgerInnen Nahverkehr, lokale Energiekonzepte und Lebensmittelhandel organisieren, sie lesen von ungewöhnlichen Umnutzungsideen, von Belegschaftsinitiativen zur Übernahme von Betrieben und Ärztenetzwerken. An mehreren Beispielen wird deutlich, was Kulturprojekte für Öffentlichkeit und Gemeinschaft leisten können. Das Buch behandelt aber auch Arbeitgeberzusammenschlüsse zur gemeinsamen Personalpolitik und die Ansiedlung von Solarfabriken.
Eins ist allen Projekten gemeinsam: Menschen vor Ort beziehen sich auf konkrete lokale und regionale Bedingungen, sie „nehmen den Wandel selbst in die Hand und verändern damit das Leben oft nachhaltiger als die großen Player“. Das habe durchaus Vorbildfunktion, so die Autoren, die im Osten einen „Vorsprung beim Suchen nach Alternativen“ sehen. Das Buch zeigt außerdem neue Wege bei der Absicherung ehrenamtlicher Arbeit auf und will einen Beitrag zur Vernetzung lokaler Initiativen leisten.
Am Schluss plädieren die Herausgeber für eine „konkrete, passgenaue und flexible“ Förderpolitik, die bei Menschen ansetzt, die „mit eigenen Visionen und Handlungsstrategien Probleme vor Ort lösen wollen“.
Christoph Links, Kristina Volke (Hrsg.), 2009: Zukunft erfinden – Kreative Projekte in Ostdeutschland. Christoph Links Verlag, Berlin, 240 Seiten. ISBN: 978-3-86153-542-3
Mehrwert durch regionale Wertschöpfungskooperationen

Die Stärkung der regionalen Wertschöpfung und Beschäftigung ist für viele Regionen eine der wichtigsten Überlebensfragen für die Zukunft. Eine Grundvoraussetzung hierfür ist der Aufbau regionaler Wertschöpfungspartnerschaften. Wie diese Netzwerke es schaffen, einen Beitrag zur Regionalentwicklung zu leisten, darauf wollen die Autoren des vorliegenden Readers Antworten geben. Dabei steht das Produkt Milch im Fokus der Untersuchung, was angesichts des Preisverfalls und der Debatten um die Milchquote sicher kein Zufall ist. Die Autoren wollen Wege aufzeigen, wie kleine und mittlere Unternehmen der Branche durch regionale Wertschöpfungskooperationen der Krise die Stirn bieten können.
Hierfür bietet die Studie eine Art Handreichung in drei Teilen: Der erste Teil liefert die theoretischen Grundlagen der Regionalentwicklung. Der zweite Teil widmet sich der Situation der Ernährungswirtschaft am Beispiel der Milchbranche und ihrer Wertschöpfungsstrukturen. Im dritten Teil werden Best-Practice-Beispiele wie die Bliesgau-Molkerei und das Cluster aus NRW und Bayern vorgestellt. Obwohl das Vorwort des Readers noch die „herausragende Bedeutung“ für die neuen Bundesländer hervorhebt, wird im dritten Teil allerdings kein ostdeutsches Praxisbeispiel vorgestellt. Dies ist besonders schade, da der Reader ansonsten eine gute Zusammenführung von Theorie, Situationsanalyse und Praxis von Wertschöpfungsketten in der Milchbranche bildet.
RKW Kompetenzzentrum (Hrsg.), 2009: Innovative regionale Wertschöpfungskooperationen im ländlichen Raum. Erfolgsgeschichten – nicht nur aus der Milchwirtschaft. Eschborn, 76 Seiten.
Netzwerken leicht gemacht

Wie und in welchem Ausmaß sich Regionen politisch und administrativ steuern lassen, ist eine der spannendsten Fragen in der Regionalentwicklung. Dabei verlangt die zunehmende Globalisierung von den Akteuren ein immer höheres Maß an Anpassungs- und Innovationsfähigkeit. „Netzwerke“ spielen deshalb eine immer größere Rolle. Mit ihnen rückt das Beziehungsgefüge von Personen und anderen sozialen Systemen, etwa Organisationen, in den Mittelpunkt. Allerdings geht es in Netzwerken in der Regel primär nicht um ein gemeinsames Ziel, sondern um die Möglichkeit, mit anderen Akteuren überhaupt in Verbindung zu treten. Wie aber lassen sich damit Entwicklungsprozesse wirksam gestalten?
Dieser Frage geht das Autorenteam des Handbuchs „Erfolgreich durch Netzwerkkompetenz“ nach. Die Publikation wendet sich in erster Linie an Praktiker der Regionalentwicklung und der Raumplanung in Verwaltung, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft.
Im ersten Teil des Buches entfalten die Autoren nach einer Klärung des oft diffusen Netzwerkbegriffs zunächst ihr Verständnis von „Netzwerkkompetenz“ als der Verbindung von Kooperationsfähigkeit, -management und Netzwerksteuerung. Sechs Fallstudien aus der Praxis der Regionalentwicklung illustrieren dann die ganze Bandbreite unterschiedlicher Typen regionaler Netzwerke. Abschließend findet der Leser eine Auswahl an nützlichen Gestaltungsinstrumenten für die eigene Netzwerkpraxis – wie Checklisten, Fragebögen, Moderationsanleitungen und Analyseinstrumente.
Stefan Bauer-Wolf, Harald Payer, Günter Scheer (Hrsg.), 2008: Erfolgreich durch Netzwerkkompetenz: Handbuch für Regionalentwicklung. Wien, Springer, 189 Seiten. Bestellnummer: ISBN 978-3-211-73126-0
Effiziente Infrastruktur kein Allheilmittel

Der ländliche Raum steht derzeit einer Vielzahl von Herausforderungen gegenüber: Globalisierung, demographischer Wandel und Entvölkerung sind einige davon. Der Aufbau einer effizienten Infrastruktur wurde in Deutschland jahrzehntelang als Voraussetzung für eine erfolgreiche Regionalentwicklung angesehen mit dem Ziel, zwischen den Regionen Chancengleichheit in Bezug auf ihre wirtschaftliche Entwicklung herzustellen.
Das Buch „Infrastrukturnetze und Raumentwicklung“ von Timothy Moss, Matthias Naumann und Markus Wissen beleuchtet die Wechselwirkungen zwischen Infrastrukturentwicklung und regionaler Gesamtentwicklung kritisch. Der Fokus liegt dabei auf der Wasserver- und Abwasserentsorgung. So sei zum Beispiel ein Hauptproblem in Regionen mit starker Abwanderung, dass hohe Investitionen in die Infrastruktur auf immer weniger Nutzer umgelegt werden müssen und damit deren anteilige Kosten steigen.
Das Buch stellt eine gute Mischung aus theoretischen und empirischen Beiträgen zur Thematik dar. Es geht aus einem vom Leibnitz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS) bearbeiteten sozial-ökologischen Forschungsprojekt hervor. Es richtet sich einerseits an die Wissenschaft, gibt aber auch Empfehlungen an Praktiker aus der Raumplanung, der Regional- und Infrastrukturpolitik sowie an Unternehmen im Bereich der Ver- und Entsorgung.
Timothy Moss, Matthias Naumann, Markus Wissen (Hrsg.) (2008): Infrastrukturnetze und Raumentwicklung: Zwischen Universalisierung und Differenzierung. München, oekom Verlag, 339 Seiten. Bestellnummer: ISBN 978-3-86581-117-2
Regionen Aktiv - ein Blick dahinter

„Regional Governance“ als Konzept gewinnt in der Diskussion über eine erfolgreiche Regionalpolitik immer mehr an Bedeutung: Merkmale des neuen Konzepts sind die Aufwertung der regionalen Selbstverantwortung, die intersektorale Kooperation durch regionale Netzwerke und Partnerschaften und die Anreizsteuerung durch Finanzen, Wettbewerb und Evaluation – Merkmale, die ebenfalls Teil des LEADER-Ansatzes sind.
Auch bei dem Modellvorhaben des Bundes „Regionen Aktiv“ wurden die Aspekte der „Regional Governance“ eingesetzt. Die hier vorgestellte Publikation ist die überarbeitete Dokumentation einer Tagung, die im Rahmen der euregia 2006 stattfand. Ziel war es, die Fortschritte in den Regionen kritisch zu hinterfragen und die Ergebnisse zu analysieren. Zu Beginn geht Sebastian Elbe auf den Steuerungsansatz und die Förderphilosophie ein, die dem Modellvorhaben zu Grunde lagen. Danach beleuchtet Anna Meinecke, wie regionale Netzwerke und die Durchführung von Leistungswettbewerben gesteuert werden können und welche unterschiedlichen Netzwerktypen es gibt. Michael Böcher und Sebastian Tränker erläutern, welche auf den politischen Umsetzungsprozess bezogenen Faktoren zum Erfolg führen. In wieweit der gewählte Ansatz auch ökonomisch tragfähig und sinnvoll ist, hinterfragt Katrin Weiß. Robert Lukesch, Harald Payer und Jutta Rabenau entwerfen zum Abschluss, wie das ideale Förderprogramm der Zukunft aussehen könnte.
Michael Böcher, Max Krott, Sebastian Tränker (Hrsg.), 2008: Regional Governance und integrierte ländliche Entwicklung. Ergebnisse der Begleitforschung zum Modell- und Demonstrationsvorhaben „Regionen Aktiv“. Wiesbaden, VS Verlag für Sozialwissenschaften, 205 Seiten. Bestellnummer: ISBN 978-3-53115-277-6
Zur Zukunft ländlicher Räume

Das 2008 erschienene Buch „Zur Zukunft ländlicher Räume“ will ein Gegengewicht zu der meist negativ geprägten Berichterstattung über periphere ländliche Räume setzen: Es beschreibt nicht nur die Veränderungen, denen ökologische und sozioökonomische Systeme in ländlichen Räumen unterworfen sind, sondern zeigt auch, wie zu einer dauerhaft umweltgerechten Entwicklung dieser Regionen beigetragen werden kann.
Dafür werden exemplarisch drei dünn besiedelte Landkreise in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern unter die Lupe genommen: Barnim, Uckermark und Uecker-Randow. Sie stellen aus naturräumlicher und aus sozioökonomischer Sicht Extremfälle dar und zeigen damit die Chancen und Probleme ländlicher Räume in Mitteleuropa in ihrer ganzen Schärfe.
Das Buch gliedert sich in fünf Teile: Nach einer Einleitung befasst sich der zweite Teil mit den Strukturen der nordostdeutschen Untersuchungsregionen und deren Wandel. Das dritte Kapitel beschreibt die grundlegenden, überregionalen Landnutzungstendenzen, das vierte analysiert vertiefend fünf Entwicklungsoptionen ländlicher Räume. Im letzten Teil schließlich erhalten Akteure aus Politik und Verwaltung, Kommunen, Verbänden und Initiativen sowie Einzelpersonen zehn Kernempfehlungen für eine zukunftsorientierte Nutzung ländlicher Räume.
Das Buch ist Ergebnis der dreijährigen Arbeit der Interdisziplinären Arbeitsgruppe Zukunftsorientierte Nutzung Ländlicher Räume (LandInnovation) der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.
Reinhard F. Hüttl, Oliver Bens, Tobias Plieninger (Hrsg.), 2008: Zur Zukunft ländlicher Räume – Entwicklungen und Innovationen in peripheren Regionen Nordostdeutschlands. Berlin, Akademie Verlag, 441 Seiten. Bestellnummer: ISBN 978-3-05004-485-9
Was macht ländliche Räume erfolgreich?

Während sich einige Regionen erfolgreich im Wettbewerb behaupten, verlieren andere ihre Anziehungskraft für die Einwohner: Sie entleeren sich, die Arbeitslosigkeit schnellt nach oben und die Zukunft der Region wird in Frage gestellt. Das Erstaunliche ist, dass sich bei den meisten Regionen die rechtlichen Rahmenbedingungen ähneln, die abfallenden Regionen unter förderrechtlichen Aspekten sogar oft besser ausgestattet sind. Wieso gibt es also diesen Differenzierungsprozess zwischen erfolgreichen und desolaten Regionen in Europa?
Dieser Frage geht auch die hier vorgestellte Publikation nach – mit dem Ziel, das Auseinanderlaufen der Prozesse zu beleuchten und so besser zu verstehen. Das Besondere an dieser Veröffentlichung ist die Vielfalt der hier zusammengetragenen Meinungen und Erfahrungen. Zu Beginn werden die Positionen der Parteien im Deutschen Bundestag einander gegenüber gestellt. Im Anschluss gehen 13 Beiträge aus Politik und Forschung auf die Politik für ländliche Räume, ihren Reformbedarf bzw. die noch versteckten Potenziale ein. Die europäischen Erfahrungen bestimmen den dritten Abschnitt: Beispiele aus Rumänien, Österreich und Polen und das Thema Vernetzung/Zusammenarbeit spielen hier eine Rolle. Im letzten Abschnitt werden dann konkret 17 erfolgreiche Praxisbeispiele von Landwirtschaftsbetrieben, Verbänden, Behörden oder Dienstleistern erläutert.
Das Einzige, was diesen sehr umfassenden und gelungenen Sammelband noch vervollständigen könnte, wäre eine stärkere Gegenüberstellung der verschiedenen sektoralen Ansätze und Ziele.
Rainer Friedel, Edmund A. Spindler (Hrsg.), 2009: Nachhaltige Entwicklung ländlicher Räume. Chancenverbesserung durch Innovation und Traditionspflege. Wiesbaden, VS Verlag für Sozialwissenschaften, 487 Seiten. Bestellnummer: ISBN 978-3-53116-542-4
